Navigation überspringen
© Alexander Popov / Unsplash.com

24.03.2022 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Sonja Kilian

Gefangen statt befreit

Geflüchtete Ukrainerinnen müssen geschützt werden.


Der Ukraine-Krieg sorgt in vielen Ländern für Solidarität. Nicht nur Massenunterkünfte werden vorbereitet; auch Tausende Privatpersonen öffnen derzeit ihre Haustüren und bieten Flüchtlingen eine Unterkunft. Deutschlandweit sind schon rund 300.000 Privatbetten über verschiedene Plattformen angeboten worden. Diese unglaublich große Hilfsbereitschaft ist zunächst einmal ein Lichtblick mitten in einer düsteren Krise. Doch inzwischen werden neue Gefahren sichtbar, die auf Kriegsflüchtlinge lauern.
 

Nicht nur Helfer mit guten Absichten

Nicht jeder, der sich als Helfer ausgibt, hat auch gute Absichten. Die deutschen Behörden warnen vor Menschenhandel. Besonders gefährdet sind allein reisende Frauen. Ihre Bedürftigkeit und die Sprachbarrieren können leicht ausgenutzt werden. Am harmlosesten ist die Situation noch, wenn Frauen in ihrer neuen Unterkunft als Haushaltshilfe missbraucht werden. Weitaus Schlimmeres droht ihnen, wenn sie an professionelle Menschenhändler geraten. Schon jetzt wird Deutschland als „Bordell Europas“ bezeichnet. Ein Großteil der Frauen in diesem Netz stammt bereits aus Osteuropa. Ihre Zahl könnte in der nächsten Zeit erschreckend schnell ansteigen.

Doch nicht nur Frauen sind gefährdet. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson mahnt eindringlich vor Menschenhändlern, die es auf unbegleitete ukrainische Kinder abgesehen haben. Straftätern fällt es leicht, sich in einer solchen Situation als Angehöriger eines Kindes auszugeben. „Sie wissen ja, dass Menschenhandel das profitabelste Verbrechen überhaupt ist“, sagt Johansson. Drogen oder Waffen könne man jeweils einmal verkaufen. Wer mit Menschen handelt, könne sie immer wieder verkaufen.
 

Kongress gegen Menschenhandel

Vom 29. Mai bis 1. Juni findet auf dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd ein Kongress statt, der sich gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung richtet. Ziel des Kongresses ist es, über Strukturen des Menschenhandels in Deutschland und weltweit zu informieren, die deutsche Gesetzeslage zu erklären und deren politische Dimension aufzuzeigen. Insgesamt 35 Initiativen stellen ihre Hilfsangebote beim Kongress gegen Menschenhandel vor.

Schon lange geplant, ist der Kongress in der jetzigen Situation nun umso wichtiger geworden. Uwe Heimowski, Politikbeauftragter der Deutschen Ev. Allianz berichtet in einem Video, wieso ihn das Thema ganz persönlich berührt, und lädt im Namen aller Beteiligten zu der Veranstaltung ein.

 

Veranstalter des Kongresses sind unter anderem die Deutsche Evangelische Allianz, Mission Freedom und International Justice Mission. Sie wollen deutlich machen, dass wir der grausamen Realität von Menschenhandel und Sklaverei nicht hilflos zusehen müssen. Die zahlreichen Organisationen und Politiker, die am Kongress teilnehmen, sehen einen Grund für die Missstände in der Gesetzgebung unseres Landes: Prostitution ist in Deutschland legal.

Laut einer Studie scheint diese liberale Gesetzgebung Menschenhandel zu begünstigen. Sie ermöglicht es Kriminellen, die Notlage von Menschen auszunutzen, die aus wirtschaftlich schwachen Ländern stammen und sich in Deutschland einen lukrativen Job erhoffen. Mithilfe von falschen Versprechungen, Drohung, Gewalt, Drogen oder anderen Abhängigkeitsverhältnissen werden die Opfer ausgebeutet. Viele sind der Meinung, dass dazu deutsche Gesetze beitragen, die ursprünglich erlassen wurden, um Menschen im Prostitutionsgewerbe zu schützen.
 

Eine Audioreihe ermutigt Betroffene

Christen sind bei gesellschaftlichen Fehlentwicklungen immer gefragt – so auch beim Thema Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Dass es realistische Möglichkeiten zur Verbesserung gibt, zeigt das nordische Modell in Schweden, wo käuflicher Sex verboten ist. Es hat in der Gesellschaft dort zu einer neuen Einstellung zur Prostitution geführt. Es gibt bessere Ausstiegshilfen, gute Aufklärung und Strafen für die Käufer sexueller Angebote. Eine ähnliche Entwicklung erhoffen sich viele Christen in Deutschland. Darauf hinzuwirken, ist eines der Ziele des Kongresses.

Auch der ERF wird beim Kongress vor Ort sein. Wir stellen eine Initiative vor, die Frauen den Ausstieg aus der Prostitution erleichtern soll. Es handelt sich um die christlich geprägte mehrsprachige Audioreihe namens „Hidden Treasures“ (Verborgene Schätze). Betroffene Frauen finden die Audioreihe – unter anderem auch in russischer Sprache – sowie Kontaktmöglichkeiten auf www.erf.de/wohin. Wer noch mehr wissen will: Einer der  vielen Workshops auf dem Kongress stellt dieses Angebot noch einmal intensiver vor.

 

Bis zum 31.3. gilt ein Frühbucher-Rabatt für den Kongress. Eine kostenlose Stornierung ist bis 7 Tage vor Beginn noch möglich. Die Teilnehmer erwartet ein inspirierender Kongress zu diesem wichtigen Thema mit zahlreichen Fachvorträgen, Workshops und einem festlichen Abend mit der Sängerin Sefora Nelson.

 Sonja Kilian

Sonja Kilian

  |  Koordinatorin / Redakteurin International

Mitarbeiterin bei ERF Global Hope für „TWR Women of Hope“. Die Autorin ist auch Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren