Navigation überspringen
Um diesen Inhalt zu sehen, müssen Sie Analytische-Cookies akzeptieren.
Cookie Einstellungen
Player starten/anhalten

/ 41:12 Min. / ERF Mensch Gott

Mein Körper – meine Regeln: Linas Weg nach der Abtreibung

Lina lebt radikalen Feminismus – bis sie mit 22 ungewollt schwanger wird und abtreibt. Sie erzählt von monatelangen Albträumen, von Schuld, Vergebung und davon, wie sie Mutter wurde.

Lina lebt viele Jahre nach dem Grundsatz „Mein Körper, meine Regeln“ – als überzeugte, radikale Feministin. Mit 22 wird sie ungewollt schwanger und entscheidet sich für einen Abbruch: „Für mich war das ein Zellhaufen.“ Was danach kommt, hat sie nicht erwartet – ein halbes Jahr lang jede Nacht schwere Albträume, die sie zunächst auf einen Einbruch im Urlaub schiebt. Erst über christliche Freunde, ein Bibelhörbuch und eine durchweinte Nacht auf den Knien findet sie einen Weg heraus. In dieser Folge von ERF Mensch Gott erzählt Lina von Schuld, Vergebung und davon, wie aus der Frau, die abgetrieben hat, eine Mutter wurde.

 

Wie war Linas Haltung zur Abtreibung, bevor sie selbst schwanger wurde?

Für Lina war „Mein Körper, meine Regeln“ kein Slogan, sondern ein Prinzip. Als sie mit 22 ungewollt schwanger wird, ist der Abbruch für sie sofort gesetzt: „Zu meiner Lebenshaltung und zu meiner Attitude ist ja klar, dass ich jetzt auch irgendwie abtreibe.“ Das Ungeborene ist für sie kein Mensch: „Für mich war das ein Zellhaufen.“ Sie versteht die Entscheidung damals sogar als politischen Beitrag – als Zeichen für alle Frauen, die selbst entscheiden wollen.

 

Hatte Lina vor der Abtreibung Zweifel?

Ja, aber sie ließ sie nicht zu. Beim Pflichtberatungstermin bei pro familia kommen ihr einmal die Tränen und sie fragt: „Ja, was wäre denn wenn?“ Ihr Freund Dennis bremst sie ab: „Wir müssen uns überhaupt keine Gedanken darüber machen. Das ist ja nur Quälkram. Wir treiben sowieso ab.“ Rückblickend sagt Lina: „Zu der Zeit hätte ich dir gesagt, nee, gar keine Zweifel – einfach weil ich das vertreten musste.“ Als der Frauenarzt ihr eine weitere Bedenkwoche anbietet, lehnt sie ab: Ein geplanter Urlaub steht im Weg.

 

Was passierte nach der Abtreibung?

Lina und Dennis reden ein halbes Jahr lang praktisch nicht darüber – auch nicht im gemeinsamen Urlaub. „Wir haben das wirklich runtergeschluckt. Es war wirklich wie totgeschwiegen, das Thema.“ Körperlich beschreibt sie die Ausschabung als anstrengenden Eingriff mit starker Blutung und einer Woche Erholung. Emotional: „Es ist keine leichte Entscheidung, egal wie doll man jetzt irgendwie Feministin ist.“

 

Kann eine Abtreibung Albträume auslösen?

Lina schildert genau das. Ab kurz nach dem Eingriff hat sie ein halbes Jahr lang jede Nacht schwere Albträume, die sie als dämonisch beschreibt, teils mit Schlafparalyse: „Ich habe wirklich gedacht, ich verliere meinen Verstand.“ Zunächst führt sie das auf einen Einbruch im Urlaub zurück. Erst später bringt sie es mit dem Abbruch in Verbindung. Wichtig zur Einordnung: Das ist Linas persönliche Erfahrung, kein medizinischer Befund und nicht verallgemeinerbar. Wer nach einem Abbruch belastet ist, findet bei Beratungsstellen und Therapeutinnen professionelle Hilfe.

 

Was war der Wendepunkt für Lina?

Sie betet ein letztes Mal und fordert einen Beweis: Wenn die Albträume von einer Nacht auf die andere aufhören, geht sie „all in“. In derselben Nacht hört sie beim Aufräumen die Bibel als Hörbuch – die Geschichte von Sarah und Abraham. Der Gedanke „Fruchtbarkeit kommt von Gott" trifft sie: „Das war wirklich, als wenn mir Schuppen von den Augen fallen.“ Sie googelt „Kann Gott Abtreibung vergeben“, bricht zusammen und betet auf den Knien. In der Nacht darauf hat sie keinen Albtraum mehr – und seither, nach eigenen Angaben seit fünf Jahren, nie wieder.

 

Kann man Feministin sein und gläubig werden?

Lina beschreibt ihren früheren Feminismus rückblickend als eine Rolle, die sie sich zusammengestellt hat: „Ich habe mir so ein Paket zusammengelegt.“ Nach außen stark, innen orientierungslos – „ein inneres zerbrochenes Kind, gefangen im Körper einer Feministin.“ An den Christinnen und Christen in ihrem Umfeld zieht sie zuerst nicht die Theologie an, sondern die Art des Umgangs: „Ich habe noch nie so ehrliches, aufrichtiges Interesse an mir erlebt.“ Heute sagt sie: „Gott hat mir Identität gegeben.“

 

Empfindet Lina heute noch Schuld?

Sie unterscheidet zwischen Schuld und Verdammung. Vergebung hat sie erlebt: „Gott habe ich als jemanden kennengelernt, der mit offenen Armen mich voller Schuld annimmt. Das ist kein Gott, vor dem man Angst haben muss.“ Der Schmerz bleibt trotzdem: „Es tut immer noch weh, und das wird auch bis zum letzten Tag weh tun.“ Als sie später gewollt schwanger wird, muss sie gegen den eigenen Gedanken ankämpfen, sie hätte es verdient, kein Kind bekommen zu können.

 

Wie ging es mit Dennis weiter?

Dennis kommt aus einem muslimischen Elternhaus und interessiert sich vor allem für die historische Seite der Bibel. Weil beide ihren Glaubensweg in unterschiedlichem Tempo gehen, trennen sie sich – bewusst und ohne Kontakt: „Wenn Gott uns füreinander bestimmt hat, dann werden wir auch wieder zusammenkommen.“ Ein halbes Jahr später hört Lina auf einer Sommerfreizeit, wie Dennis seine Geschichte erzählt. Sie kommen wieder zusammen, heiraten und bekommen ein Kind. Über die Abtreibung reden sie erst in der Ehe wirklich.

 

Wo finde ich Hilfe nach einer Abtreibung oder bei ungewollter Schwangerschaft?

Wenn Du belastet bist, sprich mit jemandem darüber. Anlaufstellen sind Schwangerschaftskonfliktberatungen, Hausärztinnen und Psychotherapeutinnen. Beim ERF kannst Du dich jederzeit an das Gebets- und Seelsorgeangebot wenden: Gebet beim ERF. Bei akuter seelischer Not erreichst Du die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 1110111 und 0800 1110222.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.

Kommentare (1)

Die in den Kommentaren geäußerten Inhalte und Meinungen geben ausschließlich die persönliche Meinung der jeweiligen Verfasser wieder. Der ERF übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Rechtmäßigkeit der von Nutzern veröffentlichten Kommentare.
Sabine /

Danke für diesen Beitrag !!! So viele Gedanken, die ich habe und bestimmt viele Frauen, wurden hier erzählt. Ich konnte dieses gefangen-sein förmlich mit erspüren, und freue mich, das das frei werden mehr