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© Irene Kredenets / unsplash.com

20.07.2010 / Service-Artikel / Lesezeit: ~ 5 min

Autor/-in: Christiane Kirchhöfer

Geben in der Krise

Viele Christen spenden regelmäßig einen Teil ihres Einkommens. Sollte man das auch tun, wenn man selbst finanziell knapp bemessen ist?


Viele Christen spenden regelmäßig etwas von ihrem Einkommen. Sie stellen damit einen Teil dessen, was Gott ihnen gibt, ihm wieder zur Verfügung und bringen zum Ausdruck, dass sie ihm auch in finanzieller Hinsicht vertrauen. Manche orientieren sich dabei an einer Anweisung Gottes, die aus dem Alten Testament stammt und geben zehn Prozent ihres Gehaltes (vgl. z. B. Maleachi 3,10).

Andere richten sich nicht fix nach diesem Betrag sondern geben so viel, wie es ihnen auf dem Herzen liegt. Wie sieht es nun aber aus, wenn man in eine finanzielle Krise gerät: Sollte man zum Beispiel den Zehnten weiter geben, selbst wenn man nicht mehr alle Rechnungen pünktlich bezahlen kann? Christiane Kirchhöfer schreibt, was sie in einer solchen Situation raten würde.
 

Verantwortung gegenüber Gott und anderen Menschen

Ich persönlich glaube nicht, dass Gott möchte, dass jemand durch ein Festhalten an der Zehn-Prozent- Regelung immer tiefer in eine Notsituation hinein gerät. In einer finanziellen Krise erwartet er meiner Meinung nach zuerst, dass offene Rechnungen beglichen werden, damit andere Menschen nicht auf Geld warten müssen, das ihnen zusteht.

Gott möchte, dass wir unser Leben immer wieder überdenken, dass wir hinterfragen, ob das, was wir tun, richtig und gut ist und letztlich Gottes Willen entspricht. Manchmal bedeutet das auch, den eigenen Lebensstil auf den Prüfstand zu stellen und zu überlegen: Was brauchen wir wirklich? Welche Ausgaben sind für unser Leben notwendig und unerlässlich? Wenn das getan ist, ist es vielleicht möglich, noch einmal neu über die Abgabe des Zehnten oder über die Spende eines anderen Geldbetrages nachzudenken.
 

Zu viel gegeben?

Abgesehen davon sind in diesem Zusammenhang besonders die Aussagen des Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther hilfreich (2.Korinther 8-9). Er erinnert die Christen in Korinth daran, die zuvor bereits angekündigte Spende jetzt auch wirklich einzusammeln. Das Geld sollte notleidenden Gemeindemitgliedern in Jerusalem zugute kommen. Als Vorbild im Geben nennt Paulus dabei die Gemeinden aus Mazedonien. Sie waren selbst verhältnismäßig arm und hatten trotzdem gerne und freiwillig mehr gegeben, als sie eigentlich konnten.
 

Vor diesem Hintergrund gibt Paulus den Korinthern dennoch folgenden Rat:

„Bringt dieses Unternehmen nun auch zum Abschluss; sorgt dafür, dass die Durchführung nicht hinter der ursprünglichen Bereitwilligkeit zurückbleibt. Gebt entsprechend dem, was ihr habt! Denn eine bereitwillig gegebene Gabe ist Gott willkommen, und ihr Wert bemisst sich nach dem, was der Geber besitzt, nicht nach dem, was er nicht besitzt. Schließlich soll es nicht dahin kommen, dass ihr anderen aus ihrer Not helft und dadurch selbst in Not geratet. Es geht vielmehr darum, einen Ausgleich zu schaffen. Zum jetzigen Zeitpunkt hilft euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit dann ein anderes Mal ihr Überfluss eurem Mangel abhilft, und auf diese Weise kommt es zu einem Ausgleich. Es heißt ja in der Schrift: ‚Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig gesammelt hatte, hatte nicht zu wenig.'“ (2.Korinther 8,11-15).

Wer anderen gibt, soll dabei nicht selbst finanziell ruiniert werden. Paulus betont, dass es Gott letztlich auf die Herzenshaltung ankommt und er die finanzielle Ausgangssituation des Spenders sehr wohl kennt und berücksichtigt. Das Verhalten der Mazedonier ist dabei vorbildhaft, aber kein Muss für die anderen Gemeinden. Jeder soll so viel geben, wie er es zum gegebenen Zeitpunkt kann und mit gutem Gewissen vermag (2. Korinther 9,7).

Wer anderen gibt, soll dabei nicht selbst finanziell ruiniert werden.  Christiane Kirchhöfer

 

Alternativen und Hilfe

Vielleicht ist in der Zeit, in der die Unterstützung einer Gemeinde oder einer Organisation in finanzieller Form nicht möglich ist, eine andere Form des Gebens möglich. Eine Alternative wäre es, etwas von der eigenen Zeit Gott zur Verfügung stellen oder seine Begabungen einzusetzen, um andern zu helfen.

