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© Alireza Esmaeeli / unsplash.com

24.07.2021 / Andacht / Lesezeit: ~ 8 min

Autor: Steffen Brack

Mensch Niko (2)

Schon so viel erreicht – aber irgendetwas fehlt.

 

 

Jesus spricht mit dem klugen und erfolgreichen Niko. Nikodemus ist sein vollständiger Name. Und Jesus hat dabei nur ein einziges Thema: „Niko, du brauchst einen kompletten Neuanfang. Und zwar in deiner Beziehung mit Gott. Eine neue, eine zweite Geburt, die nur Gott bewirken kann. Und das gilt offensichtlich nicht nur für Nikodemus. Sondern für jeden Menschen. Niko ist verwirrt und spottet: „Wie soll denn ein alter Mensch noch einmal geboren werden?“ (Johannes 3,4).

Lesen Sie hier Teil 2 des Artikels.
 

Das Lebensziel Nummer 1

Wie reagiert Jesus darauf?

Amen, ich versichere dir: Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen. Was Menschen zur Welt bringen, ist und bleibt von menschlicher Art. Was vom Geist Gottes geboren wird, das ist Geist und gehört zu Gott. Wundere dich also nicht, dass ich zu dir sagte: >›Ihr müsst alle neu [oder: von oben her] geboren werden.‹ (Johannes 3,5-7).

 

Jesus lässt sich gar nicht beirren von dem Spott, der in Nikodemus‘ Frage steckt. Sondern er erklärt seinem Gesprächspartner weiter in aller Ruhe, was er mit „neu geboren“ meint.

Da ist zunächst einmal die Aussage von Jesus: „Amen, ich versichere dir: Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen.“ „Von“ oder „aus Wasser geboren“ beziehen viele auf die christliche Taufe. Sicher spielt die Taufe auch auf die Reinigung von der Schuld durch den Glauben an Jesus an. Doch ich meine der Satz: „Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen.“ – ich meine damit bezieht sich Jesus auf eine Aussage aus dem Buch des Propheten Hesekiel. Und zwar Kapitel 36, die Verse 25-27.

Da verspricht Gott:

Mit reinem Wasser besprenge ich euch und wasche so die Schuld von euch ab, die ihr durch euren abscheulichen Götzendienst auf euch geladen habt. Allem, was euch unrein gemacht hat, bereite ich dann ein Ende. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt.

 

Gott hat durch seinen Propheten Hesekiel also folgendes ankündigen lassen: Gott will die Menschen seines Volkes von ihrer Schuld reinigen, mit reinem Wasser. Und er will sie von innen heraus ganz neu machen, durch seinen Geist. Und damit sagt Jesus dem Nikodemus: Jetzt ist diese Zeit gekommen, von der Gott durch seinen Propheten Hesekiel gesprochen hat. Jetzt werden Menschen neu geboren, aus dem Wasser, das die Schuld abwäscht und aus dem Geist Gottes.

Weiter erklärt Jesus:

Was Menschen zur Welt bringen, ist und bleibt von menschlicher Art. Was vom Geist Gottes geboren wird, das ist Geist und gehört zu Gott.

 

Lieber Nikodemus: Durch die natürliche Geburt empfangen wir unser Leben als Menschen und unsere menschliche Natur. Dadurch werden wir Mitglied der Gattung Mensch. Durch die Geburt aus dem Geist Gottes empfangen wir eine neue Natur, nämlich eine geistliche Natur. Die richtet sich auf Gott und den Geist Gottes aus. Und durch diese Geburt aus dem Geist Gottes werden wir Mitglied in der Familie Gottes.

Und schließlich lässt Jesus den Nikodemus nicht im Zweifel darüber, was das alles für ihn bedeutet – und auch für jeden von uns: „Ihr müsst alle neu [o.: von oben her, von Gott her] geboren werden.“ Das gilt für jeden von uns. Für jeden Menschen, für die ganze Menschheit. Sie und ich: wir brauchen die neue Geburt – von Gott her. Das ist das allerwichtigste Lebensziel überhaupt. Das Lebensziel Nummer 1, sagt Jesus.
 

Der Wind weht – es geht um die Erfahrung mit Gott

Das mit der neuen Geburt hört sich kompliziert an? Vielleicht. Aber vermutlich fügt Jesus deshalb jetzt noch etwas hinzu. Denn es geht bei dem neu geboren werden aus Gott um eine Erfahrung. Und nicht darum, alles bis ins Kleinste zu verstehen. Und so ergänzt Jesus:

Es ist damit wie beim Wind: Er weht, wo er will. Du hörst ihn, aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht. So ist es auch mit der Geburt aus Gottes Geist. (Johannes 3,8).

