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© Jeshoots com / unsplash.com

08.07.2022 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Katja Völkl

Rollt auf Deutschland eine Armutswelle zu?

Der Freitagstalk des ERF Aktuell-Teams.

 

 

Wirtschaftskrisen, globaler Hunger, Krieg und Hochwasserkatastrophe – die Themen des Freitagstalks stimmen nachdenklich, doch es gibt auch Positives zu berichten: so wurden im vergangenen Jahr weltweit mehr Bibeln verteilt als 2020. Und noch mehr Themen besprechen Katja Völkl und Regina König im Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion.


ERF: Schon seit geraumer Zeit warnen Hilfsorganisationen vor der vielleicht größten Hungersnot seit 50 Jahren. Und in dieser Woche schlagen die UN Alarm: der Hunger breitet sich weltweit aus.

Regina König: Ja, obwohl sich die UN das Ziel gesetzt haben, bis 2030 den Hunger in unserer Welt zu besiegen. Von diesem Ziel scheinen wir derzeit allerdings weit entfernt. Am Mittwoch wurde in New York der neueste Welternährungsbericht vorgestellt, demnach waren 2021 bis zu 828 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Das sei ein Anstieg um 46 Millionen Menschen im Vergleich zu 2020. Am schlimmsten trifft die Ernährungskrise die Menschen im globalen Süden, meldet der epd.

Der Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms, David Beasley, befürchtet eine globale Destabilisierung und Massenmigration in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Gründe sind vielfältig: Pandemie und Preissteigerungen, Naturkatastrophen und nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine. In der Kornkammer der Welt stecken ja aufgrund der russischen Blockade immer noch knapp 25 Millionen Tonnen Getreide fest.
 

Bernd Siggelkow: „Eine Armutswelle rollt auf uns zu.“

ERF: Und ein Umlenken des russischen Präsidenten ist in dieser Frage nicht in Sicht. Vor wachsender Armut warnen die Wohlfahrtsverbände auch in Deutschland.

Regina König: So rechnet z.B. das christliche Kinder- und Jugendwerk «Die Arche» mit einer verstärkten Nachfrage nach kostenlosen Essens- und Freizeitangeboten für Familien. «Auf unsere Gesellschaft rollt in den kommenden Wochen und Monaten eine Armutswelle zu», sagte in dieser Woche Arche-Gründer Bernd Siggelkow. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Betriebskosten würden selbst Mittelstandsfamilien treffen.

«Die Arche» betreibt mittlerweile Standorte in 28 Städten. Bernd Siggelkow fordert die Politik auf, «ein klares System» zu etablieren, «das diesen Kindern hilft». Es würden immer mehr Kinder, die sich nicht gesund ernähren oder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
 

NRW lädt ein zum ökumenischer Gedenkgottesdienst für Opfer der Flut.

ERF: Für Not und Elend in Deutschland hat auch die verheerende Flutkatastrophe im vergangenen Sommer geführt in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben, abertausende ihr Hab und Gut. Am Donnerstag jährt sich nun diese schreckliche Katastrophe.

Regina: Und deshalb lädt die Landesregierung von NRW nach Euskirchen ein zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst.  Geladen sind u.a. Hinterbliebene der Opfer. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner wird daran teilnehmen gemeinsam mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.


ERF: Ein Jahr nach der Katastrophe leiden noch viele Flutopfer unter Angstzuständen.

Regina König: Bei jedem stärkeren Regen schnellen die Anrufzahlen bei der Krisen-Hotline nach oben, sagte jetzt der rheinland-pfälzische Opferbeauftragte Detlef Placzek gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Immer noch meldeten sich Flutopfer, die therapeutische Hilfe benötigten. Zudem bedauert Placzek das langsame Tempo beim Wiederaufbau. «Das Ahrtal, wie es einmal war, wird es so wohl nicht mehr geben», so der Opferbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz.


ERF:  Bund und Länder stellen für den Wiederaufbau bis zu 30 Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Bruchteil wurde bisher allerdings erst ausgezahlt.

Regina König: Denn 20% der Schadenssumme muss von den Flutopfern selbst aufgebracht werden, das ist für einige nicht zu schaffen. Und das Verfahren ist kompliziert und nur online zugänglich. Fakt ist: viele Betroffene haben bisher noch keine Anträge gestellt – obwohl die Schäden immens sind:  Laut des Rückversicherers Münchener Rück belaufen sie sich allein in Deutschland auf eine Höhe von 33 Milliarden Euro. Damit ist die Juli-Flut 2021 die teuerste Naturkatastrophe, die je in Deutschland verzeichnet wurde.


ERF: Und gleichzeitig rief das Hochwasser eine große Hilfs- und Spendenbereitschaft hervor:

Regina König: Ja, so verbuchte z.B. das Bündnis «Aktion Deutschland hilft» eine Rekordsumme von 282,2 Millionen Euro und nicht zu vergessen: Tausende packten an bei den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten.
 

Bibelverbreitung hat weltweit zugenommen

ERF: Trotz aller Katastrophen, Krisen und besorgniserregender Entwicklungen: es gibt auch positive Nachrichten.

Regina König: So meldete die Deutsche Bibelgesellschaft in dieser Woche, dass die Verbreitung von Bibeln im vergangenen Jahr weltweit zugenommen hat. 32,6 Millionen vollständige Bibelausgaben wurden demnach weitergegeben, das sind 1,7 Millionen Exemplare mehr als im Jahr zuvor. Nur in Europa hat die Bibelverbreitung im Vergleich zum Vorjahr abgenommen.

Erschwert werde die Verteilung in manchen Regionen weiterhin durch die Corona-Pandemie, erläuterte Horst Scheurenbrand, Leiter der Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft. Rund 20% aller vertriebenen Vollbibeln wurden im Internet heruntergeladen. So habe etwa die Bibelgesellschaft in Mosambik insgesamt 51.000 Menschen eine digitale Bibelausgabe zur Verfügung gestellt, meldet der epd.


ERF: Und deine nächste Meldung sorgt sogar für etwas sommerlichen Flair:

Regina König: Ja, denn in Thüringen findet ab Ende Juli die „Zeltstadt 2022“ statt, das ist eins der größten evangelischen Treffen in Deutschland. 1700 Camper werden erwartet auf dem Gelände der Familienkommunität Siloah in Neufrankenroda bei Gotha. Alles steht unter dem Leitwort „Gemeinsam unterwegs“.

„Mit diesem Thema wollen wir positive Impulse setzen, nach Corona wieder Gemeinsames zu entdecken“, sagt Walter Lutz, Leiter der Zeltstadt. Dazu gibt es Bibelarbeiten und Seminare, Workshops, Vorträge, Lobpreismusik und Talk-Runden. Die Zeltstadt ist ein Projekt des Vereins Christusdienst in Zusammenarbeit mit der Familienkommunität Siloah und dem Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Anmeldungen sind noch möglich unter www.die-zeltstadt.de/anmeldung/. Start ist der 29. Juli, Zelte abbauen dann am 5. August. Alle Generationen sind eingeladen, man muss nur wetterfest sein. 


ERF:  Also zur Sicherheit Gummistiefel einpacken zum Campingurlaub in Neufrankenroda. Und das war auch schon der Wochenrück- und Ausblick der ERF Aktuell-Redaktion, ein erholsames und friedliches Wochenende wünschen Regina König und Katja Völkl.
 

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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