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15.01.2021 / Bericht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor: Oliver Jeske

Assistierter Suizid in christlichen Einrichtungen?

Neue Diskussion unter Theologen und Lebensrechtlern.

 

 

Sollen Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen wollen, Hilfe bekommen – und zwar in evangelischen Pflegeeinrichtungen oder Kliniken? Für den Chef der evangelischen Wohlfahrtspflege in Deutschland, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie wäre das zumindest denkbar.

„Es kann ja sein, dass auch ein ganz frommer Mensch am Ende einer sehr schweren Erkrankung sagt: ‚Das hat nichts mehr mit dem Leben zu tun, was ich mir nur halbwegs als gestaltbar vorstellen kann. Und das lege ich jetzt zurück in Gottes Hand.‘“ Außenstehende müssten sehr vorsichtig sein, das von zu bewerten.
 

Gottes Perspektive nicht vorenthalten

Ganz anders sieht das Caritas-Präsident Peter Neher. Die Position des katholischen Wohlfahrts-Leiters: Egal ob gläubig oder nicht gläubig – ob Christ, Muslim, Jude oder Atheist – Gott hat für jeden Menschen eine Perspektive. Und die darf man ihm nicht vorenthalten.

Wir wissen ja auch, dass der Wunsch nach Suizid bei 90%, die ihn äußern, aus einer psychischen Notlage erwächst. Und ich denke, ein Gott, der dem menschlichen Leben zugewandt ist, der mitgeht, wird auch einen Menschen in einer solchen Situation begleiten und stärken durch Menschen, die ihm nahe sind.

 

Das und nichts anderes sei die Aufgabe des Pflege- und Seelsorgepersonals in christlichen Einrichtungen, sagt Peter Neher. Doch wie ist es überhaupt zu den Überlegungen von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie gekommen? Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020. Es besagt: Jeder hat ein Recht auf das Beenden des eigenen Lebens. Lilie will nun das Feld nicht Sterbehilfsorganisationen überlassen.
 

„Wir können es nicht besser“

Doch ist das die richtige Lösung: den assistierten Suizid in evangelischen Einrichtungen zuzulassen? Dieser Gedanke stößt bei dem katholischen Theologen Neher auf Kritik: „Diese Argumentation ist überhaupt nicht schlüssig. Wer so argumentiert, begibt sich selber auf die Ebene des geschäftsmäßigen assistierten Suizids und behauptet dann, er aber könne es besser.“ Dies führe zu einer schiefen Ebene, „weil damit die Einrichtung selber in dieses Geschäftsfeld mit einsteigt und dann behauptet: Bei uns aber gelingt es besser.“
 

Suizid raubt die Autonomie

Nun gibt es Befürworter des assistierten Suizids. Sie behaupten: Jeder soll selbst über den Zeitpunkt seines Todes entscheiden. Das gehört zur Autonomie, also zur Selbstbestimmung des Menschen. Niemand darf diese Autonomie einschränken. Für die Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht, Alexandra Linder, ist diese Argumentation fadenscheinig. „Wenn ich einem Menschen das Leben nehme, nehme ich ihm auch die Autonomie über sein Leben vielleicht noch anders entscheiden zu können.“ Das sei ein Schritt, den ein Heim, das der christlichen Nächstenliebe verpflichtet ist, niemals gehen dürfe.

 Oliver Jeske

Oliver Jeske

  |  Redakteur Aktuelles
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Kommentare

Randolf K. /

Es ist - nicht erst jetzt- an der Zeit für die sich als "wiedergeboren" (Allein in Christus) bezeichnete Christenheit, sich den relevanten, gesellschaftlichen Themen zu stellen und ggf. damit allein dazustehen. Wir rechtfertigen uns vor Gott, nicht vor den Menschen in erster Linie. Das führt unweigerlich zu Konsequenzen. In anderen Kulturen kostet das viel mehr!!!

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