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Der verdorrte Feigenbaum

Bernhard Berends über Matthäus 21,18-22.

Vorschaubild: Matthäus 21

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Matthäus 21

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„Wer ist Jesus?“, um die Beantwortung dieser Frage geht es in allen vier Evangelien im Neuen Testament, und weiter: „Wer ist er für mich? Was kann er für mich, für mein Leben bedeuten?“

Seit einigen Wochen geht es in dieser Sendereihe um Abschnitte aus dem Matthäusevangelium. Die Situation um Jesus spitzt sich immer mehr zu. In den beiden Abschnitten, die unserem heutigen Text vorausgehen, wird berichtet, wie Jesus in die Stadt Jerusalem hineinreitet. Wie ein König, wie ein Herrscher zieht er ein, aber nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel, auf dem Lasttier, dem Tier der kleinen Leute. Er wird empfangen wie ein großer Herrscher.Die Autorität Gottes, des Herrn aller Herren, nimmt er in Anspruch, als er in den Tempel hineingeht und die Händler und Geldwechsler hinaustreibt. Er nimm sein Hausrecht in Anspruch.
 

Ein überraschendes Wunder

Die darauffolgenden Verse bilden den Bibeltext, um den es heute geht. Nur fünf Verse, ein kleiner Abschnitt. Hier geht es darum, ihm, dem Sohn Gottes, das Vertrauen zu geben.

Mit einer kleinen Begebenheit am Rande fängt es an. Jesus bekommt Hunger. Klar, er war ja ein Mensch wie wir. Er schwebte nicht über der Erde. Er war kein Geistwesen. Er hatte Hunger und Durst wie wir auch.

Er kommt an einem Feigenbaum vorbei, einem Baum mit ausladenden Ästen und großen Blättern. Es ist Frühjahr. Noch sind die Früchte nicht ganz reif. Aber man kann sie schon essen. Das Pflücken der Feigen vom Baum, um den Hunger zu stillen, ist erlaubt. Aber – Jesus findet keine Früchte, nur Blätter. Ich stelle mir vor, wie Jesus ärgerlich wird. Er, der schon viele Wunder getan hat, kann doch jetzt auch ein Wunder tun. Und tatsächlich, er tut es.

Aber er tut es anders, als ich es erwarten würde. Nicht etwa, dass plötzlich Feigen an dem Baum sind oder er etwas zu essen bekommt, nein, Jesus spricht den Feigenbaum an und sagt: „Nun wachse auf dir niemals mehr Frucht!“ Und tatsächlich, sofort verdorrt der Baum.
 

Alle Macht der Welt

Die Jünger, die dieses miterleben, sind sehr verwundert. So ein Wunder haben sie noch nie erlebt! Anders als sonst ist es kein Wunder, das Menschen hilft, das Leben ermöglicht, nein, der Baum stirbt ab und wird wertlos. Der Besitzer des Baumes hat einen Schaden davon.

Warum steht ein solches Wunder überhaupt in der Bibel? Jesus wendet sich an seine Jünger, an die Leute, die um ihn herumstehen. Er wendet sich auch an uns.

Mit diesem Wunder, diesem, so kann man wohl sagen, negativen Wunder, hat er deutlich gemacht, dass er souverän ist. Er hat von Gott, dem Schöpfer und Herrn der Welt, alle Macht bekommen. Wie bei anderen Wundern macht er deutlich: Wer sich auf ihn verlässt, wer ihm vertraut, der hat sich dem mächtigsten Herrn der Welt anvertraut. Wer zu ihm betet, der betet zu dem Herrn aller Herren. Er hat die Macht, alle Bitten zu erfüllen, selbst einen Berg ins Meer zu versetzen.

Das ist ja unglaublich! Das ist auch noch nie vorgekommen. Das ist ja auch undenkbar, dass ein Berg ins Meer stürzt, weil jemand Jesus darum gebeten hat.
 

