02.10.2026 / Kommentar
Deutschland – einig Meckerland?
Wie wollen wir unser Land gestalten? Ein Kommentar.
Am 3. Oktober feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Was bedeutet dir dieser Tag? Ist es vor allem ein arbeitsfreier Tag und du ärgerst dich ein bisschen, dass er 2026 arbeitgeberfreundlich aufs Wochenende fällt? Ist es ein Tag, an dem du zwar gerne ausschläfst oder etwas mit der Familie unternimmst, dir aber doch auch ein paar rührige Gedanken über Deutschland und seine Geschichte machst? Oder fühlst du an diesem Tag eine Art „Mission“, eine Mischung aus Wunsch und Streben, dass sich etwas verändert in „Schland“: Deiner Meinung nach müssten wir Deutsche endlich patriotischer werden oder dankbarer oder innovativer oder weltoffener oder …
Was wünsche ich mir für den Tag der Deutschen Einheit?
Bei mir ist der Tag ein Mix aus allen drei Varianten: Ich genieße den Feiertag, denke bewusst an das Geschenk der Deutschen Einheit (trotz unserer wenig ruhmvollen Vergangenheit einige Jahrzehnte davor) und wünsche mir, dass wir uns in Deutschland endlich viel stärker auf alles konzentrieren, was gut läuft, und wir weniger jammern.
Deswegen möchte ich gerne etwas grundsätzlicher werden und mich fragen: Wie will ich als Christin in diesem Land leben, das mir durch die vielfältigen Krisen der letzten Jahre manchmal vorkommt wie ein orientierungsloser Betrunkener, der torkelnd versucht, irgendwo Halt zu finden?
Wie verhalte ich mich, wenn Politik und Gesellschaft das Verständnis für jüdisch-christliche Werte verlieren und die Gottesebenbildlichkeit und Menschenwürde als Leitstern unserer Verfassung ausgehöhlt werden, weil sie sich wirtschaftlich nicht rechnen oder einem Hyperindividualismus zum Opfer fallen? Und zuletzt auch:
Wie gehe ich mit der zunehmenden Lagerbildung sowohl unter Christinnen und Christen als auch in der restlichen Gesellschaft um? Ich stehe ja nicht neutral außen vor, sondern bin selbst betroffen, auch emotional.
Einige Bücher zu dem Thema haben mir reichlich gedankliches Futter gegeben, das ich gerne mit dir teilen möchte. Falls dich die oben erwähnten Fragen auch bewegen, bieten sie dir vielleicht auch den einen oder anderen Aha-Moment.
Gott hat etwas gegen Unzufriedenheit
Mein erster Gedanke kommt aus einer biblischen Geschichte, die mir seit einiger Zeit in diesem Zusammenhang nicht mehr aus dem Kopf geht. Eigentlich ist es keine einzelne Geschichte, sondern eher ein Verhaltensmuster, das sich in der frühen Geschichte des Volkes Israels abzeichnet. Gott hat die versklavten Hebräer in einer dramatischen Aktion von ihren Unterdrückern befreit. Zusätzlich hat er ihnen eine bessere Zukunft im eigenen Land versprochen. Der Weg dorthin ist allerdings steinig, oder besser gesagt: sandig. Vor dem verheißenen Land liegt eine entbehrungsreiche Wanderung durch die Wüste.
Wenig überraschend und sehr nachvollziehbar für mich, fangen die Leute an diesem lebensfeindlichen Ort bald an zu jammern: „In Ägypten ging es uns nicht gut, aber wir hatten wenigstens genug zu essen. In dieser Einöde werden wir früher oder später verhungern und verdursten.“ Die neugewonnene Freiheit verliert ihren Glanz, sobald es mühsam wird. Andererseits sind die Sorgen der Israeliten berechtigt: Essen und Trinken sind keine Luxusgüter, sondern lebensnotwendig.
Ich vermute, das Problem besteht nicht in den Sorgen, die die Menschen umgetrieben haben, sondern in ihrer fordernden Einstellung. Gott hätte sich zweifellos gerne um Lebensmittel oder Wasser bitten lassen. So aber reagiert Gott nicht nur verständnisvoll auf die Klagen. Seine Ansage lautet: Ihr habt doch alle gesehen, wie ich mich in den vergangenen Wochen und Monaten um euch gekümmert habe! Warum traut ihr mir nicht zu, dass ich auch für euch sorge, wenn das Wasser knapp wird oder die Kochtöpfe leer sind?
