/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Wie schätze ich mich richtig ein
Gedanken von Susanne Thyroff über Galater 6,4.
Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.
„Ich bin nichts. Ich kann nichts. Und ich werde nichts.“ Das habe ich früher von einem Bekannten oft gehört. Ich fand das furchtbar. Denn natürlich stimmte es nicht. Glaubte er das selbst oder wollte er vielleicht einfach hören, dass jemand widerspricht? Ich weiß es nicht.
Das Gegenteil ist aber auch nicht besser: wenn jemand sich selbst völlig überschätzt.
Eine realistische Einschätzung von sich selbst zu gewinnen finde ich gar nicht so einfach. Wir neigen dazu, uns entweder größer zu machen, als wir sind, oder kleiner, vor allem im Vergleich mit anderen.
Der Apostel Paulus schreibt an die Christen in Galatien: „Ein jeder prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern.“ (Galater 6,4)
Paulus sagt nicht: Vergleiche dich mit anderen. Schau, ob du besser bist. Sondern: Prüfe dein eigenes Leben. Frage dich: Wie lebe ich vor Gott? Was sind meine Motive? Bin ich ihm treu?
Ich habe einmal in einem Kommunikationsseminar als empfohlene Grundhaltung gelernt: „Ich bin o.k. und du bist o.k.“ Das hat mir schon oft geholfen. Aber Paulus‘ Hinweis geht noch weiter: Wir sind auch veränderungsbedürftig.
Ich darf und soll mich ehrlich anschauen, prüfen, und das, ohne dass ich mich selbst fertigmache oder überhöhe. Meine Tochter prüft ihr Wissen gerade selbst häufig in der Fahrschul-App, so dass sie dann in der tatsächlichen Prüfung besteht. So kann und soll auch ich mich selbst prüfen. Dabei muss ich mich aber nicht vergleichen.
Stattdessen geht es um eine demütige Zufriedenheit: Ich muss mich nicht über andere erheben, um mich „gut“ zu fühlen, sondern ich kann mich freuen, wenn ich in meinem Bereich treu bin.
© Ruth Schneider / ERF
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