Andacht

Hoch hinaus

Gibt es den perfekten Christen? Und wenn es ihn gibt, wie sieht er aus? Eine Andacht.

In der Bibel wird ein klares Bild von einem Menschen gezeichnet, wie er Gott gefällt:  „Seid gastfreundlich“. (Röm. 12,13) „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. (2. Kor. 9,7) „Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Matt. 5,48)

Wenn ich mich umschaue und andere Christen beobachte, bekomme ich oft den Eindruck, dass bei ihnen genau die Dinge funktionieren, an denen ich selbst scheitere oder die mich sogar ausbremsen. Mein Nachbar hat offensichtlich kein Problem damit, der perfekte Gastgeber zu sein. Irgendwie schafft er es mit links, das perfekte 5–Gänge-Menü auf den Tisch zu zaubern. Und ist dabei auch noch der perfekte Unterhalter, der für die richtige Stimmung sorgt. Oder wenn es darum geht, den sprichwörtlichen biblischen Zehnten „mit Freuden“ zu geben, frage ich mich, wie ich meine restlichen Ausgaben bestreiten soll. Während die anderen immer genug an allem zu haben scheinen, rauben mir selbst meine Sorgen die Freude am Geben.

Warum stürzen mich diese konkrete Anweisungen in solche Probleme, wenn sie doch biblisch, richtig und gut sind? Liebe ich Gott etwa weniger als die anderen Menschen? Stimmt vielleicht etwas in meiner Beziehung zu ihm nicht – oder gar mit mir selbst nicht?

Keine Abkürzung auf dem Weg der Nachfolge

Das ich keineswegs ein hoffnungsloser Fall bin, zeigt mir ein Blick auf die Jünger Jesu. Selbst sie waren nicht von heute auf morgen die vollkommenen Nachfolger. Sie lebten an seiner Seite, wurden Zeuge vieler Wunder und hörten seine Lehren. Doch diese Erlebnisse veränderten sie nicht von heute auf morgen: Als Jesus ihnen zum zweiten Mal auftrug, eine Menschenmenge mit Essen zu versorgen, fragten sie ihn wieder völlig überfordert, wie das zu bewerkstelligen sei. (Mark. 8, 1-9) Als Jesus Petrus sagte, dass dieser ihn verleugnen würde, wehrte Petrus vehement ab. Und tat anschließend genau das. (Mark. 14, 26-31 / Mark. 14, 66-72)

Mit seinen Worten und seine Taten streute Jesus bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Samen in die Herzen der Jünger. Doch diese Saat brauchte Zeit, um aufzugehen und sich zu entfalten. Erst nachdem Jesus sie verlassen hatte, fingen sie an, viele Dinge wirklich zu verstehen. Auf ihrem Weg der Nachfolge stolperten sie immer wieder und machten hier und dort auch Fehler. Nicht von heute auf morgen wurden Menschen aus ihnen, die Gottes Botschaft verstanden und umsetzten. Erst im Laufe ihres eigenen Einsatzes für Gott lernten sie, diese besser zu verstehen.

Das gleiche gilt für mich: Ich kenne die Aussagen Gottes und habe mein Ziel klar vor Augen. Doch es gibt nun mal keine Abkürzung für mich auf dem Weg der Nachfolge. Manchmal stolpere ich, und hier und da mache ich auch Fehler. Doch in meinem Innehalten frage ich mich: Wo bin ich – und wo will ich hin? In einem kurzen Gebet erzähle ich Gott, was ich festgestellt habe und bitte ihn, mich auf diesem Weg zu führen. So wie es David in Psalm 139, 23-24 gemacht hat.

Praktisch kann das so aussehen, dass ich nicht gleich zu einem 5-Gänge-Menü einlade, sondern mich auf ein Gericht beschränke. Oder dass ich eben sage: „Ich will meinen Zehnten mit Freuden geben. Und den Rest meiner Sorgen überlasse ich Gott und vertraue seiner Zusage.“

Indem wir uns immer wieder in unseren ganz persönlichen Schwächen neu auf Gott einlassen, erleben wir, wie uns Gott verändert: Unsere Perspektive und unsere Persönlichkeit. Und wenn wir mutig einen Fuß vor den nächsten setzen, stehen wir irgendwann am Gipfel und staunen über den Weg, den wir bereits zurückgelegt haben.


Kommentare

Von Karin am .

Sehr gute Worte. Immer wieder neu und aufbauend. Tägliches Einüben ist nötig.
Sich einlaasen können auf Gott und seine Möglichkeiten ist dann das Geschenk, welches uns erwartet.

Von Brigitte am .

Ich glaube, den "perfekten" Christen gibt es nur in unserer Phantasie. Wenn man bedenkt, welche Charaktere Gott dienten: Moses konnte nicht gut reden, David war ein Ehebrecher und Mörder, Paulus ein Christenverfolger, die ersten Jünger nur einfache Fischer. Damit meine ich nicht, dass man bei seinen Fehlern bleiben soll, man ist laut Römerbrief verpflichtet, sich zu verändern. Aber bei allem Bemühen : die tiefere Veränderung des Herzens kann nur ndurch den Heiligen Geist geschehen.

Von Karl am .

Sehr ermutigend. Danke! Mehr muss ich nicht sagen. ;-)

Von Christine am .

*danke* Spricht mir gerade aus dem Herz! Bei "Christens" ist ja natürlich auch nicht alles Gold was glänzt, aber wenn ich mich immer wieder auf Gott zurück besinne und mich entspanne, also die Verantwortung abegebe, klappt mein fröhliches Christsein wieder.

Von Wilfried D. am .

Jesus vergibt jedem reuigen Sünder, sogar einem Mörder. Ungeschehen macht er unsere Fehler deshalb aber nicht. Einige Sünden begleiten uns manchmal das ganze Leben. Aber Jesus trägt unsere Last mit und läßt uns diese zeitweise sogar vergessen. Es ist fast unglaublich zu erleben, wie Gott uns nicht auf unseren Fehlern sitzen lässt, sondern seinen Segen darauf aufbaut.


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