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Mein Name bedeutet Klarheit
Eine besondere Herausforderung.
Ich stelle jedes Jahr unter ein bestimmtes Wort. Dabei habe ich mich schon oft gefragt, ob dieses Wort für das Jahr, das immer so mühelos zu mir zu kommen schien und mich auch mal überraschte oder verwunderte, nicht trotzdem ein mehr oder weniger unterbewusster Wunsch meines Herzens war und nicht unbedingt ein Wort, das Gott für mich hatte.
Ich bin ehrlich, darauf habe ich keine klare Antwort. Ich glaube aber, dass wenn wir Gott sehr nahe sind, die eigenen Wünsche sehr geprägt sind von dem, was Gott für uns bereithält.
Sehnsucht nach Sicherheit
Schon im Herbst letzten Jahres kam in mir das Wort „Sicherheit“ immer wieder auf. Ich nahm mir vor, dieses Wort zu meinem Wort den Jahres 2023 zu machen und es tief und ganzheitlich zu ergründen und bestenfalls zu erleben und weiterzugeben. Das habe ich auch in verschiedenen Kreisen thematisiert und festgestellt, dass es auch andere bewegte. Dabei wurde mir bewusst, wie sehr ich mich nach tiefer Sicherheit sehne, dieses Gefühl aber gar nicht richtig kenne.
Innerlich bin ich ständig auf der Hut, sehe in vielem persönliche Kritik und denke, ich müsste mich ständig rechtfertigen. Diese Unsicherheit ist natürlich auch sichtbar und lässt mich in sozialen Situationen unbeholfen wirken.
Ich lehnte meine Unsicherheit ab
Ich wollte diese Unsicherheit unbedingt ablegen, weil ich sie massiv ablehnte. Schon als Kind konnte ich meine unsichere Art und Schüchternheit nicht ausstehen. Ich war immer so gefangen in mir selbst, während andere in meinem Alter völlig unbedacht spielten, tobten und Lärm machten. Ich konnte das einfach nicht, zumindest in den meisten sozialen Umgebungen wie Kindergarten, Schule, Gemeinde etc. Mir wurde von verschiedenen Seiten immer wieder suggeriert, dass irgendwas mit mir nicht stimmte.
Im Krieg mit mir selbst
Sicherheit zieht mich deshalb so an, weil ich so endlich meine ungeliebte Unsicherheit loswerden kann. Wenn ich aber im Krieg mit Anteilen meiner selbst bin, wie kann ich dann wirklich im Frieden leben? Beides geht nicht.
Durch meinen liebevollen Blick auf meine Schwächen können diese integriert werden – in meine Person als Ganzes. Ich kann meine überhöhten Erwartungen an mich senken und mich sein lassen. An mir zu arbeiten, bedeutet nicht, alles vermeintlich Negative auszumerzen, sondern genau damit achtsam in den Kontakt zu kommen. Wenn ich nicht echt und ehrlich mit mir selbst sein kann, wie kann ich es dann bei anderen sein?
Klarheit fordert heraus
Als ich Anfang des Jahres bei einem besonderen Lobpreis Abend war, kam mir im Gebet immer wieder das Wort „Klarheit“. Und ich wusste sofort: Darum geht es jetzt. Sicherheit ist definitiv ein Thema, dass ich noch lange bewegen werde, aber was hat es mit der Klarheit auf sich?
Ich hätte lieber den einfachen Weg zur Sicherheit gehabt. Da bin ich schon sehr warm mit geworden. Aber Klarheit ist herausfordernd, der Weg ist steinig.
Wir wollen doch alle irgendwie Klarheit, wissen was Sache ist, klare Sicht, klare Antworten. Aber mir macht es zugleich echt Angst, weil Klarheit auch herausfordert.
Im Nebel meiner eigenen Vergangenheit
Ich habe immer schon sehr tief vertraut, dass mein Weg gut ist und Gott bei mir ist, aber ich habe in letzter Zeit keine klare Vision mehr gehabt. Dadurch habe ich mich selbst nicht klar gesehen, sondern im Nebel meiner eigenen Vergangenheit, meinen heutigen Verletzungen, Erwartungen und Enttäuschungen gewatet. Meine Grenzen waren sehr unklar, wurden auch ständig (von mir selbst und von anderen) überschritten. Bei meinen Kindern habe ich kaum klare Ansagen gemacht und war immer wieder frustriert, dass sie sich nicht von mir leiten ließen.
Wenn ich etwas organisiert habe wie Frauenkreise, Retreats oder die wöchentliche Mama-Kind-Kleingruppe, war im Vorfeld oft so viel Nebel und Unklarheit in mir und ich konnte auch bei der Arbeit so selten klar und fokussiert sein. Inzwischen weiß ich, dass dieses sogenannte „Brainfog“ ein Symptom ist, das viele Ursachen haben kann. Unterschwellig hat es mit unverarbeitetem Trauma zu tun. Das Nervensystem kann dadurch nur schwer auf Entspannung umschalten.
Mein Name bedeutet Klarheit
Klarheit ist nicht gleich einfach. Man sieht Dinge, die man nicht unbedingt sehen wollte, versteht aber auch mehr Zusammenhänge. Man setzt klare Grenzen, die andere vielleicht nicht so toll finden, aber die Selbstachtung ist wichtiger. Der Blick auf Schattenanteile wird klar, aber auch, was wahre, bedingungslose Annahme bedeutet.
Mein Name bedeutet Klarheit und ich glaube, es ist kein Zufall. Ich glaube, dieses Jahr werde ich zurück zu mir kommen, zu meiner Identität. Klarheit leben. Es wird bestimmt nicht leicht, aber das war mein Leben noch nie. Ich bin so gespannt auf dieses Jahr und ich vertraue, dass die Klarheit auch viel Befreiung mit sich bringen wird. In Klarheit zu leben, wird sich nicht immer sicher anfühlen, im Gegenteil. Es wird herausfordernd klar meine Meinung und meine Persönlichkeit zu zeigen, ohne sie wie früher anzupassen und einzusperren.
Das wird schwer, aber ich bin kein ängstliches Kind mehr. Ich schließe Frieden mit diesem Teil von mir und ich kann mich endlich weiterentwickeln und eine Frau sein, die weiß, wer sie ist. Die weiß, wer sie in Gott ist und weiß, was ihre Aufgabe in dieser Welt ist.
Durch Klarheit zur wirklich tiefen, ausgereiften Sicherheit – das trifft es auf den Punkt.
Dieser Text von Claire Gonzales wurde zuvor auf www.keineinsamerbaum.org veröffentlicht
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