/ Wort zum Tag

Apostelgeschichte 15,8

Bibelvers

Gott, der die Herzen kennt, hat es bezeugt und den Heiden den Heiligen Geist gegeben wie auch uns.

Apostelgeschichte 15,8

Petrus war längst Christ, Apostel und Gemeindeleiter. Aber immer noch musste er neu dazu lernen. Von solch einem Lernprozess berichtet er hier: “Gott hat den Heiden den Heiligen Geist gegeben wie auch uns!” Gott stellte damit Heiden auf eine Stufe mit den Juden! Das widersprach dem bisherigen Denken des Petrus. Hatte nicht Gott selbst einen Unterschied gemacht zwischen dem auserwählten Volk und den anderen Völkern? Und nun fand durch Gott selbst eine Art Gleichmacherei statt, indem er auch den Heiden seinen Heiligen Geist gab? Es gibt ja bis heute die irrige Vorstellung, dass jeder Mensch bei seiner Religion bleiben solle: der Jude bleibe Jude, der Muslim bleibe Muslim, der Christ eben Christ, am besten noch in der Art und Weise, die man sich selbst aussucht.

Der lebendige Gott jedoch hatte alle in einen Topf geworfen und deutlich gemacht: jeder braucht den Heiligen Geist, wenn er im Gericht Gottes errettet werden will. Egal, ob Jude oder Heide. Und der Heilige Geist ist es, der uns im Auftrag Gottes Jesus als den einzigen Retter im Gericht Gottes vor Augen malt und ins Herz schreibt. Das widerspricht bis heute dem Denken vieler Menschen, sogar mancher Theologen. Wenn schon selbst Petrus hier lernen musste, sollten wir das dann nicht auch?

Ein zweiter Aspekt wird mit diesem Wort deutlich. Petrus hatte es ursprünglich nicht für möglich gehalten, dass Gottes Heiliger Geist auch Nichtjuden zuteil werden könne und diese zum Glauben an Jesus Christus führt. Ergeht es uns Christen nicht auch oft so, dass wir es Gott nicht zutrauen, dass dieser oder jener Mensch für Jesus gewonnen werden könnte? Wir halten ihn für so fern von Gott, dass wir keine Chance sehen. Und schon gar nicht halten wir es für möglich, dass er durch uns gewonnen werden könnte.

Deswegen war Petrus auch nur mit einigem Widerwillen hingegangen, als Gott ihn zu einem Heiden schickte. Doch dann muss er die Erfahrung machen: Gottes Arm reicht weiter als wir es für möglich halten. Und vor allem: Gottes Wille, Menschen aus der Verlorenheit zu retten, überschreitet alle Grenzen, die wir Menschen von unserer Tradition und Kultur oder unserem Denken her ziehen. Das ist die neue Erfahrung des Petrus. Und diese Erfahrung gibt er auf dem Apostelkonzil in Jerusalem weiter. “Wie auch uns” betont Petrus und macht damit deutlich: da ist kein Unterschied mehr vor Gott! Wo Gottes Geist in einem Menschen ist, da sind alle sonstigen menschlichen Unterschiede bedeutungslos geworden. Da ist nun eine große Jesus-Familie, wo einer für den anderen einsteht. Ich erinnere mich sehr gut, wie vor über 50 Jahren in unserer damaligen Dorfgemeinde zum ersten Mal eine junge Frau mit stark geschminkten Lippen, rot lackierten Fingernägeln und gefärbten Haaren in unsere Gemeindebibelstunde kam. Das war für viele ein Schock. Passte die denn in diesen Kreis? Doch als die anderen merkten, wie diese junge Frau ihr Herz für Jesus geöffnet hatte, wurde sie ganz schnell aufgenommen in ihren Kreis.

Ich erinnere mich, wie ich Jahre später zum ersten Mal bei einem jungen Mann in der Jugendarbeit Ohrringe und Tätowierungen sah. Ich weiß noch, was ich zuerst dachte. Doch dann merkte ich, dass dieser junge Mann sein Herz für Jesus geöffnet hatte. Ich gebe zu, ich fand die Ohrringe immer noch nicht sympathisch. Doch ich merkte, dass man sie zum Christwerden nicht vorher ablegen musste - und übrigens auch nicht nachher. Denn dieser Mann kam seinerseits an Typen heran, für die ich und meine Freunde viel zu bürgerlich waren.

Nein, es war nicht die Idee des Petrus gewesen, die kulturellen und religiösen Grenzen zu überschreiten und auch einem Heiden das Evangelium zu bringen. Er musste es. Es war schlichter Gehorsam. Und dann wirkte Gott durch ihn. Sind wir vielleicht heute viel zu kleinkariert in unserem Denken? Oder sind wir einfach nur zu faul zum Missionieren? Oder gar zu ungehorsam? Petrus macht auf dem Apostelkonzil den Mitgliedern der urchristlichen Gemeinde aufgrund eigener Erfahrung Mut, Gottes weiten Horizont zu erkennen und auszufüllen. Auch Sie können sich neu ermutigen lassen zu solch weitem Evangeliumshorizont. Vielleicht können Sie sich dabei in Ihrer Gemeinden mit einigen anderen zusammentun.
 

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