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Das himmlische Geschenk

Was Weihnachtspäckchen und Gottes Gnade (manchmal) gemeinsam haben. Ein Impuls zu 2. Korinther 6,1-2.

Weihnachten rückt näher und damit die Frage, was man wem schenkt. Schließlich soll der jeweilige Empfänger sich über sein Päckchen freuen. Das ist gar nicht so einfach, denn oft hat die betreffende Person schon alles, was sie braucht und kann sich kleinere Wünsche auch unter dem Jahr erfüllen. Mir fällt es deswegen manchmal schwer, ein gewöhnliches Geschenk noch wertzuschätzen. Dass es jemandem gelingt, einer anderen Person einen lang ersehnten und vielleicht sogar geheimen Herzenswunsch zu erfüllen, kommt meiner Erfahrung nach eher selten vor.

Die Mitglieder der christlichen Gemeinde in Korinth hatten ein ähnliches Problem: Aus irgendeinem Grund hatten sie keine richtige Freude an dem Geschenkpaket, das Gott ihnen gemacht hatte. Vielleicht war ihnen nicht bewusst, wie viel Liebe darin steckte. Oder es erschien ihnen nicht alltagstauglich oder außergewöhnlich genug. Ihr geistlicher Mentor Paulus beobachtet diese Einstellung besorgt und bittet die Korinther, das Geschenk Gottes – seine Gnade – bewusster wertzuschätzen. In einem Brief schreibt er ihnen:

„Als Gottes Mitarbeiter rufe ich euch also auf: Gebt Acht, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt! Gott sagt: 'Wenn die Zeit kommt, dass ich mich über euch erbarme, erhöre ich euch; wenn der Tag eurer Rettung da ist, helfe ich euch.' (Jesaja 49,8) Jetzt ist die Zeit der Gnade! Jetzt ist der Tag der Rettung!“ (2. Korinther 6,1-2)

Paulus selbst war begeistert von Gottes Gnade. Er wusste, dass er durch sie trotz der Schuld in seinem Leben mit Gott ins Reine gekommen war. Und diese Schuld war nicht nur weg, Gott hatte ihm auch die Chance geschenkt, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Dieser Neuanfang unterschied sich zudem radikal von seinen früheren Versuchen, Gott zu gefallen. Hatte er sich damals aus eigener Kraft und nach eigenem Gutdünken abgemüht, lebte jetzt der Geist Gottes selbst in ihm und bewirkte die Veränderung. All das hatte der Apostel vor Augen, wenn er überlegt, was für ein Geschenk Gott ihm mit seiner Gnade gemacht hatte (vgl. 2. Korinther 5).

Gnade: Heiß ersehnt oder neu entdeckt.

Nun hatte der Apostel gegenüber den Korinthern einen entscheidenden Vorteil: Er stammte aus einem Volk, das lange auf dieses Geschenk gewartet hatte. Schon dem Propheten Jesaja war es 600 Jahre vor Christi Geburt in Aussicht gestellt worden. Das macht Paulus mit dem Zitat aus dem alttestamentlichen Buch deutlich. Aber erst zu seinen Lebzeiten war das Päckchen quasi angekommen, indem Jesus als Sohn Gottes auf die Erde gekommen war und den Menschen durch seinen Tod und seine Auferstehung ein neues Leben ermöglichte. Paulus kann es noch gar nicht fassen, dass er ein Zeitzeuge ist und erlebt, wonach sich viele Juden so lange gesehnt haben! Kein Wunder, dass er von diesem Geschenk so viel wie nur irgend möglich Gebrauch machen will und die Gemeindemitglieder drängt, es genauso zu tun.

Erwischt Paulus mit seinem Plädoyer auch heute einem wunden Punkt bei vielen Christen? Wenn ich über mein eigenes Verständnis von Gnade nachdenke, fürchte ich, dass es so ist. Ich merke, dass ich oft nicht wirklich begriffen habe, was Gnade ist und welche riesigen Möglichkeiten sie mir bietet, um meinen Alltag und meine Beziehung zu Gott zu gestalten. Stattdessen gehört das Konzept der Gnade zum christlichen Glauben dazu, wie Geschenke zu Weihnachten: Es ist nett, sie zu bekommen, aber meistens hauen sie einen nicht gerade um.

Gut, dass diese Feststellung nicht das Ende vom Lied sein muss. Ich versuche im Blick auf Geschenke gerade neu zu lernen, wie ich sie wertschätzen kann. Wenn das für Weihnachtsgeschenke gilt, dann bestimmt auch hinsichtlich Gottes Gnade, zumal ich bei letzterem nicht auf meine Fähigkeiten allein gestellt bin. Es gehört ja zum himmlischen Geschenkpaket dazu, dass Gott mir gerne dabei hilft, geistliche Dinge besser zu begreifen. Ich brauche ihn nur darum zu bitten.


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