Navigation überspringen
© Micah & Sammie Chaffin / unsplash.com

17.06.2026 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 8 min

Autor/-in: Steffen Schmidt

Paarberater Bibel

Was sagt die Bibel zur Ehe? Und was können Paare heute aus dem Buch der Bücher für ihre Beziehung lernen?

Verliebt, verlobt, verheiratet? Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Ehe der gesetzte Standard für eine verbindliche Beziehung, doch seit einigen Jahrzehnten kippt das Bild. „Warum heiraten?“, fragen sich heute viele Paare. Denn laut dem Statistischen Bundesamt werden 35 bis 40 Prozent aller Ehen geschieden. Das heißt: Mehr als jede dritte Ehe scheitert. 

Beim Blick in die Bibel fällt auf, dass Jesus häufig auf die Ehe verweist, auch an anderen Stellen der Bibel findet sie Erwähnung. Die Ehe hat im christlichen Glauben also einen hohen Stellenwert. Axel Ebert ist selbst seit 27 Jahren verheiratet und Pfarrer bei der Evangelischen Landeskirche Baden.

Im ERF Jess-Podcast „Ehe: Real Life Edition“ erzählt er, was genau in der Bibel zur Ehe steht und warum es eine eingehende Spurensuche im Buch der Bücher braucht, um aus ihr Prinzipien für die eigene Ehe abzuleiten. 

Die Bibel – (k)ein Nachschlagewerk für gelingende Ehen 

ERF: Was sagt die Bibel genau zur Ehe? Wie sollen Paare sie nach Gottes Willen gestalten? 

Axel Ebert: Das ist tatsächlich eine gute Frage! Es ist nämlich gar nicht so einfach herauszufinden, was die Bibel zur Ehe sagt. Denn die Bibel ist kein Sachbuch. Es wäre natürlich wunderbar, wenn die Bibel eine thematische Übersicht hätte, wo ich einfach nachschlagen kann und sehe: Auf Seite 48 beginnt das Kapitel zur Ehe. Dann kämen 25 Unterpunkte und am Ende noch ein Merksatz. Das wäre super.  

Aber die Bibel ist eben kein dogmatisches Lehrbuch, sondern ein Buch mit unendlich vielen Geschichten. Da wird die Ehe immer wieder erwähnt, aber immer in irgendeinem konkreten Zusammenhang.  

So wird zum Beispiel erzählt, wie Abraham mit seiner Frau Sara in Ägypten einen Pharao zu täuschen versucht. Es wird davon erzählt, wie Jakob sich auf die Suche nach einer Frau macht und mit Lea und Rahel plötzlich zwei Frauen heiraten muss. Oder wie David auf dem Dach des Nachbarhauses die schöne Batseba sieht und mit ihr einen Ehebruch begeht. Oder wir lesen, wie die Pharisäer Jesus in eine Diskussion über Moses Gesetze zur Ehescheidung verwickeln wollen.

Es sind also immer Geschichten, in denen über Ehe und über die Beziehung zwischen Mann und Frau berichtet wird. Diese Geschichten gilt es jetzt zu prüfen und herauszufinden, was davon auch heute noch für die Ehe zwischen Mann und Frau wichtig ist.  

Wenn wir uns damit auseinandersetzen, lernen wir Stück für Stück, wie die Bibel – oder besser gesagt Gott – sich die Ehe vorgestellt hat. 

ERF: Auch wenn die Bibel kein Sachbuch ist, findet sich bei so vielen Geschichten über die Ehe vielleicht doch eine Definition der Ehe in der Bibel. Wie sieht diese nach Gottes Bild aus? 

Axel Ebert: Nein, die findet sich darin tatsächlich nicht. Es gibt leider keine Stelle, an der sich Jesus hinstellt und uns sagt: „Wenn ihr diesen Satz auswendig könnt, dann habt ihr die Ehe verstanden.“  

Das ist leider mit manchen Dingen so, dass wir uns in die Bibel ein Stück weit hineindenken und von Gottes Geist leiten lassen müssen, um zu verstehen, worum es geht.  

Am nächsten kommt dem vielleicht noch die Schöpfungsgeschichte: Da gibt es klare Aussagen über Mann und Frau. Auch Jesus sagt das eine oder andere zur Ehe, sodass sich durchaus einige Grundzüge in der Bibel finden, die wir als Vorbild für unsere Ehe herauslesen können.

Zum Beispiel zeigt die Bibel, dass die Ehe lebenslang gedacht und als Verbindung von Mann und Frau von Gott gewollt ist. 

