Neue Vorwürfe gegen einen katholischen Pfarrer im Missbrauchsprozess, ein neuer nationaler Gedenktag für Opfer von Terroranschlägen wird eingeführt und ein Comedian macht Werbung für das Christival. Das und mehr bewegt uns heute im Blick zurück auf die Woche. Darüber hat Regina König mit Katja Völkl gesprochen.
ERF: Mit Blick auf die noch immer angespannte Lage an der russisch-ukrainischen Grenze haben die Evangelischen Landeskirchen zu Friedensgebeten aufgerufen.
Katja Völkl: Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, Beate Hoffmann, die Bischöfin der kurhessischen Kirche und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung betonten, dass viele Menschen Angst vor Krieg hätten. Bischöfin Hofmann und Kirchenpräsident Jung sagten dazu: „In großer Sorge über die aktuelle Lage und aus historischer Verantwortung heraus beten wir für eine gewaltfreie Lösung der aktuellen Situation, für konkrete Schritte der Deeskalation und eine nachhaltige Friedensordnung in Europa.“
Und Ralf Meister bekräftige noch: „Lasst uns der Kraft des Gebets vertrauen und nicht nachlassen.“ Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July meinte außerdem, es sei Aufgabe der Kirchen, für Versöhnung und Frieden einzutreten, auch wenn Gespräche festgefahren schienen. Dementsprechend sprachen sich die Landeskirchen für eine diplomatische Lösung des Konflikts aus.
ERF: Und auch der evangelische Friedensbeauftragte Friedrich Kramer hat die Beteiligten am Russland-Ukraine-Konflikt aufgefordert, einen Weg zum Frieden zu finden und von einer Politik der Drohungen und Machtdemonstrationen wegzukommen.
Katja Völkl: Genau. Auch er meint, es gehe darum, weiter zu reden und alle diplomatischen Möglichkeiten auszuloten. Dabei müssten die berechtigten Sicherheitsinteressen aller Beteiligten anerkannt und berücksichtigt werden. Und es müsse eine langfristige Lösung für eine friedliche Zukunft erarbeitet werden. Waffen könnten kein Weg zum Frieden sein, darum seien Waffenexporte in Krisenregionen falsch, betonte er. Jetzt sei die Zeit für Gespräche, nicht für Waffen.
Neuer Gedenktag stellt Opfer in den Mittelpunkt
ERF: Unsere nächste Meldung geht thematisch in die gleiche Richtung: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, dass der 11. März ein offizieller Gedenktag für Opfer von Terroranschlägen wird.
Katja Völkl: Ja, der 11. März ist bereits europäischer Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt. Und nun haben SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart, ihn auch national zu begehen. Das Datum erinnert an die verheerenden Anschläge in Zügen in Madrid mit fast 200 Toten im Jahr 2004.
„Dieser Tag wird ein Tag der Erinnerung, des Mitgefühls, aber auch der Mahnung sein, mit aller Entschlossenheit gegen terroristische Bedrohungen vorzugehen“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser wörtlich. Dabei erinnerte sie auch an die terroristischen Anschläge am Berliner Breitscheidplatz sowie in Halle und Hanau. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan freut sich, dass der geplante Gedenktag die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Neue Vorwürfe im Missbrauchsprozess gegen ehemaligen katholischen Pfarrer
ERF: Und es gibt etwas Neues im Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen katholischen Pfarrer aus Wuppertal. Das Landgericht Köln hat weitere Vorwürfe in das laufende Verfahren aufgenommen.
Katja Völkl: Der katholische Pfarrer steht seit November vor Gericht. Ihm wird sexueller Missbrauch in 31 Fällen an drei seiner Nichten und in zwei Fällen einem weiteren Mädchen vorgeworfen. Die Kinder waren zum möglichen Tatzeitpunkt zwischen sieben und 13 Jahren alt. Die Taten soll er zwischen 1993 und 1999 verübt haben. Während des Prozesses wurden weitere Vorwürfe bekannt. Danach soll sich der Pfarrer an vier weiteren 4 Mädchen zwischen 2002 und 2018 in insgesamt 85 Fällen sexuell vergangen haben. In 21 Fällen geht die Staatsanwaltschaft von schwerem sexuellem Missbrauch wie Geschlechtsverkehr aus.
ERF: Laut Anklage gelang es dem Geistlichen immer wieder, das Vertrauen der Eltern der Mädchen zu gewinnen.
