29.04.2026 / Andacht

Wie ich vergeben lernte

Warum es sich nicht lohnt, sich von der Schuld anderer den Schlaf rauben zu lassen. Eine Andacht.

Ich lag im Bett und starrte an die Decke. In mir tobte es. Ich war schrecklich wütend und das ließ sich nicht durch ein klärendes Gespräch wegdiskutieren. Ich wusste genau, dass eine Aussprache nichts bringen würde. Denn ich hatte schon alles versucht! Ein langes, klärendes Gespräch, vor dem ich gebetet und gelitten hatte, war erfolglos geblieben.

Ich hatte versucht, die andere Seite zu verstehen, hatte aber mittlerweile den Eindruck nach Strich und Faden belogen worden zu sein. Direkt ins Gesicht von Menschen, denen ich einmal vertraut hatte.

 Ich wollte mit niemandem in Unfrieden leben, aber nun war es genug. Das Maß war voll.

Ich hatte wirklich versucht zu vergeben, für Monate die ganze Angelegenheit verdrängt und dann war alles wieder aufgebrochen.

Siebzigmal siebenmal ist eindeutig zu viel

Da lag ich nun. Wütend und verzweifelt fragte ich mich: Wie kann ich vergeben, wenn der andere gar nicht glaubt, meine Vergebung nötig zu haben? Natürlich kannte ich als Christin die Antwort, dass ich auch dann vergeben sollte. Aber was hieß das? Wie oft muss ich das Verhalten meines Mitmenschen tolerieren, bevor ich eine Grenze ziehe?

Auch Petrus stellte sich in Matthäus 18,21-22 diese Frage: „‚Herr, wenn mein Bruder oder meine Schwester an mir schuldig wird, wie oft muss ich ihnen verzeihen? Siebenmal?‘  Jesus antwortete: ‚Nein, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!‘“ 

Siebzigmal siebenmal war eindeutig mehr als in meiner Macht stand. Schon einmal zu vergeben kam mir verdammt schwer vor. Wieso bürdete mir Gott die Last auf?

Vergeben ist keine zusätzliche Last!

Am nächsten Tag war ich müde und noch einen Ticken wütender. Denn schließlich schlief ich nur deswegen schlecht, weil diese eine Person in meinem Leben sich absolut abscheulich verhielt. Doch als ich das dachte, kam ich ins Stocken. „Wieso gebe ich dieser Person so viel Raum in meinem Leben?“, fragte ich mich. Es reichte doch, dass sie mich verletzt und enttäuscht hatte.

Vielleicht war Vergbung ja keine leidige, schwere Aufgabe, die ich zusätzlich zu schultern hatte, sondern die Möglichkeit, endlich meine Last loszuwerden. Diese Erkenntnis machte mich frei. Ich verstand: Ich bin nicht für das Verhalten meines Mitmenschen verantwortlich.

Vergeben heißt nicht schönzureden, was passiert ist, oder es zu tolerieren. Vergeben heißt nur alles vorbehaltlos an Gott abzugeben. Bei ihm sind mein Zorn und meine Verletzung in den besten Händen.

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

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