Mühsame Zeiten? Dankbarkeit einüben!
Ohne die alte Geschichte überstrapazieren zu wollen, möchte ich doch einen Vergleich mit der jüngeren deutschen Geschichte ziehen:
Gott hat Deutschland mit der friedlichen Wiedervereinigung 1990 ein Geschenk gemacht, um das uns Nationen weltweit beneiden. Wie oft kam es in der Geschichte vor, dass ein diktatorisches Regime ohne Blutvergießen oder Bürgerkrieg in sich zusammenfiel und ein friedlicher Neuanfang möglich wurde?
Haben wir erwartet, dass es in alle Zukunft jetzt nur noch aufwärts geht? Schätzen wir das Geschenk von Einheit, Freiheit, Demokratie und einer sozialen Marktwirtschaft, auch wenn es mühsam wird oder unser Wohlstand stagniert? Geht es uns vor allem um die Befriedigung unserer materiellen Bedürfnisse oder sind wir bereit, für immaterielle Werte wie Freiheit, Respekt oder Gemeinwohl auch persönliche Opfer zu bringen? Sehen wir all das Gute, das wir in unserem Land haben und das uns einen Lebensstandard ermöglicht, von dem Menschen anderswo träumen?
Als Christin möchte ich mir von Gott diese Fragen stellen lassen und mir eine dankbare Haltung antrainieren. Ich gestehe: Allzu oft bin ich trotzdem eine Meckerliese. Und es ist ja auch wie eine Art zwischenmenschlicher Kitt, wenn man wahlweise gemeinsam über die Politiker, die Manager, die Beamten, die Lehrer, die Eltern – eben über „die anderen“ meckern kann. Nur macht das leider das gesellschaftliche Klima nicht besser und als Christin bin ich dazu aufgerufen, kein Luftverpester, sondern ein Luftverbesserer zu sein.
Gebet als Sauerstoffader für ein müdes Land
Das Gebet ist die beste Art, wie ich als Christin für eine bessere Frischluftzufuhr in unserer Gesellschaft sorgen kann.
Hier rede ich zwar auch über andere – aber ich tue es, indem ich für sie bitte. Ich nutze meine Energie nicht dafür, mich zu beschweren, sondern um Gott um seinen Segen und sein Wirken anzuflehen. Das ist eine völlig andere innere Haltung.
Der Prophet Jeremia rief seine Landsleute schon vor rund 2700 Jahren zu dieser Einstellung gegenüber dem Staat auf. Der Staat, den er meinte, war den Juden dabei nicht gerade wohlgesonnen. Er hatte ihr Heimatland zerstört und einen Großteil der Oberschicht verschleppt. In dieser prekären Situation schreibt Jeremia den Menschen im Exil Folgendes im Auftrag Gottes: „Setzt euch ein für den Frieden und das Wohlergehen Babels, wohin ich euch als Verbannte geschickt habe. Betet für das Wohlergehen der Stadt – denn wenn die Stadt, in der ihr gefangen gehalten werdet, Frieden hat, habt ihr auch Frieden.“ (Jeremia 29,7 NL)
Ähnlich formulierte es der Apostel Paulus in einem Brief an die ersten Christen. Sie leben ebenfalls in einer Umgebung, die ihnen nicht wohlgesonnen war. Trotzdem gibt er ihnen folgende Anweisung: „So sollt ihr für die Herrschenden und andere Menschen in führender Stellung beten, damit wir in Ruhe und Frieden so leben können, wie es Gott gefällt und anständig ist“ (1. Timotheus 2,2 NL).
Dankbarkeit und Fürbitte für mein Land sind für mich deswegen zwei tragende Elemente für meine Haltung als Christin im Blick auf Politik und Gesellschaft.
Warum leben wir in einer zunehmend polarisierten Welt?