Ursprünglich wurde der Zehnte übrigens meistens auch nicht in Geld gegeben, sondern in Form von Naturalien und Lebensmitteln (3. Mose 27,30-33; 5. Mose 14,22-27). Geld zu geben ist eine Form der Dankbarkeit, die wir Gott gegenüber zeigen. Das kann aber auch geschehen, wenn wir Zeit mit anderen teilen. Den Zehnten in dieser Form zu geben, kann für die eine angespannte finanzielle Situation den Druck nehmen.

Demjenigen, der merkt, dass er mit seinen Finanzen nicht mehr klar kommt, möchte ich darüber hinaus die Schuldnerberatung empfehlen. Sie wird auch durch kirchliche Einrichtungen (z.B. durch die Diakonie) angeboten. Im ersten Moment empfindet man es sicherlich als unangenehm, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber es scheint mir sinnvoll, sich dort über Möglichkeiten zum Schuldenabbau beraten zu lassen, ehe man noch tiefer in eine Krise gerät.
 

Gott nimmt nie etwas, ohne auch zu geben

Mit dem Bericht von S. HW. möchte ich abschließend noch Mut machen, Gott auch in Geldangelegenheiten zu vertrauen – unabhängig davon, wie viel man geben kann:

„Ich selbst bin Frührentnerin und habe eine kleine Rente. Ich gestehe ehrlich, ich gebe nicht den Zehnten. Dafür arbeite ich in der Kirche mit und bin für andere da, die Hilfe in der Seelsorge brauchen usw. Und doch, manchmal spüre ich, wie Gott mich auffordert, ihm etwas von meiner Rente zu geben.

So wie kurz vor Weihnachten. Ich merkte, dass ich ihm meine fünf Euro geben sollte, die ich zur Verfügung hatte. Früher legte ich Gott mein Wenn und Aber vor, wenn solche Impulse kamen. Doch langsam habe ich gelernt: Er nimmt nie etwas, ohne auch zu geben! So geschah es auch an dem Sonntag. Er bekam meine fünf Euro, ohne Wenn und Aber.

Was geschah? Als ich aus der Kirche kam, schenkte mir eine Frau Plätzchen. Am nächsten Tag bekam ich zwei frische Salate geschenkt. Und an Weihnachten bekam ich von einer Freundin sage und schreibe zehn Euro geschenkt! Ist das nicht toll?

Solche Erfahrungen darf ich immer wieder machen. Ich glaube, Gott kommt es nur auf die Herzenshaltung an, wenn ich gebe. Ich möchte mit diesem Erlebnis Menschen Mut machen, nicht verzweifelt zu sein, wenn sie Gott nicht den Zehnten geben können. Er nimmt meiner Meinung nach auch gerne andere Dinge an. Doch wenn der Impuls kommt, ihm evtl. auch das Letzte zu geben, dann gilt: Er nimmt es nie, gar nie, umsonst. Er ist unser Vater, der seine Kinder versorgt. Es lohnt sich ihm zu vertrauen!"

 

 

Ihr Kommentar

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Kommentare (27)

Margarete K. /

Der Artikel spricht mir aus dem Herzen, ich kann auch nicht den Zehnten geben.Unsere Rente ist nicht so hoch.
Habe einen Mann der schon 55 Jahre MS hat. Da brauche ich auch für ihn zusätzlich mehr

Ute /

Das mit Abstand Beste, dass ich je zu diesem Thema gelesen habe!
Sehr differenziert, nüchtern und klar.
Vielen Dank für diesen guten Beitrag und die unmissverständliche Auslegung dazu.

Herta S. /

Ähnliches hab ich auch schon erlebt! Ich weiß, dass Gott sich nichts schenken lässt, ohne es großzügig zu belohnen.

Dorena /

Mit dem Spenden bin ich in der Zwickmühle seit paar Jahren. Obwohl wir unser auskommen haben, mit geld umgehen können wir nicht besonders gut. Also beschränken wir uns auf das Machbare. Meist spenden mehr

D.N. /

Ja vielleicht. Sie müssten dann die Kontaktdaten geben um sie zu erreichen.
Gruß, DN

Wolfgang und Ute G. /

Hallo, wir haben mal eine Frage, kennt jemand eine christliche Gemeinschaft, die Arme Rentner finanziell Helfen können?

