/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Versprechen oder Versprecher?
Gedanken von Jens Kilian zum Bibeltext Prediger 5,4
Es ist besser, du gelobst nichts, als dass du nicht hältst, was du gelobst.
Ich bin handwerklich nicht sonderlich begabt. Dementsprechend muss ich immer mal wieder Handwerker beauftragen, dass sie bestimmte Aufgaben an unserem Haus übernehmen. Sei es der Heizungsbauer, der Dachdecker oder der Elektriker. Viele Handwerker machen wirklich gute Arbeit und geben sich viel Mühe, die Arbeit zeitnah zu erledigen. Aber immer mal wieder erlebe ich es auch, dass jemand einen Auftrag annimmt, dann aber kurz vorher absagt oder einfach nicht kommt. Das kann mal vorkommen, aber wenn ich mich monatelang um einen Termin bemühe und immer wieder hingehalten oder versetzt werde, ärgere ich mich. Ich frage mich dann: Hätte er nicht einfach ehrlich absagen können, dann hätte ich längst einen anderen Handwerker gesucht, der die Arbeit ausführt.
Versprechen kann sich jeder mal, aber wenn Versprechen bewusst nicht eingehalten werden, geht vertrauen verloren. Davon hält Gott nicht viel. Deshalb ist schon im 5. Kapitel des biblischen Buches Prediger zu lesen: Besser du versprichst erst gar nichts, als dass du ein Versprechen nicht hältst!
Vor Wahlen erleben wir es regelmäßig: Politiker geben Versprechen ab, um gewählt zu werden, auch wenn klar ist, dass viele dieser Versprechen nie eingelöst werden. Wen würden Sie wählen: Jemand der Ihnen eine unbequeme Wahrheit zumutet oder jemand, der ihnen gut klingende, leere Versprechen macht?
Letztlich hilft es aber nicht, sich über Handwerker oder Politiker aufzuregen: Vielmehr muss ich mir selbst die Frage stellen: Rede ich ebenfalls das, was die anderen von mir hören wollen, um gut dazustehen? Stehe ich zu meinem Wort oder sind meine Versprechen Versprecher? Ich möchte zuverlässig sein, dass Menschen und Gott sich auf mich verlassen können.
© Ruth Schneider / ERF
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