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/ Bibel heute

Des Herrn tröstendes Wort für sein Volk

Ursula Hellmann über Jesaja 40,1–11.

Tröstet, tröstet mein Volk!, spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat die volle Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden. Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott![...]

Jesaja 40,1–11

Da wurde Jesaja aufgetragen, seinem Volk diese Botschaft zu bringen! Ich kann mir, trotz der außergewöhnlichen Art die ihn als Propheten einsetzte, überhaupt nicht vorstellen, dass Jesaja die erdumspannende Bedeutung dieses Trostbriefes selbst verstanden hat!  So wie es aussieht, musste er seinem derzeitigen König Hiskia erst einmal eine heftige Gardinenpredigt halten. Was der ihm voller Stolz erzählt hatte über seine neue Freundschaft mit dem Herrscher in Babylon, schockte den klugen Propheten bis ins Mark! Voller Stolz hatte Hiskia vor den Fremden mit all seinem Reichtum geprahlt und bildete sich ein, er hätte einen ehrlichen, starken Partner gewonnen. Jesaja musste ihm klar machen, wie folgenschwer Hiskias Naivität für sich selbst und ganz Juda sein würde. Leider gingen bei dem eigentlich so positiv regierenden König die Warnungen Jesajas zum einen Ohr hinein, zum anderen hinaus. Er hielt trotz allem an seiner Meinung fest: Es ist alles in Butter, und das wird auch so bleiben!

Der Prophet wusste es besser und sah die Katastrophe schon kommen. Aber dann bekam Jesaja - wohl noch im zeitlichen Zusammenhang – einen neuen Auftrag, den er öffentlich verkünden sollte. Die Sätze, welche ihm vom Geist Jahwes eingegeben wurden, hörten sich aber total anders an als das, was an Zorn und Enttäuschung in Jesajas Herzen rumorte.

In dieser Situation hätte ich selbst auf keinen Fall mit Jesaja tauschen mögen! Wie kann das sein? Jemandem Trost und Hilfe zusprechen, der mich bitter enttäuscht hatte und nichts hören wollte von Nachdenken und Einsicht? Da müsste ich doch, ehrlich gesagt, besch... na ja, da würden mir für mich mehrere unschöne Bezeichnungen einfallen.

Die einzelnen Punkte vom neuen Auftrag garantieren auf jeden Fall dafür, dass sie sich Jesaja nicht selbst ausgedacht hat. Was er reden sollte, ist schriftlich festgehalten worden. Ich denke, zuerst für ihn persönlich. Er hat es sich bestimmt nicht nur einmal Wort für Wort auf der Zunge zergehen lassen und darüber nachgesonnen, wie ein altes, aber sehr treffendes Wort es ausdrückt.

Tröstet, tröstet mein Volk!

Wurde ihm aufgetragen! Dabei wusste Jesaja aufgrund seiner entfernten Verwandtschaft mit dem Königsgeschlecht genau Bescheid über die Schicksale beider Teile vom Volk Israel während der Herrschaft seiner Könige. Da waren selbst im südlichen Juda die an sich gesetzestreuen Herrscher zeitweise in die heidnische Welt abgedriftet. Und Gott hatte das nicht ohne Folgen gelassen. Ephraim als Repräsentant von Nord-Israel vermisste bis dato noch die zwangsweise nach Assyrien Verschleppten. Und jetzt auch noch die Dummheit des judäischen Regenten und die Gefahr von Babel im Hintergrund! Aber Jesaja hielt die Worte Gottes fest, wie beauftragt. Die nächsten Sätze des Zukunftsplans Gottes sind ihm vielleicht erschienen, als würde ein verhangener Himmel plötzlich aufreißen und eine wunderbar klare Weitsicht ins Blau freigeben. Drei kurze Sätze sind schon eine Vorschau auf das, worauf das gesamte Volk seit seinem Bestehen wartete:

Die Herrlichkeit des höchsten Gottes alles Götter

– und Jesaja darf schon  einen Einblick gewinnen, wie dieses Kommen vorbereitet werden wird! Das hört sich an, als wäre der Herr schon im Anmarsch! Ach Jesaja! Hattest du die Hoffnung, du könntest deinen Leuten dieses unvorstellbare Ereignis deutlich machen? Wo du selbst im tiefsten Innern vermutet hast, dass alles nur weit entfernte Zukunftsmusik sein könnte.

Immerhin war für dich an der täglichen Realität abzusehen, dass dieser ewige, treue Herrscher keine sündlosen Engel besuchen wird, sondern Menschen unter der Knechtschaft des Todes! So wunderschön sie auch anzusehen waren – zu deiner Zeit, wie zu unseren Tagen – als Geschöpfe sind sie seit Adam nicht besser dran als alles, was dem Tod unterliegt – Menschen wie Natur. Tagtäglich hast du, großer Prophet, genau wie wir, diesen Zwang ertragen. Was kann da noch gesagt werden? Dir wurde der Weg aus der Falle hinaus schon klargemacht – vielleicht nicht in allen Einzelheiten, aber das wunderbar treue und liebevolle Ergebnis. Dummerweise haben deine Landsleute so gar keinen Sinn für deine supertröstende und heilende Botschaft gehabt. Dafür glaubten und vertrauten aber ungezählte Leser und Hörer den siebenhundert Jahre alten Verheißungen. Sogar das von Jahwe auserwählte Volk als Modellbeispiel für alle übrigen Erdbewohner sahst du im Geist schon, wie es am Ende dieser Weltzeit glücklich und zufrieden auf den Armen des Messias Jesus nach Hause getragen wird. Ob auch die Letzten dann endlich die volle Breite, Länge, Tiefe und Höhe verstehen, mit der sie seit ihrer vorsorglichen Entlassung aus dem Garten Eden getragen wurden?

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Kommentare (1)

Gottfried L. /

Ist dies wirklich eine Deutung von Jesaja 40 - das darf doch nicht wahr sein.