Es gibt aber noch weitere Werte, die mich als Christin in meinem politischen oder gesellschaftlichen Denken und Handeln leiten sollen. Ich habe in dieser Beziehung viel von John Inazu und Kristen Deede Johnson gelernt. Beide Autoren setzen sich mit der Frage auseinander, wie Christen sich in der stark polarisierten US-amerikanischen Gesellschaft auf gute Art und Weise einbringen können. [i]
Anhand ihres christlichen Welt- und Menschenbildes denken sie darüber nach, welche Hilfestellung speziell der christliche Glaube für ein friedliches Zusammenleben bietet, ohne dass der Glaube dabei verneint werden muss – eine Forderung, die manche säkularen oder atheistischen Zeitgenossen bisweilen an gläubige Menschen herantragen.
Diese Fragen werden meines Erachtens auch in Deutschland umso drängender, je mehr ein gesamtgesellschaftlicher Konsens über das, was richtig und falsch ist, verloren geht. Letzteres kann man begrüßen oder bedauern, mit den Folgen davon müssen wir alle leben. Denn wenn Menschen aufeinandertreffen, die sehr unterschiedliche Maßstäbe daran anlegen, wie ein gutes oder richtiges Leben aussieht, wird es schwierig, gemeinsame Überzeugungen zu finden.
Das liegt gar nicht unbedingt daran, dass der gute Wille dazu nicht vorhanden ist. In der Theorie gestehen die meisten Menschen anderen nach wie vor eine abweichende Meinung zu. In der Praxis fällt es vielen aber trotzdem immer schwerer, mit Andersdenkenden eine gemeinsame Linie oder wenigstens einen Kompromiss zu finden.
Wenn eine andere Meinung die eigene Identität bedroht
Warum ist das so? Weil es eben nur vordergründig um unterschiedliche Positionen geht. Dahinter steht aber jeweils eine ganz bestimmte Weltsicht und mit ihr die Überzeugung, dass ich und alle anderen nur glücklich werden können, wenn diese Sichtweise von der Mehrheit geteilt und umgesetzt wird.
Eine abweichende Meinung ist deswegen für viele Menschen heute nicht etwas, worüber man diskutieren kann. Sie wird als Bedrohung für die persönliche Existenz und die eigene Identität empfunden.
Das macht eine sachliche Debatte viel schwieriger, wenn nicht unmöglich.
Das wurde mir bewusst, als wir im Familienkreis kürzlich hitzig über verschiedene Themen diskutierten. Ich habe mich bei dieser Auseinandersetzung nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert und wahrscheinlich hat sie mich deswegen noch lange beschäftigt. Immer wieder habe ich mich gefragt: Wie kommt es, dass wir in manchen Punkten überhaupt nicht zusammenfinden? Meine (vorläufige) Antwort darauf lautet: Weil hinter unseren jeweiligen Positionen zwei völlig unterschiedliche Lebensentwürfe stehen.
Christinnen und Christen sind von diesen „Überlebenskämpfen“ nicht ausgenommen. Solche mit einer konservativen Glaubenseinstellung haben beispielsweise eine nachvollziehbare Angst, von einer säkularisierten Gesellschaft und einer liberalen Kirche überrollt, missverstanden und schlimmstenfalls ausgegrenzt zu werden. Progressiv eingestellte Menschen kämpfen meiner Ansicht nach unter umgekehrten Vorzeichen mit dieser Angst. Sie sind in der Vergangenheit von Gesellschaft und Kirche ausgegrenzt und schlecht behandelt worden und wollen verständlicherweise unter keinen Umständen dahin zurück.
Warum ist die Welt so zerstritten und kaputt?
Wie lösen wir als Gesellschaft und als Christinnen und Christen diese grundlegende Spannung auf und finden zurück zu einem entspannteren Umgang miteinander?
Die ernüchternde und zugleich auch befreiende Einsicht, die ich den Büchern entnommen habe, lautet: Wir können diese Zerrissenheit nicht auflösen. Zumindest nicht ohne Zwang. Denn das ist es ja, was Diktaturen und Regime jeglicher Couleur versuchen: Durch eine erzwungene Einheit das Paradies auf Erden zu schaffen. Das ist bislang noch immer schief gegangen. Daraus folgte gerade in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Einsicht, wie wichtig Meinungsfreiheit ist.