Michael /

Hallo ihr Lieben. Meine Mutter hat in ihrem Leben viel gespendet. Irgendwann saß sie im Auto im Wald und weinte bitterlich weil Schulden da waren. Sie sagte zu Gott: Ich habe im Leben so viel mehr

Mel /

Ich erlebte ein Wunder als ich den 10. von meinem Nettogehalt gab: mein Gehalt stieg im nächsten Monat an :-)

Gerd Krause /

Zum Nachdenken
Weshalb glaubt man eigentlich, daß man Gott etwas "zukommen läßt", wenn man den Zehnten gibt?
Der Zehnte hat seine Wirkung, auch wenn die Spende einer Einrichtung zu Gute kommt, die mehr

Norbert Denzel /

Schönen guten Tag,
seit ein paar Monaten bin ich Mitglied in einer FeG. Nun ist meine momentane finanzielle Situation alles andere als erquicklich. Sprich am Ende des Geldes ist noch etwas Monat mehr

simone /

Der alte Bund wurde durch den neuen Bund mit Jesus Christus ersetzt. Demnach ist er veraltet und der Zehnte Teil geben ist für Christen nicht mehr relevant. Außerdem sollte man den Zehntgeben mal mehr

Monika /

@Katrin und @Ulmerin:
Eure Beiträge sind wirklich bedenkenswert!
Gerade wenn so große Not ist wie in Haiti oder in Pakistan, dann möchten wir sehr gern helfen. Nachdem wir regelmäßg den Zehnten an mehr

Corinna Anhalt /

Hallo Christiane,
du bist wirklich für Überraschungen gut. Auch ich spende, was Gott mir möglich macht. Der Artikel ist aufschlußreich.

Marco /

Über den "Zehnten" gibt es oft heiße Diskusionen. Gibt man den 10. vom Brutto, vom Netto? Vom Gehalt oder von allen anderen Einkünften. Ich habe schon oft Diskusionen miterlebt, die meiner Meinung mehr

Barbara /

Wir haben die Erfahrung gemacht, Gott läßt sich nichts schenken. Wir haben es doppelt und dreifach in irgendeiner Form wiederbekommen. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Dirk Spieth /

Das ist ein sehr ermutigender Artikel.Gott kommt es nicht darauf an,in Schulden zu geraten,wenn wir den Zehnten geben müßten,sondern es ist eine Herzenssache,wieviel ich gebe.

Wolfgang W /

Von Herzen zu Geben ist eine tolle Sache. Doch den 10 zu Geben gibt es nur im alten Testament unter dem Gesetz. Im Neuen Testament steht, wer versucht das Gesetz zu tun steht unter einem Fluch, so kann das 10 Geben das gegenteil Bewirken.

Ulmerin /

c/o KATRIN
Ihren Beitrag finde ich am Bemerkenswertesten, denn so ist es in unserer Gemeinde auch. Es wird aufgerufen für den Förderverein der Gemeinde zu spenden, der die Spenden nützt zum Bauen an mehr

Ingrid /

Ich habe mich im Laufe der Jahre an den Zehnten herangetastet. Nun gebe ich den Zehnten von meinem Brutto-Gehalt, vom Kindergeld, Unterhalt und von den Zinsen und was sonst noch rein kommt. Ich habe mehr

Tobias /

Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben (Lukas 6,38).
Oder aber der ganze Maleachi 3 ist interessant.
Ein mehr

Michael K /

Ich empfinde es auch so, dass man mit dem Geldspenden sehr gelassen umgehen kann. Ich gebe nicht regelmäßig meinen gerechneten 10, weil ich dabei befürchte es entstünde für mich dabei eine art mehr

Josi /

Das Thema haben wir gerade. Mein Mann hat seine Stunden reduziert um 2 freie Tage zu haben, teils aus gesundheitlichen Gründen teils wegen dem nicht auszuhaltenden Streß. Nun haben wir 300 Euro mehr

Martin /

......ja ja der liebe Humanismus! Ja denke auch, dass Gott am Anfang der "Zehnte Teil" zusteht. Ich persönlich handhabe es ebenso, von allen Einkünften gebe ich 10 Prozent. Ich glaube, dass wir uns mehr

Birgitt /

Ich habe immer wieder festgestellt: Gott lässt sich nichts schenken! Jedes Mal, wenn wir eine Gehaltserhöhung bekommen und den Mehrbetrag z.B. in neue Kinderpatenschaft enumwandeln, ist es bis jetzt mehr

Thiding /

Den Artikel finde ich sehr gut.
Ich finde man sollte am Anfang des Monats 10% seiner Einnahmen geben, denn am Ende des Monats ist doch immer die Flasche leer. Bis ich warte ob ich etwas für Gott mehr

HeHe /

Interessanter ARtikel. Ich gehöre zu denen, die zum Teil Geld spenden, zum Teil aber auch viel Zeit. Beim Geld weiß es keiner. Das finde ich auch gut.

Katrin /

Habe zu diesem Thema ein sehr aufrüttelndes Buch gelesen. Von Shane Claiborne.
Diese Spenden sind Mittel zur Umverteilung und gehören den Armen. Sagt die Bibel denn etwas anderes ? Heute werden ca 85 % von der Gemeinde selbst verbraucht. Das ist Verunteuung durch die Kirche. Zitat Ray Mayhew.

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