29.06.2018 / Andacht

Erst beten, dann handeln

Warum Gott nicht alles segnet, was wir für ihn tun.

Segnet Gott meinen Dienst für ihn? Im Laufe meines Lebens komme ich immer wieder bei dieser Frage an. Ich erinnere mich noch gut daran, als meine christliche Theatergruppe sich auflöste. Jahrelang waren wir ein Superteam gewesen, dann schlief die Arbeit irgendwann ein. Damals fragte ich mich: Will Gott nicht mehr, dass wir christliche Anspiele für den Gottesdienst machen? Wieso segnet er unsere Arbeit nicht mehr?

Bei meiner Suche nach Antworten stieß ich auf eine Geschichte in Matthäus 17, 14-21. Ein Mann bringt seinen kranken Sohn zu Jesus und dieser heilt ihn. So weit, so gewöhnlich. Das Interessante ist, dass dieser Mann erst bei den Jüngern war und diese ohne Erfolg versucht hatten, den Sohn zu heilen. Als die Jünger Jesus fragen, wieso das mit der Heilung bei ihnen nicht geklappt hat, sagt er: „Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.“ (Matthäus 17,20)

Gott lässt sich auf keinen Kuhhandel ein

Nun lässt sich aus diesem Text einiges zum Thema Heilung herauslesen. Doch ich glaube, dass unser Glaube nicht nur entscheidend dafür ist, ob Heilung geschieht oder nicht. Auch unser alltäglicher Dienst für Gott sollte viel stärker von Glauben und Vertrauen geprägt sein.

„Auch unser alltäglicher Dienst für Gott sollte viel stärker von Glauben und Vertrauen geprägt sein.“

Oft habe ich es beobachtet, dass wir als Gemeinden vor allem auf das schauen, was wir tun können. Wir laden die Menschen im Ort zu Pro Christ ein und dann ist es Gottes Teil des Kuhhandels, dass sich Leute bekehren. Denn wenn wir viel an Arbeit und Mühe investieren, dann muss auch etwas dabei herauskommen. Ohne darüber nachzudenken, übertragen wir diese wirtschaftliche Denkweise auf den Glauben.

Doch darauf lässt Gott sich nicht ein. Natürlich freut er sich, wenn wir für ihn Zeit, Kraft und Mühe investieren. Aber Jesus sagt zu den Jüngern nicht: „Ihr hättet mehr machen sollen“ oder „Ohne einen Heilungsgottesdienst passiert da nichts“. Jesus nennt den Jüngern den entscheidenden Punkt für segensreiches Handeln: unseren Glauben.

„Jesus nennt den Jüngern den entscheidenden Punkt für segensreiches Handeln: unseren Glauben.“

Die größte Investition ‒ meine Beziehung zu Gott

Unser Glaube ist das Erste, in das wir investieren sollten, wenn wir Wachstum und Frucht in unserem Leben, unserem Dienst und unseren Gemeinden erleben wollen. Das Zweite erst sind unsere Ressourcen und Fähigkeiten. Wir sollen nicht nichts tun, aber manchmal stände es uns an, erstmal zu beten und dann erst aktiv zu werden.

„Unser Glaube ist das Erste, in das wir investieren sollten, wenn wir Wachstum und Frucht in unserem Leben, unserem Dienst und unseren Gemeinden erleben wollen.“

Vielleicht will Gott eine ganz andere Arbeit segnen als ich im Sinn habe. Vielleicht eröffnet er mir gerade neue Möglichkeiten ihm zu dienen, aber ich halte an meinen starren Vorstellungen über meinen Dienst fest – und darum passiert nichts. Wenn ich aber will, dass Gott mein Tun segnet, ist meine Beziehung zu Gott dafür auschlaggebender als meine Anstrengungen.

„Wenn ich aber will, dass Gott mein Tun segnet, ist meine Beziehung zu Gott dafür auschlaggebender als meine Anstrengungen.“

Das ist nicht leicht zu akzeptieren. Selbst aktiv werden ist oft leichter als glauben und beten. Aber schon Martin Luther sagte: „Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.“ Das will ich auch zu meinem Motto machen.

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

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