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© Jeshoots com / unsplash.com

15.10.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Andreas Odrich

Lebensmittelvernichtung als Waffe

Welthungerhilfe legt erschreckende Zahlen vor, und was sonst noch diese Woche wichtig war.

 

 

Erschreckende Zahlen beim Index der Welthungerhilfe, der Einfluss der sozialen Netzwerke auf unser Leben, ja oder nein für Drei-G-Regeln im Gottesdienst, und der 90. Geburtstag der Christus-Statue von Rio sind uns einen Wochenrückblick wert. Andreas Odrich von der ERF Aktuell-Redaktion hat die Themen für diesen Freitagstalk zusammengestellt.


ERF: Andreas, du hast für diese Woche eine traurige Kennzahl, es ist die 811. Was hat es damit auf sich?

Andreas Odrich: 811 Millionen Menschen leiden weltweit unter chronischem Hunger. Das heißt schlicht und einfach, sie haben weniger zu essen, als sie zum Leben brauchen. 811 Millionen, das ist rundgerechnet jeder zehnte Mensch auf dieser Welt. Diese Zahl hat die Welthungerhilfe am Donnerstag in ihrem Jahresbericht vorgelegt.


ERF: Erschreckend daran ist ja auch: der Hunger kommt nicht nur durch zu wenige Lebensmittel zustande.

Andreas Odrich: Genau. Viele Ursachen sind menschengemacht. Dazu zählen bewaffnete Konflikte, bei denen unter anderem Lebensmittel gezielt vernichtet und Menschen systematisch ausgehungert werden; ein echtes Kriegsverbrechen. Der scheidende Bundes-Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) sagt deshalb auch knallhart: „Hunger ist Mord“.

Müller redet uns deshalb ins Gewissen und sagt. „Es gibt das Wissen und die Technologie, um alle Menschen satt zu machen“. Weitere Ursachen des Hungers seien die Klimaerwärmung und die Folgen der Corona-Pandemie. Fazit: Wenn wir nur wollen, dann können wir etwas gegen den Hunger in der Welt tun. Wer mehr wissen will, die Welthungerhilfe hat auf ihrer Homepage alle Zahlen und Fakten ausführlich beschrieben, ein Blick darauf lohnt.
 

Keine Manipulationsnetzwerke

ERF: Diese Woche hat auch der Evangelische Medienkongress getagt. „Keil oder Kitt? Die Rolle der Medien in der Gesellschaft“ war das Thema. Andreas, du hast an dem Kongress teilgenommen, und zwar so, wie sich das für einen Medienkongress in diesen Tagen gehört, vom Home-Office aus.

Andreas Odrich: Das ist das wirklich schöne an der neuen Medienwelt. Man kann zu Hause bleiben und ist trotzdem mittendrin. Veranstaltet wurde der Kongress vom Medienbeauftragten der Evangelischen Kirche und dem ZDF. „Kitt oder Keil“ – schnell wurde klar: ob ich nun brav zu Hause vor meinem Laptop sitze, ob ich die sozialen Netzwerke aktiv nutze oder nur konsumiere – wir alle sind Teil des Problems aber zugleich auch Teil der Lösung. Als Konsumenten ohnehin und wir als Medienmacher sind ohnehin mit einer besonderen Verantwortung beauftragt.
 

ERF: Aber ist es nicht inzwischen so, dass ich mich vom gesellschaftlichen Leben abkopple, wenn ich die sozialen Netzwerke nicht nutze?

Andreas Odrich: Genau das wurde auf dem Kongress kontrovers diskutiert. Dort kamen nicht nur Medienleute zusammen, sondern auch Pfarrerinnen und Pfarrer. „Einfach aus den sozialen Netzwerken rausgehen, wenn die Menschen, die ich erreichen will, dort sind“ – fragte z.B. jemand in einem Diskussions-Chat. Der evangelische Medienbischof, Kirchenpräsident Jung, sah sich da durchaus in einem Dilemma.

Die Pressesprecherin des Chaoscomputerclubs Constanze Kurz hingegen gab sich wesentlich kämpferischer. Sie bezeichnete Google und Facebook konsequent als „Werbe- und Manipulationsnetzwerke“, die kein „Wetterphänomen“ seien, „das einfach über uns kommt.“


ERF: Wobei sich ganz automatisch die Frage ergibt:  Was können wir denn tatsächlich tun?