Unerhörte Gebete verstehen

Aber Jesus will damit sagen: Dem, der sein ganzes Vertrauen auf ihn setzt, darf damit rechnen, dass Jesus die unmöglichsten Dinge tun kann. „Alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen“, sagt er.

Ist das wirklich so? Mir fallen genug Beispiele an, wo Gebete nicht erfüllt wurden, sowohl in meinem eigenen Leben als auch bei anderen. Oder habe ich nicht genug geglaubt, nicht genug gebetet, so dass meine Bitten nicht erfüllt wurden?

Aber warum lesen wir an mehreren Stellen im Neuen Testament, dass Jesus die Bitten erfüllt, die wir ihm nennen, wenn es dann doch nicht geschieht? Ich denke, dort wie auch in unserem Vers geht es Jesus darum, dass wir nicht nachlassen, uns ihm anzuvertrauen und damit zu rechnen, dass er für uns da ist.

Gott ist kein Automat, der alle unsere Wünsche erfüllt. Alle unsere Bitten stehen unter der Überschrift: „Dein Wille geschehe“.
 

Vertrauen trotz Enttäuschungen

In seinem Kleinen Katechismus erklärt Martin Luther diese Bitte so: „Gottes guter, gnädiger Wille geschieht auch ohne unser Gebet. Aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.“

Klar, wenn Gott, der Herr der Welt, wenn Jesus, der Sohn Gottes, alle Macht hat, dann können wir auch sagen: Gottes Wille geschieht. Er ist auf unser Gebet nicht angewiesen. Er kann machen, was er will. Wenn das so ist, könnten wir uns ja in unser Schicksal ergeben und sagen: „Wenn wir an Gottes Willen nichts ändern können, dann brauchen wir nicht mehr zu beten. Dann kommt alles, wie es kommt, und wir müssen uns damit abfinden.“

Aber Luther weist in seiner Erklärung darauf hin: „Wer zu Gott betet, wer sein Vertrauen auf Jesus setzt, wird wohl erleben, dass manche Bitten nicht erfüllt werden, jedenfalls nicht so, wie der Beter es sich gedacht und gewünscht hat. Aber wer sein Vertrauen auf Jesus setzt, wird damit rechnen: „Er führt mich auch dann einen guten Weg, wenn meine Bitten unerfüllt bleiben. Mag sein, ich kann ihn nicht verstehen. Ich kann seine Gedanken nicht ergründen. Aber ich will mich ihm anvertrauen.

In wenigen Abschnitten nach unserem heutigen Bibeltext lesen wir, dass Jesus gefangengenommen, verurteilt und wie ein Verbrecher ans Kreuz genagelt wird. Er stirbt um unsertwillen, so die biblische Botschaft. Doch Gott hat ihn auferweckt am dritten Tag. Nach Karfreitag kommt Ostern. Gott hat seine Macht erwiesen. Wer Jesus Christus vertraut, der hat sich dem anvertraut, der die größte Macht hat. Nun kann kommen, was will. Er ist für mich da.

Ihr Kommentar

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Kommentare (4)

Annett S. /

Sehr gut gelungen finde ich . lese es gern nochmal für mein bibelstudium nach, denn der text stell schon lange einige Fragen an mich. Mit freundlichen Grüße Annett S.

Rike /

Eine rundum sehr gute Auslegung: Einbettung in den Kontext, gute Texterklärung und Eingehen auf das Problem, wenn Gott unser Gebet scheinbar nicht erhört. Hoffentlich sind Sie bald wieder dran in "Bibel heute"! Gott segne Sie!

Arthur W. /

Vielen Dank für diese fundierte Auslegung zu diesem schwierigen Thema! Danke, dass Sie der Problematik nicht ausgewichen sind, sondern sie gut verständlich behandelt haben.

Bernhard C. /

Ein Aspekt hat bei der guten Auslegung gefehlt: Der verdorrte Feigenbaum ist, genauso wie der Weinstock, ein Bild für das abtrünnige Israel (vgl. Jer 8,13; Hos 2,14; Hos 9,10; Joel 1, 7: 12). Da mehr