Außerdem zeigt die Bibel, dass Ehen immer in irgendeiner Art und Weise einen rechtlichen, schützenden Rahmen haben sollten. Zudem weist die Bibel darauf hin, dass Treue ein wichtiger Wert in der Ehe ist. Ich 
kann also verschiedene Grundzüge zum Wesen einer Ehe finden. Wenn ich das alles zusammennehme, kommt das einer Definition der Ehe schon recht nahe. 

Auf Beziehung hin geschaffen 

ERF: Die Schöpfungsgeschichte hast du gerade erwähnt: Gott erschafft die Erde und alles, was darauf ist – auch Adam und Eva, die ersten Menschen. Von einer Hochzeit berichtet die Bibel hier allerdings nichts. Wieso dienen uns diese beiden Menschen dennoch als Vorbild für die Ehe? 

Axel Ebert: Tatsächlich finden wir die Ehe im Schöpfungsbericht nicht. Und um ehrlich zu sein, hatten Adam und Eva ja auch gar keine Auswahl.

Sie waren die ersten Menschen – sie wurden also miteinander und füreinander geschaffen, als Mann und als Frau. Ich würde sagen: Das ist ein Stück weit, wie Ehe auch heute sein sollte. Dieses exklusive Aufeinander-Ausgerichtet-Sein von Mann und Frau entspricht Gottes Vorstellung der Ehe.  

Dann fallen noch weitere Dinge im Schöpfungsbericht auf: Zum Beispiel, dass Mann und Frau beide Gott widerspiegeln. Also Gott ist ja in sich selbst sowohl Gott, der Vater, als auch Gott, der Sohn, und Gott, der Heilige Geist. Mit anderen Worten:  

Gott ist in sich selbst ein Beziehungswesen und das spiegelt sich in Adam und Eva als den ersten beiden Menschen wider, die auch in der Beziehung miteinander leben sollen.

Schon in der Tatsache, dass sie in einer Beziehung miteinander leben, spiegeln sie Gottes Ebenbild wider. 

ERF: Gott schafft als Beziehungswesen also Beziehungswesen – ein schönes Bild als Grundlage für die Ehe.

Wenn wir die Bibel weiterblättern, entdecken wir im Matthäusevangelium dann diese Stelle: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“ Ist Scheidung eine Erfindung der Menschen? 

Axel Ebert: Ich würde nicht sagen, dass die Ehescheidung eine Erfindung der Menschen ist. Die Scheidung ist eigentlich die Folge von etwas, das nicht sein soll.  

Jesus sagt das in Matthäus 19: Da wird er gefragt, wie mit der Scheidung umgegangen werden soll. Denn im vierten Buch Mose (4. Mose 24, 1-4) ist geregelt, wie und wann eine Scheidung stattfindet und wie damit umzugehen ist.  

Darauf antwortet Jesus, dass die Scheidung eigentlich nicht sein soll. Von der Schöpfung her gedacht sind Mann und Frau einander ein Leben lang zugeordnet.  

Nun gibt es aber ein Problem – und das wissen wir alle: Wir leben nicht mehr im Zustand der Schöpfung. Die Sünde hat unter den Menschen Einzug gehalten und einen tiefen Graben zwischen Gott und den Menschen gezogen. Das betrifft auch unsere menschlichen Beziehungen und ganz besonders schmerzhaft Beziehungen, die besonders eng miteinander verbunden sind: Eben die Ehe.

Dass Ehen scheitern oder Beziehungen kaputtgehen, kommt dadurch, dass wir durch die Sünde von Gott getrennt wurden.  

Und da die Ehe scheitern kann, regelt die Bibel auch den Umgang mit der Scheidung. Gottes Wille und Plan ist das aber nicht! 

Jesu Verhalten als Blaupause für gelingende Ehen 

ERF: Gott hat die Ehe also geschaffen, damit sie von Dauer ist. Steht in der Bibel auch etwas dazu, wie ich meine Ehe nach Gottes Willen gestalten kann? 

Axel Ebert: Da bietet sich ein Blick in Epheser 5 an. Darin wird Jesu Umgang mit der Gemeinde als Vorlage für die Ehe gezeichnet. Das finde ich ganz spannend. Wenn ich mir das genau anschaue, finde ich hier eine Menge von Hinweisen. So wie Jesus mit der Gemeinde umgeht, ist das eigentlich die Blaupause für die Art und Weise, wie wir miteinander in der Ehe umgehen sollen. 

Dazu gehört zum Beispiel, dass Jesus treu ist. Das zeigt Gott ja schon vor der Geburt Jesu – im Umgang mit seinem Volk. Gott ist immer treu geblieben, ganz egal, was das Volk gemacht hat. So geht Jesus auch mit der Gemeinde um. Er ist seiner Gemeinde gegenüber treu – auch da, wo wir als Menschen immer wieder versagen und fehlerhaft sind.  

Neben der Treue stechen auch die Versöhnung und die Vergebungsbereitschaft Jesu gegenüber der Gemeinde hervor. Er vergibt uns Menschen und wir leben aus seiner Vergebung heraus als Gemeinde und als einzelne Christen. Genau das soll in der Ehe auch der Fall sein.  

Ich sage manchmal ein bisschen flapsig: Die wichtigsten drei Worte in der Ehe sind nicht ‚Ich liebe dich‘, sondern: ‚Ich vergebe dir‘ oder auch ‚Bitte vergib mir‘.

Ein weiterer Punkt ist das Dienen. Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, dass Dienen eine Grundlage seines Verhaltens und seiner Mission ist. Übertragen auf die Ehe bedeutet das, dass einer dem anderen dient und darauf achtet: Was braucht der andere? Was ist wichtig für den anderen? Wo ist es wichtig, mich zurückzunehmen?  

Sich in einer Haltung gegenseitigen Dienens und der gegenseitigen Wertschätzung zu begegnen – auch das können wir aus Epheser 5 herauslesen.  

Paulus ergänzt gesellschaftliche Regeln um Gottes Bild von Ehe 

ERF: Genau diese Stelle wird aber auch kritisiert. Vor allem wegen Vers 22, in dem es heißt, dass sich die Frauen ihren Männern unterordnen sollen. Was antwortest du Menschen, die Probleme mit dieser Bibelstelle haben? 

Axel Ebert: Davon soll man sich nicht irritieren lassen. Die Passage beginnt ja mit dem Satz „Ordnet euch einander unter“ (Epheser 5,21). Es geht hier gar nicht zwingend darum – wie es oft ausgelegt wird –, dass sich die Frau dem Mann unterordnen soll, sondern um eine gegenseitige Unterordnung.  

In dieser Passage verknüpft Paulus zwei Botschaften miteinander: Einmal die Botschaft, dass die Frau sich dem Mann unterordnen soll und der Mann das Haupt der Familie sein soll.

Und dann gibt es eben auch die Botschaft „Ordnet euch einander unter“ und die Anweisung, dass die Männer ihre Frauen lieben sollen, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.  

Die erste Botschaft ist die ganz klassische, wie Beziehungen damals gängig waren. Nämlich, dass sich die Frau zur Zeit Jesus ihrem Ehemann unterzuordnen hatte. Und Paulus ist mit seinem Epheser-Brief nicht angetreten, um die ganze damalige Gesellschaft umzukrempeln. Sondern er sagt hier: „Okay, das sind die Regeln. Dann bleibt bei diesen Regeln!“  

ABER – und jetzt kommt das Wichtige – er fügt seine zweite Botschaft gleich an: Nämlich, dass sich die Ehepartner einander unterordnen sollen und sich dabei Jesu grenzenlose Liebe zur Gemeinde zum Vorbild nehmen sollen. 

Das ist eigentlich das, was Gott sich für Ehen wünscht. Also da ist eine Spannung in dieser berühmten Stelle – zwischen gesellschaftlichen Regeln und Gottes Wunschbild für die Ehe – und das finde ich einfach klasse! 

ERF: Vielen Dank für das Gespräch! 

 

Das ausführliche und gesamte Gespräch mit Axel Ebert ist im ERF Jess Podcast „Ehe: Real Life Edition – Glaube trifft Beziehung“ zu hören.  

Autor/-in

Steffen Schmidt

  |  Moderator

Steffen Schmidt hat sein Berufsleben bei der Bank begonnen. Mittlerweile hat der gebürtige Schwabe Anzug und Krawatte gegen das Radiomikrofon eingetauscht und gehört zum Moderatorenteam der ERF Jess-Morningshow. Steffen ist verheiratet, großer Fußballfan, kocht gerne und geht regelmäßig ins Fitnessstudio. 

Deine Meinung zählt!

Was hat dich inspiriert, berührt oder zum Nachdenken gebracht?

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Dein Kommentar wird zunächst geprüft. Wir behalten uns Kürzungen und Nichtveröffentlichung vor. Bitte beachte beim Schreiben unsere Netiquette.

Das könnte Sie auch interessieren