Andreas Odrich: ZDF-Chefredakteur Peter Frey forderte: Facebook und Co müssen die redaktionelle Verantwortung tragen, für das was auf ihren Seiten veröffentlicht wird, und nicht länger so tun, als seien sie neutrale Plattformen ohne Einfluss. Frey strebt daher eine stärkere gesetzliche Regulierung an. Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, favorisierte ein öffentlich kontrolliertes Internet, unabhängig von den privatwirtschaftlichen Konzernen.

Und Constanze Kurz vom Chaoscomputerclub gab uns allen Hausaufgaben auf: jeder müsse sich informieren und dürfe Medien nicht naiv nutzen. Und, so Kurz, die Politik habe „stärker Einfluss zu nehmen“, um den Bürger besser zu schützen. Ganz anders zum Beispiel als in China, wo die Datenerhebung über soziale Netzwerke vor allem dazu diene, die Menschen gleichzuschalten und auf Linie zu zwingen, wie der ZDF-Journalist Ulf Röller und Leiter des ZDF-Studios Ost-Asien berichtete.
 

Corona: Kirchen handeln unterschiedlich

ERF: Einflussnahme fürchten manche Menschen auch, wenn es zum Stichwort Corona um die sogenannten Drei-G-Regeln geht, womit wir vom Evangelischen Medienkongress wegschwenken und uns den Herausforderungen von Kirchengemeinden in Coronazeiten widmen.

Andreas Odrich: 2 G oder 3 G, was soll in der Kirche gelten? Der Evangelische Pressedienst hat dazu einige Stimmen zusammengestellt. Und was kaum verwunderlich ist, es gibt dazu unterschiedliche Meinungen. Einige Kirchenvertreter wollen keine Menschen ausgrenzen, die sich nicht impfen lassen dürfen oder kein Geld für Tests haben.

Andere warnen, die Kirche solle „Impfbemühungen nicht unterlaufen“ und „kein Hort für Impfgegner“ sein. Ist ein Gottesdienst also etwas anderes als der Besuch eines Restaurants oder eines Konzerts? Die Entscheidung liegt bei den 20 Landeskirchen. Regionale Freiheiten sind ihnen ein hohes Gut und daher voll beabsichtig.
 

Christus – Segen für die Welt

ERF: Blicken wir zum Schluss noch auf einen besonderen 90. Geburtstag. Gefeiert wurde dieser Tage in Rio. Nur so viel sei schon verraten: im Mittelpunkt der Feierlichkeiten eine berühmte Figur.

Andreas Odrich: Der Jubilar ist 30 Meter hoch. Es ist die Christusstatue in Rio de Janeiro. Spätestens seit der Fußball-WM 2014 in Brasilien ist sie uns neu ins optische Bewusstsein gerückt. Ich habe noch ein Kärtchen, da steht „Weltmeister“ drauf und abgebildet ist eben diese Christusfigur; Deutschland wurde damals ja Fußballweltmeister.

1931 im Art-Deco-Stil erbaut breitet dieser Christus als Erlöser seine Arme segnend über Rio aus. Seinerzeit sollte die Christusfigur die 100 Jahrfeier zieren bezüglich der Unabhängigkeit Brasiliens von Europa. Sicherlich sollte damit auch die Erlösung von der europäischen Vorherrschaft symbolisiert werden. Aber wie dem auch sei. Ich finde: diese segnenden Arme drücken aus, was Christus sein will, integrierend, einladend, bergend.
 

ERF: Und mit diesem Bild lässt es sich doch gut ins Wochenende gehen. Bleiben Sie also behütet, gesegnet und geborgen. Das wünschen Ihnen Andreas Odrich und Katja Völkl vom Team ERF-Aktuell.

 Andreas Odrich

Andreas Odrich

  |  Leiter Redaktion Aktuell

Er leitet die Redaktion Aktuelles und Gesellschaft. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist begeisterter Opa von drei Enkeln. Der Glaube ist für ihn festes Fundament und weiter Horizont zugleich.

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