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200. Geburtstag von Robert Schumann

Der Poet der Musik

Genialer Künstler mit einem Leben voller Brüche: Vor 200 Jahren wurde Robert Schumann geboren.

Die Brüche in Robert Schumanns Leben sind zahlreich: Der Musikbeflissene, vor 200 Jahren am 8. Juni im sächsischen Zwickau als Sohn eines Musikalienhändlers Geborene, konzertierte bereits als Zehnjähriger am Klavier. Auf Wunsch seines Vaters begann er in Heidelberg ein Jurastudium. Doch die Leidenschaft für die Musik war stärker. In Leipzig wandte sich er sich bei Friedrich Wieck, dem Vater Claras und späterem, widerwilligen Schwiegervater, endgültig dem Klavier- und Kompositionsstudium zu. Durch ein Schlingentraining seiner rechten Hand versteifte sich Schumanns vierter Finger und er verlegte sich aufs Komponieren und die Musikschriftstellerei.

Als Herausgeber der wegen ihrer musikwissenschaftlichen Kompetenz bis heute hoch angesehenen „Neuen Zeitschrift für Musik“ setzte er sich für sein musikpoetisches Ideal Franz Schubert sowie für Felix Mendelssohn ein und ebnete dem jungen Johannes Brahms enthusiastisch den Weg. Schumanns erste Kompositionen galten der Gesangsstimme und dem Klavier, auf dem seine Braut und Frau Clara Wieck-Schumann die meisten uraufführte.

Gegenüber dem milderen Schubert war Schumanns Melodiebildung kürzer, feuriger, kontrastreicher und auffahrender, seine Kompositionstechnik noch stärker motivisch verarbeitend und harmonisch dichter, alles in allem bei aller Poesie von doppelbödigem Gehalt und von irrealer Fantastik. Das zeigt sich schon in der Benennung seiner Zyklen wie „Davidsbündlertänze“, „Carnaval“, „Faschingsschwank“, „Kreisleriana“, „Waldszenen“, „Papillons“ und „Fantasiestücke“ (mit unter anderem „Aufschwung“, „Warum?“, „Grillen“, „Fabel“ und „Traumeswirren“). Nicht immer gelang Schumann der Ausgleich zwischen seinen beiden dichterischen Leitfiguren, dem ekstatischen Florestan und dem empfindsamen Eusebius.

Auf Dauer genügte dem fantasievollen sächsischen Tonsetzer, der sich mit seiner Familie zuerst in Dresden, dann in Baden-Baden und Düsseldorf niederließ, das Klavier nicht mehr. Neben Kammermusik (darunter ein hinreißendes Klavierquintett) und einer Oper (der erfolglosen „Genoveva“) schrieb er viel Chormusik (während seiner Dresdner Chorleiterzeit) und sinfonische Werke (vor allem als Musikchef in Düsseldorf): Neben einem Klavierkonzert (natürlich für Clara) ein Violin- und ein Cellokonzert und vier Sinfonien.

Diese Sinfonien zeigen den Niedergang des am Ende seines nur 46jährigen Lebens syphillitisch infizierten Geisteskranken: Während die erste „Frühlingssinfonie“ noch voller Schwung, die geballte (später zur Vierten umgearbeitete) chronologisch Zweite von zyklisch einheitlichem Programmaufbau ist, werden die C-Dur-Sinfonie von 1846 und die „Rheinische“ von 1850 (gemeinhin als Zweite und Dritte gezählt) auch weitschweifig und zopfig. Der Schwung von Schumanns frühen Jahren verdünnte sich. Er starb am 29. Juli 1856 in der Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn. 

Quelle: Informationsbrief Nr. 64 / 2-2010 des Evangelischen Seniorenwerks (ESW)

Bild: gemeinfrei

Autor: Prof. Kurt Witterstätter


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