 

Jesus vergleicht die neue Geburt aus dem Geist Gottes mit dem Wind. Den Wind können wir nicht sehen. Wir können sehen, wie er Blätter bewegt oder Äste. Aber der Wind selbst bleibt komplett unsichtbar.

Vor ein paar Jahren fingen Meteorologen an, ein neues Wetterphänomen zu beobachten: heftige Stürme, die mit einem Mal über dem Meer entstehen und sich im ungünstigen Fall auf Küstenregionen zubewegen. „El Nino“ nennen die Wetterforscher diese Stürme. Und sie stehen vor großen Rätseln, wodurch diese Stürme entstehen.

So beschreibt es Jesus hier auch, dass beim Wind nicht immer alles erklärt werden kann, warum er jetzt ausgerechnet hier entsteht. Aber eines ist beim Wind ganz klar: wir erfahren seine Auswirkungen. Ob Sie beim Fahrradfahren Rückenwind haben oder Gegenwind, das merken sie ganz genau. Und so ist das auch, wenn ein Mensch durch Gottes Geist neu geboren wird. Da können wir manches gar nicht so genau erklären, aber die Auswirkungen, die sind eindeutig.

Ich bin in einer christlichen Gemeinde zum Glauben gekommen, in der immer wieder neue Leute dazugekommen sind. Menschen, die zum Glauben an Jesus gekommen sind. Oder um die Worte von Jesus in seinem Gespräch mit Nikodemus zu benutzen: die neu geboren worden sind. Ein Mann erzählte mir dann einmal: Du Steffen. Als meine Frau zum Glauben an Jesus gekommen ist, da habe ich versucht, sie auf die Palme zu bringen. Das hatte früher immer gut geklappt. Aber jetzt ging das nicht mehr. Ich habe alles versucht, aber sie blieb jetzt immer ruhig. Und da wusste ich ganz genau: das hat mit ihrem neuen Glauben zu tun. Mit Jesus.

Es geht nicht so sehr darum, jedes Detail zu verstehen, wie Gott uns das neue Leben schenkt. Wie er das macht, dass wir durch seinen Geist neu geboren werden. Es geht vielmehr darum, dass wir diese neue Geburt erfahren. Dass sie geschieht in meinem Leben. Und darüber spricht Jesus nun mit Nikodemus: Wie er – und wir – die neue Geburt von Gott her erfahren können.
 

Neu geboren

Nikodemus bleibt skeptisch: „Aber wie soll das nur vor sich gehen?“ (Johannes 3,9). Noch ist Nikodemus offenbar nicht bereit, sich auf die neue Geburt einzulassen, von der Jesus spricht. Und er fragt, wie sie denn geschieht. Beziehungsweise, wie wir sie erfahren können. Aber Jesus bleibt weiter bei seinem Thema. Wohl nicht, weil er stur ist. Sondern vielmehr deshalb, weil das für Nikodemus so wichtig ist. Und für jeden von uns auch.

Und so erwidert er dem Nikodemus:

Du bist ein anerkannter Gelehrter in Israel und verstehst das nicht? Ja, ich versichere dir: Wir reden nur von dem, was wir genau kennen. Und was wir bezeugen, das haben wir auch gesehen. Trotzdem nehmt ihr unser Wort nicht an. Ihr glaubt mir ja nicht einmal, wenn ich von irdischen Dingen rede! Wie also werdet ihr mir dann glauben, wenn ich von himmlischen Dingen spreche? (Johannes 3,10-12).

 

Für den Herrn Professor ist es natürlich schon hart, wenn Jesus zu ihm sagt: Wieso weißt Du das nicht von der neuen Geburt durch den Geist Gottes? Und danach macht Jesus ihm deutlich, dass er mit dem Thema vom neu geboren werden von Dingen redet, die er ganz genau kennt – und ganz genau versteht. Das sind himmlische Vorgänge, durch die ein Mensch neu geboren wird. Und weil Jesus aus dem Himmel kommt, weiß er auch ganz genau, wovon er spricht.

Und das Problem bei Nikodemus ist jetzt nicht, dass er etwas nicht weiß. Oder etwas nicht versteht. Sondern dass er nicht annehmen will, was Jesus sagt: „Du nimmst unser Wort nicht an, Nikodemus. Obwohl wir das alles ganz genau kennen.“ Nikodemus, dein Wissen hilft dir jetzt nicht weiter. Es geht darum etwas anzunehmen von Jesus. Das ist hier der springende Punkt.

