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© Charles Deluvio / unsplash.com

19.02.2021 / Essay / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Vera Nölke

Diskussion auf Augenhöhe

Hans Probst hilft beim Umgang mit populistischen Aussagen.

Mit Ängsten umgehen lernen

„Die Muslime bedrohen unsere christliche Kultur.“ Dies sei eine Aussage, die im lockeren Plaudern beim Kirchcafé schnell fallen kann. Auch in Seelsorgegesprächen kommen populistische Thesen vor, berichtet der Referent. Probst ist überzeugt: Das darf sein, denn Kirche ist ein Ort des Austauschs und der Gespräche. Bei populistischen Aussagen geht es – gerade im seelsorgerlichen Rahmen - auch um eine Bearbeitung von Zukunftsängsten und Sorgen vor Bedrohungen, ob berechtigt oder nicht. Haupt- wie Ehrenamtliche sollten hier sprachfähig sein und populistische Aussagen erkennen können.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Darüber hinaus betont Hans Probst, dass der Meinungsaustausch ein Gespräch auf Augenhöhe sein muss. Für einen wertschätzenden Austausch benennt Probst folgende Leitlinien:

  1. Meinungen akzeptieren: Akzeptanz drückt sich dadurch aus, dass die Aussagen des Gegenübers gehört und diskutiert werden. Dabei hilft es, ruhig zu bleiben und nicht die Person als solches abzuwerten.
  2. Auf den Wert und die Menschenwürde achten: Das gelingt, indem man trennt zwischen Person und Meinung. Wert und Würde einer Person hängen nicht davon ab, welche Meinung er oder sie hat. Probst schlägt vor, dies auch anzusprechen: „Du bist mir als Mensch wichtig, ich erkenne deinen Wert an. Ich schiebe dich nicht in irgendeine Ecke ab, ich möchte mit dir inhaltlich diskutieren.“
  3. Menschen mit hineinnehmen in die Vielstimmigkeit der Demokratie: Es gibt nicht „den einen Volkswillen“. Es gibt mehrere Ansichten und Meinungen zu einem Thema.
  4. In Gesprächen gilt das Anrecht, sich selbst zu schützen. Überschreitet das Gegenüber in einer Diskussion eine Grenze, darf ich als Gesprächspartner in dem Moment das Gespräch beenden oder auf einen anderen Tag verschieben.

All diese Regeln spiegeln für Probst christliche Nächstenliebe im Umgang miteinander wider.

Wie reagieren bei Anfeindungen oder Pauschalisierungen?

Wird eine bestimmte Gruppe angefeindet, vertritt Hans Probst solidarisch deren Stimme. Hier gilt es ein Stoppzeichen zu setzen nach der Art: „Gegen ‚die‘ Juden, gegen ‚die‘ Muslime will ich nicht, dass du so sprichst und dass du solche Vorwürfe vorbringst.“

Bei pauschalisierenden Aussagen schlägt der Referent vor, das Schwarz-Weiß-Denken zu hinterfragen, auch wenn es anstrengend ist. Denn zur Nächstenliebe gehöre es auch, wenn nötig, der Meinung des anderen zu widersprechen. Die Erfahrung zeige: Wer in seiner Haltung allein gelassen wird, neigt dazu, diese zu verfestigen. Probst kennt Extremfälle: Attentäter hätten nach ihrer Tat oftmals gesagt, dass ihnen vorher niemand widersprochen habe. Deshalb fühlten sie sich im Recht. Eine Spirale, die möglicherweise frühzeitig hätte durchbrochen werden können.

Wenn wir die Würde des Menschen als einen zentralen biblischen und christlichen Wert wahrnehmen, dann sehe ich das als eine massive Herausforderung.

Stimme einsetzen für die Würde

Kirche hat eine Stimme in der Gesellschaft. Diese Stimme sollte genutzt werden im gesellschaftlichen Diskurs, findet Hans Probst: „Wenn wir die Würde des Menschen als einen zentralen biblischen und christlichen Wert wahrnehmen, dann sehe ich das als eine massive Herausforderung.“ Dennoch ist sie notwendig: Jeder Christ sollte nach Ansicht Probsts seine Stimme erheben und sich für mehr Menschenwürde im Umgang miteinander engagieren.

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Kommentare (2)

Heike /

Jörg spricht mir aus der Seele: Diese Gedanken gingen mir auch durch den Kopf, als ich Frau Nölkes Artikel über Hans Probst gelesen habe. Die Würde des Menschen als wichtige Priorität und das mehr

Jörg /

"Es gibt kein biologisches Geschlecht", "Das EEG kostet den Bürger nur eine Eiskugel im Monat", "Die Sonne schickt keine Rechnung", "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa", "Der Euro ist mehr

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