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© Nathan Dumlao / unsplash.com

20.06.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Theresa Folger

Niemand wird als Schmetterling geboren

Über den Wert der Persönlichkeitsentwicklung und was die Bibel dazu sagt.


Es war einmal eine kleine, grüne, nimmersatte Raupe. Die wollte gerne zum Schmetterling werden und fraß sich lehrbuchmäßig durch einen ganzen Teller voll Obst. Doch dann dachte sie sich: ‚Wenn ich ganz viele Süßigkeiten esse, dann wachse ich schneller.‘ Leider wurde ihr schlecht und sie beschloss, den Schmetterling abzuhaken und für immer eine Raupe zu bleiben.

Spätestens an dieser Stelle würden meine Kinder rufen: „Falsch, Mama! Das war ganz anders.“ Die Raupe ist nämlich dazu bestimmt, zum Schmetterling zu werden. Nur leider wird sie nicht als solcher geboren. Zunächst muss sie einen langwierigen Veränderungsprozess durchlaufen.
 

Ich will so bleiben, wie ich bin…

Warum ich das erzähle? Weil diese Metamorphose viel mit uns Menschen zu tun hat. Denn auch wir sind dazu bestimmt, – im übertragenen Sinn – ein Schmetterling zu werden. Die Bibel nennt diesen Prozess Heiligung. Man könnte es auch „Persönlichkeitsentwicklung in Gottes Sinn“ nennen.

Aber warum muss ich mich überhaupt verändern? Warum kann ich nicht so bleiben, wie ich bin – wie es mir ein alter Werbeslogan nahelegt? Es gibt sicher viele mögliche Antworten darauf. Eine davon ist: Weil ich sonst nicht dauerhaft gemeinschaftsfähig bin.

Doch genau das ist Gottes Idee für unser Leben. Gott selbst ist der Inbegriff von Gemeinschaft – durch die rätselhafte Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und da er uns nach seinem Bilde geschaffen hat, sind auch wir Gemeinschaftswesen. Gott selbst bekräftigt schon zu Anfang der Bibel: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (1. Mose 2,18).
 

…aber Gott will mich nicht so lassen, wie ich bin.

Ein Freund von mir sagte mal: „Wenn man zu lange alleine lebt, wird man komisch.“ Und ich glaube, da hat er recht. So wie man einen Wellensittich nicht alleine halten soll, weil er sonst Verhaltensstörungen entwickelt, so brauchen auch Menschen die Gemeinschaft mit anderen, um seelisch gesund zu bleiben.

Und welch Überraschung: In der Begegnung mit anderen werden meine Ecken und Kanten deutlich. Gerade Ehepartner oder enge Freunde, die uns tagtäglich erleben, können uns unsere Schwachstellen gut spiegeln. Das geschieht selten auf die taktvollste Weise, sondern tendenziell eher in einer Konfliktsituation. In so einem Stressmoment bin ich vermutlich geneigt, alles abzublocken – doch im Nachhinein sollte ich schon überlegen, ob an der Kritik etwas Wahres dran ist. Und ob ich da eine Schwachstelle habe, die Korrektur erfordert.

Die gute Nachricht ist: Für diesen Veränderungsprozess steht mir ein kompetenter und erfahrener Mentor zur Seite. So schreibt der Apostel Paulus im Römerbrief (Römer 2,4): „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ Gott selbst will mir durch seinen Heiligen Geist helfen, mich zu verändern. Denn er liebt mich zwar so, wie ich bin, aber er will mich nicht so lassen, wie ich bin. Anders gesagt: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1. Thessalonicherbrief 4,3).
 

Erst schmerzhaft, dann heilsam

Heiligung bedeutet, dass ich Gott immer ähnlicher werde – und ich kann aktiv daran mitwirken. Eigentlich ist das ein großes Privileg: Der Schöpfer des Himmels und der Erde will MIR bei der Persönlichkeitsentwicklung helfen. So wichtig bin ich für ihn! Mein Part ist vor allem die Demut und Bereitschaft, mich darauf einzulassen.

Im Lauf des Lebens werden das immer wieder andere Baustellen sein. Vielleicht ist es ein Mangel an Liebe und Mitgefühl oder mangelnde Selbstbeherrschung, an denen ich arbeiten soll (siehe Galaterbrief Kapitel 5, 22-26 für weitere Beispiele). Ich hatte zum Beispiel vor einigen Jahren am Thema Perfektionismus zu knapsen. Mir einzugestehen, dass ich daran arbeiten muss, war ein Prozess – erst schmerzhaft und dann heilsam.

„Wir erfreuen uns an der Schönheit des Schmetterlings, geben aber selten zu, welche Veränderungen er durchgemacht hat, um diese Schönheit zu erreichen.“ –Dieses Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Maya Angelou fasst für mich gut zusammen, dass Veränderungen ihren Preis haben. Niemand wird als Schmetterling geboren, aber trotzdem ist es die Bestimmung der Raupe, eines Tages fliegen zu lernen.
 

 Theresa Folger

Theresa Folger

  |  Redakteurin

Ist in Norddeutschland aufgewachsen, hat aber auch im tiefsten Niederbayern gelebt und findet Wetzlar eine gute Mitte zwischen Bergen und Meer. Hat „was mit Sprachen, Wirtschaft und Kultur“ studiert und findet den ersten Teil davon am besten. Verbringt ihre freie Zeit hauptsächlich auf Spielplätzen oder beim Märchenschloss-Malen mit ihren beiden Mädels.

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