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© Alireza Esmaeeli / unsplash.com

23.07.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 8 min

Autor: Steffen Brack

Mensch Niko (1)

Viel erreicht – und doch zu wenig?

 

 

Er ist klug, erfolgreich und angesehen. Und trotzdem sagt Jesus zu ihm: „Dir fehlt noch was. Und zwar etwas ganz Entscheidendes. Wenn du das Glück deines Lebens finden willst, Niko, dann brauchst du einen kompletten Neuanfang. Einen neuen Start in eine ganz persönliche Beziehung mit Gott.“ Jesus nennt diesen Neustart „noch einmal geboren werden“.
 

Die wichtigsten Lebensziele

Laut einer Emnid-Umfrage sind es vor allem zwei Lebensziele, die für die meisten Deutschen mit Abstand am wichtigsten sind: nämlich Familie und Gesundheit. Und damit liegen beide noch weit vor einem guten Lebensstandard, beruflichem Erfolg oder Reisen.

Ich kann das ganz gut nachvollziehen. Vor allem, seit ich selbst Kinder habe und zwei von ihnen mittlerweile schon von zu Hause ausgezogen sind. Da werden die Zeiten, an denen wir zusammen sind, immer kostbarer. Und ich schätze es auch sehr, wenn ich gesund bin. Mit Mitte 20 hatte ich meine ersten Lasereingriffe an beiden Augen. Und schon damals wurde mir bewusst: es ist total wertvoll, gesund zu sein. Und je älter ich werde, um so mehr kleinere und größere Beschwerden schleichen sich ein.

Doch so wertvoll das alles auch ist … Die zitierte Liste mit den wichtigsten Lebenszielen der Deutschen ist unvollständig. Ja ich bin sogar davon überzeugt: das mit Abstand wichtigste Lebensziel fehlt noch. Was das ist? Dazu will ich mit Ihnen hineinhören in ein Gespräch. Da begegnen sich zwei Männer. Und in der Bibel wird ihr Zusammentreffen geschildert. In dem Bericht des Johannes über Jesus.

Dieser Bericht wird auch das Johannesevangelium genannt. Dort heißt es im Kapitel 3, in den ersten beiden Versen:

Einer von den Pharisäern war Nikodemus, ein Mitglied des jüdischen Rates. Eines Nachts kam er zu Jesus und sagte zu ihm: »Rabbi, wir wissen, dass Gott dich gesandt hat und dich als Lehrer bestätigt. Nur mit Gottes Hilfe kann jemand solche Wunder vollbringen, wie du sie tust.«

 

Schon so viel erreicht

Der Mensch, der hier zu Jesus kommt, ist nicht irgendwer. Schon sein Name ist beindruckend. Er heißt Nikodemus, das bedeutet: „Sieger des Volkes“. Und der Mann hat Karriere gemacht. Er ist Mitglied des höchsten politischen Gremiums damals in Israel, des Hohen Rates. Er ist also so etwas wie bei uns heute ein Minister in der Bundesregierung. Dazu kommt: dieser Mann ist auch äußerst gebildet, klug und intelligent. Jesus sagt zu ihm etwas später: „Du bist der Lehrer Israels.“ (Johannes 3,10).

Das heißt, Nikodemus gehört zu den führenden Theologieprofessoren im Land. Er steht also politisch und akademisch an der Spitze seines Volkes. Und dazu ist er auch noch überaus fromm. Er gehört zur strengsten religiösen Gruppierung im damaligen Judentum: den Pharisäern. Er fastet 2-mal in der Woche, er betet mehrmals am Tag. Er liest jeden Tag ganz aufmerksam in der Bibel, er gibt Geld für die Armen und Kranken. Und er spendet 10% seines Einkommens. Und das alles nimmt er ganz genau.

Es ist ganz offensichtlich: Der Mann, der hier Jesus aufsucht, ist beruflich absolut erfolgreich, wohlhabend und dazu nimmt er es auch mit Gott total ernst. Wenn er eine Liste mit wichtigen Lebenszielen hat, dann hat er sie wohl alle erreicht.
 

Eine hohe Meinung von Jesus

Und dazu hat Nikodemus noch etwas. Er hat eine hohe Meinung von Jesus. Er spricht den Wanderprediger aus dem Norden an mit „Rabbi“. Das bedeutet „Mein Meister“. Der Theologieprofessor nennt Jesus also „Herr Kollege“. Und Nikodemus ist von Jesus angezogen. Denn er macht sich nachts auf den Weg zu dem reisenden Verkündiger aus Galiläa. Einer Gegend, über die man in der Hauptstadt die Nase rümpft.

