18.12.2007 / Theologie

Das Erste Gebot

Die Gebote Gottes sind eine Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben in Freiheit.

Mal ehrlich: Erschrecken wir nicht immer ein wenig, wenn wir mit den Zehn Geboten konfrontiert werden? Wir begegnen Imperativen, die uns in unserem freiheitlichen Leben und Denken einschränken wollen. Das wird am folgenden Beispiel deutlich:

Das Erste Gebot:
„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
 (2.Mose 20,2-3 und 5.Mose 5,6-7)

Wenn ich die Polizei im Rückspiegel entdecke, achte ich auf das Tempo, fahre defensiver, verhalte mich fast unnormal, Unsicherheit macht sich breit, obwohl ich mich an die Verkehrsregeln halte. Ist der Streifenwagen aus dem Blickfeld, atme ich auf, obwohl schon vorher alles in Ordnung war. Dabei will die Staatsmacht ja nichts Böses, sondern will beschützen und helfen. Wenn ich die Polizei einmal rufen muss – nach einem Unfall – können sie nicht schnell genug ankommen. Bei Notfällen sind Polizisten plötzlich unglaublich wichtig.

Ähnlich könnte ich bei den Zehn Geboten empfinden. Oft empfinde ich sie als belastend und einengend – denn auch die Briefmarke für Tante Friedas Brief aus der Portokasse der Firma ist geklaut –, dann aber berufe ich mich wieder auf sie, wenn mir selbst etwas gestohlen wurde.

Rückblende: Wie kam es zu den Zehn Geboten?

Die lange Gefangenschaft des Volkes Israel war zu Ende. Gott selbst befreite Israel aus der Sklaverei durch spektakuläre Wunder. Die befreiten Israeliten sammelten sich und zogen auf die Halbinsel Sinai. Am Berg Sinai offenbarte sich Gott dem Volk, indem er Mose die Gebote übergab.

Die Befreiungstat Gottes aus der Sklaverei war Voraussetzung, ja Fundament der Zehn Gebote. Das erste Gebot beginnt daher: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat.“ Der erste Satz des Gebotes ist eine Vorstellung der Person Gottes, kein Imperativ. Das ist die Legitimation! Der eine wahre Gott tritt aus dem Dunstkreis der zahlreichen Götter, die damals verehrt wurden, ins Licht und sagt: „Ich bin Dein Gott, unverwechselbar, ich bin der, der den Pharao in die Knie gezwungen und dafür gesorgt hat, das Du nicht in Ägypten untergegangen bist.“ Hier macht Gott seinen Anspruch auf sein Volk deutlich! Er hat also ein Recht darauf, von Israel zu fordern: "Du sollst keine anderen Götter haben, neben mir!"

Der persönliche Gott

Gottes Name ist „Jahwe“, was man übersetzen könnte mit „Ich bin, der ich bin“, „Ich werde sein, der ich sein werde“ oder eine Kombination dieser Möglichkeiten. Die Juden sprachen diesen Namen aus Ehrfurcht nicht aus, um das dritte Gebot, Gottes Namen nicht zu missbrauchen, nicht zu übertreten. Sie dachten, dass man Macht gewinnt über einen, dessen Namen man ausspricht – was bei Gott völlig unmöglich ist. Gott ist autark, er ist ausschließlich selbst bestimmt und von nichts und niemandem abhängig! Das macht ihn zum Gott. Und das ist es, was ihn absolut zuverlässig macht: Ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen.

Wenn sich jemand vorstellt, ist er präsent und kann von mir angeredet werden. Hier ist also eine Person, keine „gütige Macht“ über dem Sternenzelt, kein unbekanntes Wesen im Universum, keine universelle Energie – Hier spricht der Schöpfer dieser Welt in der Sprache, die ich verstehe. Ich bin also nicht durch irgendein Schicksal, in diese Welt geworfen worden, sondern Gott ist es, der mich, so wie die Israeliten aus Ägypten, ins Leben geführt hat. Nun lässt er mich aber nicht fortan allein, sondern kümmert sich um mich, indem er mir eine Gebrauchsanweisung fürs Leben gibt. Sie beginnt mit: „Ich bin für Dich da. Ich will Dich begleiten und auf die Aufpassen. Damit Dein Leben gelingen kann, gebe ich Dir einen Zehnpunkteplan, der Dir hilft, Dein Leben gut zu meistern."

Gebrauchsanweisung: Lesen und befolgen!

Mit Gebrauchsanweisungen ist das so eine Sache, denn man sollte sie lesen und befolgen, um ein Gerät richtig zu bedienen. Wenn ich mir ein neues Gerät zugelegt habe, muss ich es zuerst ausprobieren. Die Gebrauchsanweisung krame ich erst hervor, wenn mein Wissen mir einen Streich spielt. Ein solches Verhalten ist dumm, denn ich habe schon oft erlebt, dass erst das Studium eine Handbuchs mir alle Möglichkeiten des neuen Gerätes eröffneten.

Wo und wie lernst Du zu leben? Woher hast Du dafür die Gebrauchsanweisung bekommen? Viele Religionen und Weltanschauungen bieten verlockende Gebrauchsanweisungen an, die aber letztlich nicht genau auf unser Leben passen und aus dem Leben das herausholen, was darin steckt. Und weil Gott ewig und unveränderlich ist, sagt er mir im ersten Gebot: „Was ich damals mit Israel gemacht habe, mache ich auch mit Dir – wenn Du mich lässt.“

Doch wir Menschen wollen eigentlich nicht fremdbestimmt sein, sondern das Leben selbst bestimmen. Deshalb sagen wir Nein zu Gott und seiner Gebrauchsanweisung. Und dann wird rumgebastelt, experimentiert. Im Notfall wird neu durchgestartet – ohne Rücksicht auf Verluste und die Leichen, die wir im Keller liegen ließen.

Ein Liebes-Angebot

Gott kümmert sich um uns, weil er uns liebt. Er möchte, dass unser Leben gelingt – darum die Gebrauchsanweisung dafür. Er hätte uns auch völlig ohne Regeln einfach uns selbst überlassen können. Aber er möchte uns an die Hand nehmen, möchte uns zeigen, wie wir schwierige Situationen meistern und wie wir ein gutes Miteinander leben können. Dazu gehört auch der Respekt vor dem Schöpfer unseres Lebens, den er im ersten Gebot –  nicht unbegründet –  einfordert.

Der Schlüssel zum gelungenen Leben ist die Gebrauchsanweisung Gottes, sind die Zehn Gebote (die sich übrigens bis heute durch unsere Gesetzgebung(en) ziehen). Es geht nie um ein sorgenfreies Leben, sondern immer um den richtigen Umgang damit. Hochmut, Egoismus und Selbstvergötterung führen zwangsläufig ins Chaos. Die Missachtung der Gebote lassen mich, meine Umgebung und schließlich alle Menschen im Leben scheitern. 

Das aber ist keine bloße Moral, die in sich selbst funktioniert. Es ist die Liebeserklärung Gottes an seine Menschen. Alles beginnt damit, sich vollkommen auf Gott zu verlassen, der die Menschen zuerst gerettet hat und ihnen dann Lebensregeln mit auf den Weg gab. 

Die Zehn Gebote finde ich gut, weil sie kurz und prägnant sind, und das Leben nicht beschneiden, sondern es erst möglich machen. 

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