25.08.2014 / Andacht
Ich bin dann mal weg
Warum Abschiede anstrengend und trotzdem nötig sind. Eine Andacht
Ich nehme nicht gerne Abschied. Denn diese Momente sind häufig getrübt von einer Gefühlsmelancholie, die ich mir selbst gerne ersparen würde. Immer wieder muss ich Abschied nehmen und damit etwas Liebgewonnenes loslassen. Das war vor einiger Zeit, als ich als Mitarbeiterin auf einem Jugendcamp auf Korsika mich einbrachte. Nach den zwei action- und erlebnisreichen Wochen standen alle Teilnehmer und auch wir Mitarbeiter auf einer Wiese, um voneinander Abschied zu nehmen. Nicht wenige mussten mit den Tränen kämpfen. Mit dem Wunsch im Herzen, dass die Teilnehmer auf dem Camp einiges für ihr Leben gelernt haben, musste ich sie nun loslassen.
Plötzlich heißt es: Loslassen
Schon solche kleinen Abschiede fallen mir schwer. Doch natürlich gibt es weitaus anspruchsvollere Abschiede. Dabei denke ich zum Beispiel an Beziehungsbrüche oder berufliche Umbrüche. Da hat man viele Jahre in eine Aufgabe oder einen Menschen investiert und dann heißt es plötzlich: Loslassen. Vor dieser Schwelle stehe ich immer mal wieder.
Da mischen sich Vorfreude auf die neue Stelle mit Traurigkeit und Wehmut. Schließlich geht auch etwas zu Ende. Und damit verliere ich etwas. Meine Aufgaben und auch wunderbare Kollegen, mit denen ich in den letzten Jahren einiges erlebt habe. Ich hadere mit mir selbst. Ich will nicht loslassen, ich will nicht weggehen. Warum kann es nicht so bleiben wie es ist? Warum müssen sich Dinge im Leben immer wieder ändern?
Neues Land erobern
Doch es bleibt unumgänglich: Das Leben erfordert immer wieder, Bekanntes loszulassen und weiterzugehen. Wer am Alten emotional haften bleibt und nicht bewusst loslässt, kann auch nur schwer neues Land erobern. Es braucht innere Freiheit, um sich wieder mit ganzem Herzen auf neue Gegebenheiten einzulassen. Paulus schreibt im Phillipperbrief 3,13f in Bezug auf seine Arbeit im Reich Gottes: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vorne ist.“
Er bringt dadurch auf den Punkt, dass man sich bewusst auf das vor einem Liegende konzentrieren und die neue Aufgabe mit Leidenschaft anpacken soll. Klar: In der Phase des Loslassens fällt das schwer und das ist auch in Ordnung. In dieser Zeit darf ich gnädig mit mir selbst sein und mir auch Zeit für den Abschied geben. Denn nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für eine neue Aufgabe und neue Kollegen.
Nur wenn ich Altes bewusst loslasse, bin ich offen für eine neue Aufgabe und neue Kollegen.
Jeder Abschied eine Chance
Der Abschied ist nicht nur wichtig, um neues Land zu erobern. Jeder Abschied ist eine Chance, in der ich Halt in Gott erfahren kann und meine Gottesbeziehung wächst. In Psalm 37,5 heißt es: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen.“ Für mich bedeutet es, dass Jesus sich in Umbruchszeiten von mir wünscht, dass ich ihm meine Ängste und Sorgen vor dem Ungewissen, aber auch die Trauer um den Verlust des Alten abgeben soll und wissen darf, dass er einen guten Weg für mich hat. Gerade wenn der Boden unter den Füßen wackelt, darf ich mich auf Gott fokussieren und wissen: Er ist in der Umbruchszeit bei mir und er geht auch weiterhin mit mir. Dieser Gedanke tröstet mich und lässt mich wieder lächeln. Auch wenn ich Abschiede immer noch nicht mag, weiß ich: Es geht weiter und es wird gut.
Gerade wenn der Boden unter den Füßen wackelt, darf ich mich auf Gott fokussieren und wissen: Er ist in der Umbruchszeit bei mir und er geht auch weiterhin mit mir.
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