14.04.2024 / Andacht

Schwäche ist kein Beinbruch

Warum unsere Schwäche eigentlich unsere Stärke ist. Eine Andacht.

Gesundheit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. In der amerikanischen Sitcom „How I met your mother“ vertritt Barney Stinson die Ansicht, dass man sich aussuchen kann, ob man krank wird. Sein Motto ist: „Jedes Mal, wenn ich krank bin, höre ich auf, krank zu sein und bin stattdessen super gut drauf!“

Das funktioniert nicht einmal in der Serie, legt aber einen Wunsch offen, den vermutlich viele Menschen hegen.

Es passt nicht zu unserem Selbstbild, krank oder schwach zu sein.

Denn wer krank ist, kann nichts leisten; und an unserer Leistungsfähigkeit machen wir oft unseren Wert fest. Also bloß keine Schwäche zeigen!

Auch ich lebe oft so, merke aber immer wieder, wie viel Kraft das erfordert. Manchmal wäre es sinnvoller zuzugeben, dass mir ein Termin zu viel wird, als ihn trotz Erschöpfung, Müdigkeit oder Krankheit wahrzunehmen. Doch ich beiße mich lieber durch als Schwäche zuzugeben.

Obwohl ich recht klein bin, recke ich mich lieber, um an das oberste Bücherregal ranzukommen als jemanden um Hilfe zu bitten. Denn ich will nicht schwach sein. Gesund, vital, leistungsfähig – das ist mein Wunschbild von mir selbst.

Wieso nimmt Gott mir nicht meine Schwäche?

Paulus ging es ähnlich. Im 2. Korintherbrief schreibt er davon, dass er einen Pfahl im Fleisch hat. Ob es sich dabei um eine Krankheit oder eine geistliche Anfechtung handelt, ist ein Streitthema unter Theologen. Jedenfalls handelte es sich um eine Einschränkung, die Paulus als hinderlich für seinen geistlichen Dienst empfand. Deswegen bittet er Gott um Heilung.

Gott reagiert aber ganz anders, als Paulus oder wir das erwarten würden. Er nimmt Paulus nicht seine Schwäche, sondern sagt ihm stattdessen zu: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9).

Ich verstehe Gott hier nicht. Ein gesunder, leistungsfähiger Paulus hätte doch noch viel mehr bewirken können, oder etwa nicht? Aber diese Rechnung „eigene Kraft = Leistung für Gott“ geht nicht auf. Denn bei Gott zählt nicht nur, was ich leiste, sondern auch, aus wessen Kraft heraus ich es tue.

Verlasse ich mich darauf, dass ich selbst das Kind schon schaukeln werde, oder weiß ich, dass Gott letztlich das Seinige dazu geben muss?

Dämpfer fürs Ego, Befreiung für die Seele

An dieser Frage entscheidet sich alles. In dem einen Fall ist mein Einsatz das Entscheidende und jede körperliche oder charakterliche Schwäche ein Hindernis. Im anderen Fall ist es Gott, der an Menschen wirkt. Ich bin dann nur das Werkzeug, nicht der Hauptakteur.

Das ist von Gott auch so vorgesehen, nur meinem Ego schmeckt es nicht, in einem so großen Maße von Gott abhängig zu sein. Ich möchte lieber alles alleine schaffen. Oft merke ich aber irgendwann, dass ich das Buch alleine doch nicht aus dem Regal fischen kann, und bitte zähneknirschend um Hilfe.

Genau das wünscht sich auch Gott von mir. Manchmal – so glaube ich – mutet er uns Krankheiten oder Schwierigkeiten zu, damit wir lernen „Bitte“ zu sagen. Er nutzt meine Schwäche, um mir meinen Stolz abzutrainieren. Das ist erst mal deprimierend, holt er mich damit doch auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn ich erfahre, ich bin nicht Superman oder Wonderwoman. Aber es ist auch hilfreich, ja befreiend.

Denn wenn es nicht allein auf mich ankommt, sondern auf Gott, ist Schwäche kein Beinbruch mehr. Was für ein Glück!

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

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