Die Königin von Saba
Pracht und Reichtum verbindet man mit der Königin von Saba. Die Schönen und Reichen werden also nicht erst seit unserer Zeit vergöttert.
Pracht und Reichtum verbindet man mit der Königin von Saba. Die Schönen und Reichen werden also nicht erst seit unserer Zeit vergöttert.
Die Königin von Saba, von der wir noch nicht einmal den Namen kennen, ist nur sehr spärlich im Alten Testament erwähnt, und doch kennt sie fast jeder. Woher kommt das? Um sie hatte sich schon im Altertum ein Glorienschein gebildet, der von Glanz und Pracht, Reichtum und Luxus kündete. Die „Schönen und Reichen“ werden ja nicht erst seit heute vergöttert und bewundert – das war schon immer so.
Königin besucht König
Zwei Bibelstellen im Alten Testament, die im Wortlaut fast identisch sind, erzählen sowohl vom spektakulären Reichtum der Königin von Saba als auch von dem König Salomos:
Könige 10,1-10 und 2. Chronik 9, 1-9. Hier erfahren wir, dass die Königin von Saba von Salomos außergewöhnlichem Ruf gehört hatte und deshalb neugierig geworden war, ihn kennen zu lernen und mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. Deshalb zog sie mit großem Gefolge und einer gewaltigen Menge Gold und Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten nach Jerusalem. Dort redete sie mit Salomo über alles, was sie sich vorgenommen hatte.
Antworten auf alles
Und er blieb ihr die Antworten nicht schuldig. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können. Da erkannte sie seine ganze Weisheit, und als sie seinen großartigen Palast sah, den er gebaut hatte, die erlesenen Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre seidenen Gewänder und nicht zuletzt das Opfer, das er im Hause des Herrn brachte, da stockte ihr der Atem. Sie bekannte, dass alles, was sie in ihrem Land über Salomo gehört hatte, nicht nur wahr sei, sondern weit übertroffen werde von dem, was sie jetzt sah und erlebte. Sie gestand dem König, dass sie es nicht hatte glauben wollen, bis sie es jetzt mit eigenen Augen sah. „Deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe.“ (1.Könige 10,7b).
Gott wird gepriesen
Und sie pries Jahwe, seinen Gott, der Gefallen an ihm gefunden habe und ihn auf den Thron Israels setzte. Sie sparte nicht an Gold, Balsam, kostbarem Holz und Edelsteinen, die sie ihm schenkte. Der König ließ aus dem Edelholz Schnitzereien für das Haus des Herrn und den königlichen Palast anfertigen, ebenso Zithern und Harfen für die Sänger.
Seinerseits gewährte König Salomo der Königin von Saba alles, was sie sich wünschte und begehrte. Er beschenkte sie so reichlich, wie nur er es vermochte und nie wieder ein König nach ihm. Mit dem lapidaren Satz: „Schließlich kehrte die Königin von Saba mit ihrem Gefolge in ihr Land zurück.“ (1.Könige 10,13b) endet der Bericht über diese sagenhafte Königin.
Neugier oder Handelsinteresse?
So weit, so gut und so schön wie im Märchen. Aber die Königin von Saba hat wirklich gelebt. Ihr Land lag etwa 2300 km südlich von Jerusalem im Gebiet des heutigen Südjemen. Man bedenke einmal, wie viel Zeit sie gebraucht haben mag, um diese weite Reise unter den Reisebedingungen damaliger Zeit zu bewältigen. Alles im allem müssen es Jahre gewesen sein.
Trotz der weiten Entfernung bestanden zur Zeit Salomos, also im 10. Jahrhundert vor Christus, intensive Handelsbeziehungen zwischen Israel und Saba. Man kann daraus schließen, dass der Besuch der Königin mehr dem Zweck diente, neue Handelsabkommen zu treffen oder alte zu erneuern, als lediglich ihre Neugier zu befriedigen.
Manche jüdische Rabbiner haben die Worte aus 1.Könige 10,13: „Salomo erfüllte der Königin jede Bitte“ als Hinweis darauf gedeutet, dass sie einen Sohn von Salomo hatte. Andererseits kann der Satz aber auch nur bedeuten, dass die angestrebten Verträge zu einem guten Abschluss kamen. Wir können das heute nicht mehr nachprüfen. Darum sei es jedem anheim gestellt, sich seine eigenen Gedanken zu machen.
(Foto: jcrump55, sxc.hu)



