Laut dem aktuellen Weltverfolgungsindex der Organisation Open Doors werden in allen Ländern Zentralasiens Christen diskriminiert. Dazu gehören Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan. Drei dieser Staaten grenzen an Afghanistan – mit bis zu 1.300 Kilometern. Die Angst vor radikalen Strömungen und islamischen Extremisten aus der Region führt bei den zentralasiatischen Nachbarn zu einem starken Kontrollbedürfnis. Wer von der Norm abweicht, wird argwöhnisch beobachtet. Dazu zählen Islamisten genauso wie Christen.
Schon ein „Daumen hoch“-Symbol an der falschen Stelle in den Sozialen Medien kann schwerwiegende Folgen haben. Das berichtet ERF Mitarbeiter Andre, der die christliche Medienarbeit unseres internationalen Partners TWR in Zentralasien koordiniert.
Ein Bekannter aus Turkmenistan erzählte ihm, wie eines Tages Sicherheitsleute vor seiner Tür standen. Kurz zuvor hatte der turkmenische Christ auf Facebook einen Artikel positiv bewertet, der nicht staatskonform war. Weltanschauung, politische Meinung und die Religionszugehörigkeit gelten eben in der zentralasiatischen Region keineswegs als Privatsache; die digitale Überwachung ist allgegenwärtig.
Kreative Medienarbeit
Andre ermutigt die TWR Teams durch Schulungen, Gebet und persönlichen Austausch. Er ist jedes Mal beeindruckt von dem Einsatz und Mut der Teams vor Ort. So organisieren sie zum Beispiel in Tadschikistan regelmäßig Verteilaktionen. Dabei verschenken sie Radios und USB-Sticks in unwegsamen Gebirgsregionen und anderen unzugänglichen Teilen des Landes. Ein Mitarbeiter erzählt:
Im Sommer haben wir als Familie einen kurzen Urlaub an einem Bergsee gemacht. Abends wurde dort zur Unterhaltung der Feriengäste Musik über einen Lautsprecher gespielt. Ich hatte von zu Hause unsere christlichen Radioprogramme und Lieder mitgenommen und bot diese dem Leiter des Urlaubsresorts an. Er nahm das Angebot tatsächlich an und spielte die Aufnahmen an den Abenden ab. Dadurch konnte ich Zeuge davon werden, wie Menschen mit Freude den Programmen zuhörten und sich darüber unterhielten, was sie über Gott in Worten und Liedern zu hören bekamen.
Neben solchen Sonderaktionen produzieren die lokalen Mitarbeiter christliche Sendungen, die über Mittelwelle und in einem Land sogar auf UKW-Sendern ausgestrahlt werden. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Angebot in den Sozialen Medien, bei denen sie durch kurze Videos christliche Werte weitergeben.
Jetzt oder nie
Trotz möglicher Bedrohung setzen die Redakteure unseres internationalen Medienpartners TWR alles daran, anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Sie wollen Licht in ihrer Heimat verbreiten – mitten in Unsicherheit und trotz aller Widerstände.
Dabei steht die Religionsfreiheit in der Region weiterhin unter Druck. Öffentliches Evangelisieren ist in den Ländern verboten. In Kirgistan etwa darf eine Gemeinde erst ab 500 Mitgliedern offiziell registriert werden. Wer diese Hürde nicht erreicht, kann offiziell keine Gottesdienste abhalten. Viele kleinere Untergrundgemeinden bewegen sich damit automatisch außerhalb des Gesetzes. In Tadschikistan geht der Staat noch weiter: Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen jeder Art verboten, unabhängig der Religion.
Deutschland kann helfen
Um andere ermutigen zu können, brauchen die bedrängten Christen in Zentralasien auch selbst immer wieder Unterstützung. Besonders dankbar sind sie für Gebet und Solidarität aus dem Ausland. ERF Global Hope bringt monatlich einen Newsletter heraus, bei dem sie unter anderem von der Arbeit in Zentralasien berichten. Die Christen in dieser Region spüren unsere Gebete und sind sich sicher, dass Gott darauf reagiert.

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