Es gibt aus christlicher Sicht aber noch einen tieferen Grund, warum wir eine völlig harmonische, friedliche und in allen Bereichen des Lebens funktionierende Gesellschaft und Kirche nicht erreichen können. Das hängt damit zusammen, dass diese Welt nicht so ist, wie Gott sie ursprünglich geschaffen hat. Wir Menschen wollten in Eigenregie über uns bestimmen, statt Gott als unseren Schöpfer anzuerkennen und auf ihn zu hören.
Das hat bis heute für unser Zusammenleben drei Auswirkungen: Erstens ist sich im Zweifelsfall jeder einzelne selbst der Nächste, statt seinen Nächsten so zu lieben, wie sich selbst. Zweitens sind wir selbst nicht mehr ohne Weiteres in der Lage, zu erkennen warum Gottes Gebote gut für uns sind. Wir weichen von ihnen ab, verdrehen oder missbrauchen sie und schaden damit uns und unseren Mitmenschen. Drittens gibt es das Böse, das die ersten beiden Punkte gnadenlos ausnutzt, um uns gegeneinander aufzubringen, damit wir uns möglichst viel Schaden zufügen. (vgl. Matthäus 4,1-11; Johannes 8,31-45).
Was hilft bei unterschiedlichen Standpunkten?
Diesen Ist-Zustand zu sehen und ihn anzunehmen, ist für mich als Christin der erste Schritt hin zu einer besseren Debattenkultur. Wenn ich verstanden habe, dass diese Welt – und damit auch jeder politische Lösungsansatz oder jede Gesellschaftsform – per se unvollkommen ist, kann ich entspannter mit anderen Meinungen umgehen.
Ich muss kein Freund-Feind-Schema aufbauen und jeden, der oder die nicht in mein Raster passt, wahlweise canceln, ghosten oder niedermachen.
Ich muss andere dann auch nicht moralisch erziehen, wenn sie in puncto Klimaschutz, Friedensethik, Migrationspolitik, Wirtschaftslehre, Gender- oder Abtreibungsdebatte einen anderen Standpunkt haben. Unsere jeweilige Sicht macht uns nicht zu besseren oder schlechteren Menschen. Was das angeht, stehen wir in Gottes Augen sowieso alle auf einer Stufe und benötigen ausnahmslos seine Hilfe, um weise und klüger zu werden. Das biblische Motto lautet hier: Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders und übersiehst den Balken in deinem eigenen Auge?
Gott schenkt mir Identität und Zukunft
Dazu kommt, dass ich als Christin glaube, dass meine Identität, meine Sicherheit und mein Wert nicht in irgendeiner Weltanschauung oder Mehrheitsmeinung liegt, sondern in meiner Beziehung zu Jesus Christus. Er spricht mir meine Würde und meine Daseinsberechtigung zu. Beides bleibt mir erhalten, egal, was politisch und gesellschaftlich um mich herum passiert oder wie andere Menschen über mich urteilen.
Weil ich außerdem die Perspektive auf ein ewiges Leben habe, muss ich aus diesem Leben nicht alles herausholen, was geht. Auch politisch oder gesellschaftlich nicht. Diese Welt war für uns Menschen nie als endgültige Heimat gedacht und es geht schief, wenn wir versuchen, sie dazu zu machen. Das ist eine weitere Ressource, die der christliche Glaube mir im Umgang mit Spannungen und Unvollkommenheit schenkt.
Ich vertraue darauf, dass Gott diese Welt in seinen Händen hält. Er schreibt mit ihr seine Geschichte über alle politischen Systeme hinweg und er baut sein Reich in allen gesellschaftlichen Umbrüchen.
Er hat diese Welt schon gerettet, als Jesus Christus am Kreuz gestorben und drei Tage später auferstanden ist. Seitdem steht fest, dass alles einmal gut ausgeht. Ich kann und soll dem nicht vorgreifen, indem ich jetzt schon den Himmel auf Erden für mich und andere erschaffen möchte. Das ist Gottes Job und ich bin mir sicher, er wird ihn wesentlich besser machen, als wir es alle könnten.
Gibt es eine christliche Politik?