Dass Nikodemus Jesus bei Nacht aufsucht, ist übrigens nicht weiter verwunderlich. Das hat nichts damit zu tun, dass Nikodemus seinen Besuch bei Jesus verheimlichen will. Nein. Die Nacht war die ganz normale Zeit für ein Gespräch unter Gelehrten. Was auch mit den hohen Temperaturen tagsüber zu tun hat.

Warum macht sich ein erfolgreicher und anerkannter Mann wie Nikodemus auf den Weg zu Jesus? Ganz offensichtlich ist ihm klar: von Jesus geht eine Kraft und eine Vollmacht aus, die er so noch nicht erlebt hat. Der nächtliche Besucher formuliert das so:

»Rabbi, wir wissen, dass Gott dich gesandt hat und dich als Lehrer bestätigt. Nur mit Gottes Hilfe kann jemand solche Wunder vollbringen, wie du sie tust.«

 

Was ist das für eine Einleitung? Was sind das denn für Komplimente? Was ist das für eine Ouvertüre für das folgende Gespräch? Wie wird Jesus denn jetzt darauf reagieren? Auf dieses uneingeschränkte Lob aus dem Mund des führenden Theologen im Land?
 

Mensch Niko, dir fehlt das alles Entscheidende

Ich lese aus dem Bericht des Johannes über Jesus, Kapitel 3, Vers 3:

Jesus antwortete: „»Ich versichere dir, Nikodemus: Wer nicht neu geboren wird, kann Gottes Reich nicht sehen.«

 

Mit keinem Wort geht Jesus auf die Lobeshymnen von Nikodemus ein. Mit keinem einzigen Wort. Sondern ohne irgendeine Überleitung kommt Jesus sofort zum alles entscheidenden Punkt im Leben von Nikodemus.

Nikodemus – ich sage das jetzt mal mit meinen Worten: Nikodemus, was du brauchst, ist neues Leben. Du brauchst einen kompletten Neustart. Du musst noch einmal geboren werden. Und zwar von Gott. All dein Wissen – davon sprach Nikodemus ja in seiner Einleitung: „wir wissen“ (Vers 2) – all dein Wissen, alle deine Gelehrsamkeit, all dein Geld, dein Erfolg, dein Ansehen und deine gesellschaftliche Position – all das stillt nicht deine Sehnsucht nach dem einen, von dem du wahrscheinlich noch nicht einmal genau weißt, was es ist.

Deshalb kommt Nikodemus ja vermutlich zu Jesus, weil er das tief in sich weiß und eine Ahnung davon hat: trotz allem Erfolg und trotz all meiner Religiosität: Mir fehlt etwas. Auch wenn ich nicht genau weiß, was das ist. Aber es fehlt was. Und vielleicht, vielleicht ist das ja bei Jesus zu finden. Denn eins ist Nikodemus total klar: Gott ist mit Jesus. Was Du brauchst Nikodemus, ist neues Leben. Das Leben, das ganz direkt von Gott kommt.

Ganz am Anfang dieser Begegnung zwischen Nikodemus und Jesus heißt es wörtlich: „Da war ein Mensch, der hieß Nikodemus“ (Johannes 3,1). Nikodemus ist ein Mensch. Ein echter Mensch aus Fleisch und Blut. Und dass das hier noch einmal hervorgehoben wird, das ist kein Zufall, denke ich. Denn was Jesus zu Nikodemus sagt, das will er jedem Menschen sagen. Auch Ihnen und mir. Du, Steffen, was du brauchst, ist neues Leben. Einen ganz neuen Anfang. Und zwar mit Gott. Und ich meine jeder Mensch kennt vermutlich diese vage Ahnung in sich: irgendetwas fehlt mir. Aber ich weiß nicht, was das ist.

Der Schwede Björn Borg gilt als einer der allergrößten Tennisspieler aller Zeiten. 5-mal hintereinander hat er das Turnier in Wimbledon gewonnen. Das vielleicht wichtigste Tennisturnier der Welt. Als er seine Karriere beendet hatte, ist er abgestürzt. Der riesige Erfolg hat ihn doch nicht wirklich erfüllt. Sondern eine Leere in ihm zurückgelassen. Die deutsche Tennisspielerin Steffi Graf hat einmal nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn gesagt: „Jetzt suche ich einen neuen Sinn für mein Leben“.

