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/ Bibel heute

1. Korinther 12,12-26

Eine Auslegung von Angelika Woidich

Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.[...]

1. Korinther 12,12-26

Wenn ich diesen Bibeltext höre bzw. lese, muss ich schmunzelnderweise immer an den Sketch „Der menschliche Körper“ des Komikers Otto Waalkes denken. Hier wird ein Gast in einer Kneipe von seinem Gegenüber provozierend angesprochen. Auf humorvolle Weise lässt Otto nun einige Organe zu Wort kommen und der Zuhörer darf teilhaben an ihren Reaktionen. Der Auftakt beginnt im Ohr, nachdem dieses Organ das Wort „Saufkopf“ vernommen hat. „Ohr an Großhirn, Ohr an Großhirn ... Großhirn an Auge ... Auge an Großhirn ...“ usw.. Selbst wenn Sie diesen Sketch nicht kennen sollten, so können Sie doch schon aus meinen wenigen zitierten Worten das gute Zusammenspiel der genannten Organe erahnen. Auch das „Aufeinander Angewiesensein“ der betroffenen Körperteile lässt sich in diesem Stück gut nachvollziehen.

Ja, der menschliche Körper ist nicht nur als Ganzes ein wahres Meisterwerk unseres Schöpfers. „Gott hat auch jedem einzelnen Glied seinen Platz im Leib gegeben, wie er es gewollt hat.“  Paulus überträgt nun in seinem Brief an die Korinther die Anatomie des Menschen  auf die christliche Gemeinde. Alle Christen, die durch die Taufe zur Gemeinschaft Jesu gehören, bilden den einen Leib Christi. Aber jeder Einzelne wiederum besitzt einen ihm zugedachten Platz und einen Aufgabenbereich, für den er von Gott auch mit der nötigen Begabung ausgestattet ist.

Aber nicht nur im 1. Korintherbrief finden wir diesen Hinweis. So erwähnt Paulus auch im Brief an die Römer verschiedene Gnadengaben, die im Dienst der Gemeinde stehen. Auch im Brief an die Epheser spricht Paulus von der Einheit im Geist und der Vielfalt der Gaben. Diese Unterscheiden sich von Talenten oder besonderen Fähigkeiten, denen  ich auch immer wieder in den Medien begegne. Hier fallen mir spontan die vielen Casting-Shows ein, in denen Talente, ja sogar Supertalente gesucht werden. Und sind diese schließlich mit vielen Showeffekten  gefunden worden, so beginnt für die neuen Stars das nicht immer leichte Leben im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Auch die Kirchengemeinden sind ständig auf der Suche nach Mitarbeitern, die bereit sind, ihre von Gott geschenkten Begabungen in das Gemeindeleben mit einzubringen, aber ohne Scheinwerferkegel.

„Sie erwartet ein interessantes und vielseitiges Aufgabenfeld.“, so wirbt ein Arbeitgeber in einer Stellenanzeige oft um die Gunst eines potenziellen Mitarbeiters. Analog dazu fand ich im Internet einen Link zu einem Gemeindebrief der Martin-Luther-Kirche in Würzburg. In dem Artikel „Der vierfache Auftrag der Kirche“ habe ich eine gute Beschreibung der vielseitigen Beschäftigungsmöglichkeiten im weltumspannenden Leib Christi gefunden. Ich möchte Sie dazu einladen, diesen Text so zu hören, dass Sie quasi parallel im Hintergrund Ihre eigenen individuellen Begabungen vor Ihrem geistigen Auge mitlaufen lassen.

Ich zitiere nun aus dem Gemeindebrief: „Schon die frühe Kirche hat ihren Auftrag mit drei griechischen Begriffen beschrieben: ‚Martyria’, ,Liturgia’ und ,Diakonia’.

Martyria – das ist das Zeugnis, die Verkündigung des Evangeliums, die Ausbreitung der Frohen Botschaft, die auch die Bereitschaft zum Leiden mit einschließt. Martyria, das ist der bezeugte Glaube.

Liturgia – das ist der Gottesdienst, das gemeinsame Singen und Beten in Dank und Fürbitte, die Feier des Abendmahls, die Begegnung mit Christus in Brot und Wein. Liturgia, das ist der gefeierte Glaube.

Diakonia – das ist der Dienst am Menschen, die Unterstützung der Bedürftigen im eigenen Land, aber auch die tätige Nächstenliebe unter den Armen der ganzen Welt. Diakonia, das ist der angewandte Glaube.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat noch einen vierten Begriff hinzugefügt: ,Koinonia’.

Koinonia das ist die Gemeinschaft, der Austausch nach dem Gottesdienst, der Kirchenkaffee, das gemeinsame Mittagessen, das Sommerfest, der Wandertag, der Gemeindeausflug. Koinonia, das ist der gelebte Glaube.“

Soweit der Auszug aus dem Gemeindebrief der Martin-Luther-Kirche in Würzburg.

Ich denke, jeder konnte ein mögliches Aufgabenfeld für sich ausfindig machen. Selbst ein kranker oder körperlich gebrechlicher Mensch kann vielleicht noch für jemanden beten oder findet tröstende und aufbauende Worte inmitten von Leid.

Durch die Taufe auf den dreieinigen Gott und getränkt durch den einen Geist, wie es Paulus ausdrückt, sind wir alle geschwisterlich verbunden. Der Apostel nennt in diesem Zusammenhang: Juden, Griechen, Sklave und Freie. Wir könnten ergänzen: Arme und Reiche, Akademiker und Handwerker, Gesunde und Kranke, Junge und Alte, Obdachlose und Villenbesitzer und, und, und ... . Wir alle bilden als Christen den einen Leib Christi und sollen uns in dienender Weise - ohne Neid - einander ergänzen.

Der Leib Christi lebt von den Herzschlägen mitfühlender und vergebungsbereiter Menschen. Um im Bild mit den Gliedern des einen Leibes zu bleiben: Die Herzkammer eines Industriestaatlers erhebe sich nicht über die Herzklappe eines Buschbewohners und umgekehrt. Und der Daumen eines Protestanten ist genau soviel wert, wie der kleine Finger eines Katholiken oder der Zeigefinger eines orthodoxen Christen. Und auch der Ringfinger eines messianischen Juden gehört zur Hand des Leibes Christi. In der Ökumene kann mit Demut noch viel erreicht werden.

Stolz, Neid, fehlende Vergebungsbereitschaft, Gleichgültigkeit und Hartherzigkeit seien hier nur stellvertretend für die vielen Einflüsse genannt, die dem Leib Christi Schaden zufügen. Aber Gott sei Dank ist Christus selbst Teil dieses Leibes, also mit jedem Glied leibhaftig verbunden. Er hilft uns, Korrekturen vorzunehmen, wenn wir ihm als Haupt die Regie überlassen und wir bereit zur Umkehr sind. Trenne ich jedoch das Haupt vom restlichen Teil des Körpers, so stirbt der Mensch. Dieses gilt auch im übertragenen Sinn für das geistige Leben. Viele Gemeinden wundern sich über „Geschwüre“, die längst wuchern und drohen, das fruchtbare Gemeindeleben zum Erliegen zu bringen. Kein Wunder, wenn sie beginnen, sich vom Haupt zu trennen.

Achten wir daher aufeinander in geschwisterlicher Fürsorge. Und helfen wir uns gegenseitig im Sinne der weitherzigen Liebe Jesu, damit der Leib Christi immer mehr zum glaubwürdigen Zeugnis der Frohen Botschaft und zum Segen für die Welt wird.

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