Ich bin ein eifriger Verfechter, wenn es darum geht, dass der Glaube an Jesus und das Denken unbedingt zusammengehören. Ich will nicht auf Jesus vertrauen und im Gegenzug meinen Verstand abschalten. Und deshalb meine ich, dass das Leben mit Jesus auch einiges mit Wissen zu tun hat. Aber – und so verstehe ich Jesus hier – mein Wissen über Gott und über Jesus ist kein Ersatz dafür, dass ich mich ganz persönlich auf den lebendigen Gott einlasse und ihm vertraue. Nur so kann mein Wissen über Gott zu einer ganz lebendigen Erfahrung mit Gott werden. Und genau das ist es, was Gott uns möglich machen will.
 

Glauben – an Jesus

Wie kann ich nun die neue Geburt erfahren, von der Jesus spricht? Dazu sagt er folgendes:

Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einer Stange aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.

 

Wie erfahren Sie die neue Geburt? Im Grunde gibt Jesus hier eine zweiteilige Antwort. Zunächst einmal sagt er: Sie werden neu geboren, wenn Sie zum Glauben an Jesus kommen. Deshalb sagt er hier: „ [...] damit jeder, der an ihn – an Jesus – glaubt, das ewige Leben hat.“ Das ewige Leben ist hier gleichbedeutend mit der neuen Geburt, durch die ein Mensch zu Gottes Welt gehört (Vers 3). Und zugleich erklärt Jesus hier noch etwas genauer, was es denn bedeutet, an ihn zu glauben.

Und das veranschaulicht er mit jener Schlange aus Bronze, die Mose in der Wüste an einer Stange aufgerichtet hat. Als das Volk Israel vor etwa 3,5 tausend Jahren von Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurde, hatten sie unterwegs immer wieder einmal große Probleme damit, Gott zu vertrauen. Bei einer Gelegenheit rebellierten sie so heftig gegen Gott und gegen Mose, dass Gott giftige Schlangen in das Lager seines Volkes schickte. Und wer gebissen wurde, musste sterben.

Da kam Israel zur Besinnung und bekannte: wir haben mit unserer Rebellion gegen Gott gesündigt. Und sie baten darum, von Gottes Gericht verschont zu werden.

Und Gott antwortete Mose: »Mach dir eine Schlange aus Bronze und befestige sie am Ende einer Stange. Dann sag den Israeliten: Jeder, der gebissen wird und sie ansieht, bleibt am Leben.« Mose fertigte eine Schlange aus Bronze an und befestigte sie an einer Stange. Nun musste niemand mehr durch das Gift der Schlangen sterben. Wer gebissen wurde und zu der Schlange schaute, war gerettet. (4 Mo 21,8-9).

 

Und das vergleicht Jesus nun mit seiner Kreuzigung: „Genauso muss auch ich – Jesus, der Menschensohn – erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat.“ Wer zum Glauben an Jesus kommt, der wendet sich dem gekreuzigten Jesus zu. Und wie die Israeliten, die sich der Schlange aus Bronze zugewendet haben, so wird auch jedem, der sich Jesus am Kreuz zuwendet, seine gesamten Sünden und seine Schuld vergeben.

Denn genau dafür starb Jesus am Kreuz: um unsere Schuld auf sich zu nehmen und sie zu begleichen. Damit jede und jeder, die an Jesus glauben, Vergebung erfahren. Einen ganz neuen Anfang mit Gott. Und neu geboren werden aus dem Geist Gottes.

Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Dass Sie diese Erfahrung machen. Gott ist lebendig. Und er hört, wenn Sie zu ihm sprechen. Wenn Sie an Jesus glauben wollen, dann sagen Sie ihm das einfach. Bitten Sie ihn, Ihnen Ihre Schuld zu vergeben, weil Jesus dafür gestorben ist. Und wenn Sie das aufrichtig meinen, dann wird Gott zu seinem Wort stehen. Ihnen alles vergeben und ihnen eine neue Geburt schenken.

Hier finden Sie Teil 1 des Artikels.

 

 Steffen Brack

Steffen Brack

  |  Redakteur und Theologe
Theologe und Redakteur, verheiratet, drei Kinder. Begeistert von Gottes unerschütterlicher Liebe.

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Kommentare

Steffen Brack Redaktion /

Das freut mich. Gerne.

uRö /

Vielen Dank.

Nesia A. /

Super Erklärung! Vielen Dank.

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