Der griechische Reeder Aristoteles Onassis besaß in den 1950er Jahren mehr als 900 Schiffe. Er gehörte zu den reichsten Männern seiner Zeit. Von ihm stammt der Satz: „Wenn ein Mensch behauptet, mit Geld lasse sich alles erreichen, darf man sicher sein, dass er nie welches gehabt hat.“ Bei einer anderen Gelegenheit sagte er: „Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld.“ Ich bin mir sicher: jeder Mensch kennt das: es fehlt mir etwas, irgendetwas. Und Jesus sagt es Nikodemus und jedem anderen Menschen: »

Ich versichere dir, …: Wer nicht neu geboren wird, kann Gottes Reich nicht sehen.«

 

Wir brauchen neues Leben, eine zweite Geburt gewissermaßen. Einen Neustart, der uns in eine ganz direkte und persönliche Verbindung mit Gott bringt. Sonst verfehlen wir unsere Bestimmung. Denn wir sind für ein Leben in der Nähe Gottes geschaffen. Das meint Jesus, wenn er vom Reich Gottes spricht. Die Welt, in der Gott regiert, voller Leben, voller Liebe und voller Barmherzigkeit. Und dieses Leben müssen wir von Gott empfangen. Sonst haben wir es nicht. Und können Gottes Welt noch nicht einmal sehen, sagt Jesus.

Manche kennen vielleicht die Geschichte vom Förster. Der ist in seinem Revier unterwegs und sieht nach dem Rechten. So wie Förster das eben machen. Mit einem Mal hört er ein Geräusch. Einerseits ganz vertraut. Auf der anderen Seite aber doch irgendwie ungewöhnlich. Der Forstmann bleibt stehen und hört genauer hin. Ja richtig, da bewegt sich etwas durch das Unterholz. Dürre Zweige knacken. Aber der Forstbeamte hört noch etwas anderes. Da ächzt und stöhnt doch jemand. Schnauft und keucht.

Gebannt blickt der Förster in die Richtung, aus der die Laute kommen. Und was er dann erblickt, das kann er gar nicht glauben: ein Karpfen bricht aus dem Unterholz. Und keucht und schnauft vor Anstrengung. Verdutzt spricht der Revierförster den Fisch an: Was machst Du denn da? Darauf der Karpfen: Was meinst Du? Ich krieche durch den Wald. Ja, meint der Förster, das sehe ich. Aber Du bist doch ein Karpfen, ein Fisch. Und du gehörst ins Wasser, nicht in den Wald. Der Karpfen: Wer behauptet denn so einen Unsinn. Was soll ich im nassen Wasser. Ich will im Wald leben. Und schon verschwindet er auch wieder im Unterholz.

Nikodemus und Sie und ich: Wir wurden von Gott geschaffen, um in seiner Welt in seiner Nähe zu leben. Aber in dieser Welt leben wir nicht. Sondern jeder von uns wird in eine Welt hineingeboren, die von Gott getrennt ist. Und deshalb sagt Jesus: ihr braucht eine neue Geburt. Eine weitere Geburt, durch die ihr in Gottes Welt hineingeboren werdet.

Die Welt, in der wir jetzt leben, ist nicht der Ort, für den Gott uns eigentlich bestimmt hat. Und deshalb geht es uns hier so wie dem Karpfen, der nicht im Wasser lebt, sondern durch den Wald robbt. Und deshalb ahnt jeder Mensch, dass ihm irgendetwas fehlt. Jemand hat das einmal so ausgedrückt: In unserem Herzen gibt es einen leeren Raum. Und nur Gott kann ihn ausfüllen.
 

Neu geboren?

Nikodemus ist verwirrt, als er Jesus von einer neuen Geburt reden hört. Und deshalb fragt er zurück:

Verständnislos fragt Nikodemus: »Wie kann jemand neu geboren werden, wenn er schon alt ist? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch einmal auf die Welt kommen!« (Johannes 3,4).

 

In Nikodemus Frage schwingen auch Spott und Verachtung mit, meine ich. Es geht Jesus ja überhaupt nicht um eine zweite natürliche Geburt. Und ich meine, das weiß der Theologieprofessor eigentlich auch. Aber irgendwie versucht er noch, die Wahrheit, von der Jesus spricht, von sich wegzuhalten. Ein Phänomen, das ich auch immer wieder beobachte.

Da werden Menschen von Gott und von Jesus angesprochen – durch ein Buch, einen Vortrag, durch das Gespräch mit dem Nachbarn oder der Nachbarin – und plötzlich schalten sie um, werden zynisch, spotten. Das ist oft auch ein Zeichen dafür, wie sehr Gott sie schon angesprochen hat. Und sein Reden beginnt, an ihnen zu wirken.

Dieser Artikel wird in Teil 2 fortgesetzt.

 

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

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