Katja Völkl: Bei einem Mädchen habe er vorgegeben, sich um es zu kümmern, um deren alkoholkranke Mutter zu unterstützen. In einem anderen Fall habe er mit den Eltern eines Mädchens eine „Therapievereinbarung“ geschlossen, um dessen „pubertären Jähzorn“ zu behandeln. Einige der Taten geschahen laut Staatsanwaltschaft in den Wohnungen der Eltern.
ERF: Im Rahmen dieses Verfahrens schrieb ein leitender Pfarrer, der in Wuppertal mit dem Angeklagten zusammengearbeitet hatte, schrieb eine Mail an das Gericht.
Katja Völkl: Darin erklärte er, dass er sei von der Bistumsleitung nicht über dessen zeitweilige Suspendierung vom Priesterdienst wegen Missbrauchsvorwürfen informiert worden sei. Nach seiner Ansicht hätten möglicherweise Taten verhindert werden können, wenn die Bistumsleitung entschlossen gehandelt hätte.
ERF: Und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert vom Staat ein stärkeres Engagement bei der Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.
Katja Völkl: Dazu hat er ein Positionspapier veröffentlicht, demzufolge die unabhängige Aufarbeitungskommission dabei eine zentrale Rolle bekommen soll. Rörig forderte die Bundesregierung und den Bundestag auf, bis zum Sommer einen ersten Gesetzentwurf zu erarbeiten und spätestens im kommenden Jahr zu Beschlüssen zu kommen. Derzeit gebe es auch einen breiten gesellschaftlichen Konsens, dass sich der Staat bei der Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in den Kirchen und in anderen Institutionen stärker engagieren solle.
Zunehmende Kritik am Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung
ERF: Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sehen die Bürger das deutsche Krisenmanagement zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie so kritisch wie nie.
Katja Völkl: Im April und Juni 2020 waren noch zwei Drittel der Arbeitnehmer und Selbstständigen mit der Politik zufrieden. Im Januar 2022 waren es nur noch 31 Prozent. Es scheine sich eine neue Gruppe herauszubilden, was die Forscher Andreas Hövermann und Bettina Kohlrausch als Grund zur Beunruhigung beschreiben: Befragte, die bis zu einem bestimmten Punkt der Pandemie noch zufrieden mit dem Krisenmanagement der Regierung waren, hätten im weiteren Verlauf das Vertrauen in die Politik verloren. Darunter seien überdurchschnittlich viele, die zwar geimpft, aber nicht „geboostert“ seien und auch keine Absicht hätten, sich die dritte Impfung noch geben zu lassen.
Lediglich vier Prozent in dieser Gruppe äußerte sich aktuell noch zufrieden mit dem Vorgehen der Bundesregierung. Im April 2020 waren es in dieser Gruppe noch 41 Prozent. Selbst bei vollständig Geimpften mit Auffrischungsimpfung halbierte sich im Verlauf von zwei Jahren die Zustimmung zur Corona-Politik von einstmals 73 auf nunmehr noch 38 Prozent. Aktuell fühlen sich gerade Mütter belastet. Jede fünfte Mutter habe im Januar ihre Arbeitszeit reduziert, um ihre Kinder zu betreuen.
Comedian Bülent Ceylan beim Christival
ERF: Und zum Schluss gibt es noch ein bisschen Werbung.
Katja Völkl: Und zwar vom Comedian Bülent Ceylan. Der wirbt nämlich für einen Besuch des Christivals Ende Mai in Erfurt. „Ich freue mich total auf euch alle. Das wird richtig gut. Das wird Liebe pur. Wir werden viel lachen und eine gute Zeit haben. Gottes Segen euch“, so zitieren die Organisatoren des christlichen Jugendtreffens in Erfurt den Künstler.
Bülent Ceylan tritt bei der Zentralveranstaltung in der Messe Erfurt mit Auszügen aus seinem Programm auf. Dabei will er auch darüber sprechen, wie eine Gotteserfahrung seine Sicht auf Gott und das Leben verändert habe. Das Christival findet vom 25. Bis 29. Mai in Erfurt statt.
ERF: Und das war’s für heute mit dem Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion. Es verabschieden sich Katja Völkl und Regina König und wir wünschen Ihnen ein geistreiches und inspirierendes Wochenende.
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