Das alles bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich mich nicht für meine Werte oder Überzeugungen einsetzen kann oder es sogar sollte. Aber es nimmt mir den Druck, sie durchsetzen zu müssen.
Europa hat ohne Zweifel stark vom Einfluss jüdisch-christlicher Werte profitiert. Auf Grundlage des dazu gehörenden Menschenbildes konnten sich hier in Verbindung mit anderen Strömungen Sichtweisen entwickeln, die den Wert des einzelnen Lebens, seinen Möglichkeiten und seiner Verantwortlichkeit betonen. Was es für das Miteinander bedeutet, wenn eine Gesellschaft diese Grundlage verliert, beschreibt der Autor Timothy Keller eindrücklich im Blick auf die zurückliegende Bereitschaft, einander zu vergeben.[ii]
Im Umkehrschluss gibt es aber keine per se christliche Politik. Stattdessen korrigiert die biblische Ethik jedes politische Lager. Eher links geprägte Menschen müssen vielleicht schlucken, wenn sie klarstellt, dass ein Armer einem Reichen gegenüber nicht bevorzugt behandelt werden darf. Das Korrektiv für eher rechts geprägte Menschen liegt in den biblischen Vorgaben, wie eine Gesellschaft mit sozial schwächer gestellten Menschen oder Flüchtlingen umgehen soll. Statt die Bibel also nur für die eigene Sichtweise zu vereinnahmen, ist es heilsam, sich die Texte anzuschauen, die hinterfragen.[iii]
Christliche Kernwerte einer guten Debattenkultur
Um den Sack zusammenzubinden: John Inazu und Kristen Deede Johnson haben aus all diesen Überlegungen drei christliche Kernwerte für eine gesunde Auseinandersetzung mit anders Denkenden und Glaubenden herausgefiltert: Demut, Geduld und Toleranz.[iv]
Sie beziehen sich dabei auf folgende Bibelstelle: „Führt ein Leben, das eurer Berufung würdig ist, denn ihr seid ja von Gott berufen worden. Seid freundlich und demütig, geduldig im Umgang miteinander. Ertragt einander voller Liebe“ (Epheser 4,1-2 NL).
Wünsche zum Feiertag: Selbstreflexion, Zuversicht – und Dankbarkeit
Was nehme ich aus all dem für den diesjährigen Tag der Deutschen Einheit mit? Zuallererst das Bewusstsein, dass es vor allem ein hartes Stück Arbeit an mir selbst ist, wenn ich das Geschenk der Freiheit und der Demokratie feiern und würdigen will. Denn ich weiß, dass es in meinem Diskussionsstil durchaus Luft nach oben gibt, was Geduld, Demut und Toleranz angeht. Zum anderen nehme ich aber auch die Zuversicht mit, dass ich als Christin zwar nicht sorglos, aber doch vertrauensvoll nach vorne blicken kann.
Die Zukunft gehört weder einem politischen noch einem gesellschaftlichen System. Sie gehört Jesus Christus.
Auf ihn kann ich mich bei allen Umbrüchen, Sorgen und schwierigen Fragen stützen und verlassen. Das ist – um den Bogen zum Anfang zu schließen – ein guter Grund, um dankbar zu sein und um für dieses Land zu beten!
[i] Die Bücher/ Beiträge der beiden sind bislang nur auf Englisch erhältlich:
John Inazu, Learning to disagree. The suprising path to navigating differences with empathy and respect, Zondervan Books, Grand Rapids, Michigan, 2024.
Der Beitrag von Kristen Deede Johnson findet sich in: Timothy Keller / John Inazu, Uncommon Ground. Living faithfully in a world of difference, Nelson Books, Nashville, Tennessee, 2020.
[ii] Timothy Keller, Vergeben – warum eigentlich. Und wenn ja, wie?, Brunnen Verlag Gießen, 2024.
[iii] Vgl https://www.youtube.com/watch?v=ag7_y-uLFXY&list=PLnn4HrypiHnd19WdtFtDD7pDpQkQNGjW-&index=2
[iv] Die Autoren verstehen Toleranz dabei als eine Haltung, bei der ein anderer akzeptiert und respektiert wird, auch und gerade, wenn man seine Meinung nicht teilt.
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