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© Droemer Knaur Verlag / droemer-knaur.de

01.09.2015 / Buchrezension / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Rebecca Schneebeli

Scharia in Deutschland

Gibt es eine islamische Parallelgesellschaft in Deutschland? Sabatina James gibt Antworten.


Die Zustände sind erschreckend. Das ist die Botschaft, die der Leser aus dem Buch „Scharia in Deutschland – Wenn die Gesetze des Islam das Recht brechen“ von Sabatina James mitnimmt. Denn Sabatina James, selbst ehemalige Muslima, beschreibt ungeschönt, an welchen Stellen es zu Konflikten zwischen deutschem und islamischem Recht kommt. Da wäre zum Beispiel das Problem, dass laut Scharia Ehrenmorde und Zwangsheiraten erlaubt sind, diese aber nach europäischen Recht nicht mit der Würde und Entscheidungsfreiheit jedes Menschen zusammenpassen.

Aber James macht deutlich: Das Problem, das Deutschland mit dem Islam und der Scharia hat, ist ein viel einschneidenderes. Denn laut Koran ist das Ziel des Islams, alle Menschen zum Islam zu bekehren. Wer nicht zum Islam übertritt, dem droht letztlich der Tod – so James. Und hier beginnt das Problem, welches ich mit diesem ansonsten gut recherchierten Buch habe. Denn obwohl Aufforderungen zur Tötung aller Ungläubigen im Koran stehen, ist dies nicht die generelle Glaubensüberzeugung von Muslimen in Deutschland. Das Bild, das James vom Islam und den in Deutschland lebenden Muslimen zeichnet, ist rabenschwarz. Doch – so fragte ich mich mehrmals beim Lesen – trifft es zu?
 

Gute Recherche, aber viel Misstrauen

Sicherlich hat Sabatina James gut recherchiert. Wenn sie die Existenz von Parallelgesellschaften beschreibt oder erklärt, wie einige islamistische Gruppierungen sich in Deutschland als Vertreter des Friedens darstellen, aber gleichzeitig den Terror im Nahen und Mittleren Osten unterstützen, dann glaube ich ihr dies unbesehen. Kaum eine ihrer Behauptungen bleibt ohne Beleg. Doch sie betont in „Scharia in Deutschland“ sehr stark die Gefahr, die vom Islam ausgeht. Dass es auch Muslime gibt, die sich an die Gesetze unseres Staates halten und sich einer freiheitlichen Grundordnung verpflichtet fühlen, bleibt unerwähnt. Vielmehr zeigt sich in ihrem Buch ein Misstrauen gegenüber Muslimen, die zwar friedlich in Deutschland leben, aber sich nicht deutlich genug von Terror und Islamismus distanzieren.

Dieses Misstrauen mag zum Einen in Sabatina James‘ Lebensgeschichte begründet sein. Als Siebzehnjährige sollte sie von ihrer Familie zur Heirat mit ihrem Cousin gezwungen werden. Unter Todesdrohungen weigerte sich James. Schließlich kam es zum Bruch mit der Familie. James kam also sehr stark mit der negativen Seite des Islam in Berührung und hat des Weiteren durch ihre Hilfsorganisation „Sabatina e.V.“ zu Opfern von Zwangsverheiratungen Kontakt. Dies erklärt ihre teils sehr einseitige Haltung.

Zum Anderen ist James‘ Forderung, dass sich friedliche Muslime stärker von gewaltbereiten Gruppierungen distanzieren sollen, nicht ganz unberechtigt. Viele Muslime in Deutschland schweigen dazu, dass der IS in Deutschland Kämpfer für Syrien wirbt und die Boko Haram in Nigeria christliche Mädchen kidnappt. Man kann in ihr Schweigen zwar meines Erachtens keine Unterstützung hineininterpretieren. Dennoch wäre wünschenswert, dass sich Muslime, die sich mit dem deutschen Rechtsstaat und seinen Ordnungen identifizieren, klarer dazu bekennen würden.
 

Wo bleibt die Ausgewogenheit?

Doch braucht es ein solches Buch, das aufzuklären versucht, dabei aber gleichzeitig Angst und Vorurteile gegenüber Muslimen schürt? Ich bin mir unsicher. Auf der einen Seite glaube ich, dass die beschriebenen Missstände tatsächlich existieren. Sabatina James erzählt in „Scharia in Deutschland“ keine Märchen. Sie beschreibt eine Realität, aber welche Realität verschweigt sie. Beschreibt sie, wenn sie von Familienclans schreibt, in denen alle männlichen Mitglieder mindestens einmal straffällig geworden sind, auch die Realität einer Kleinstadt? Oder ist dies ein reines Problem der Großstädte?

Meine eigene Erfahrung mit Muslimen deckt sich mit dieser Beobachtung zum Beispiel gar nicht. In meinem Abiturjahrgang gab es etwa eine Handvoll Schüler türkischer Herkunft und diese waren alle sehr freundlich und höflich – freundlicher und höflicher als einige deutsche Mitschüler. Ich gehe regelmäßig in einem Dönerladen essen – auch hier treffe ich in der Regel nur freundliche und aufgeschlossene Muslime. Deshalb frage ich mich sicherlich nicht ganz zu Unrecht: Wie repräsentativ sind die Beispiele, die Sabatina James in ihrem Buch nennt?

Aber ganz gleich wie repräsentativ Sabatina James‘ Ausführungen sind – sie haben eine gewisse Einseitigkeit und das ist ein Problem. Ja, James macht auf tiefgreifende gesellschaftliche Probleme aufmerksam. Ihr Buch ist informativ und gut geschrieben. Aber es empfiehlt sich eben nur für differenzierte Leser. Wer bereits Vorurteile gegenüber Muslimen hegt, wird in diesen durch James‘ Buch nur bestätigt. Doch längst nicht alle Muslime tragen Rechtsstreitigkeiten vor einem Schariagericht aus oder zwingen ihre Töchter zur Heirat. Leider bleibt das unerwähnt ¿ ein großes Manko. Denn dadurch kann dieses Sachbuch leicht von rechtsradikalen Gruppen instrumentalisiert werden. Etwas, das die Autorin pakistanischer Herkunft sicherlich keineswegs unterstützen wollte.
 

Fazit

Natürlich kann man bei einem Titel wie „Scharia in Deutschland“ nicht erwarten, dass das Alltagsleben friedlicher Muslime beschrieben wird. Doch dass Sabatina James‘ Sachbuch es so darstellt, als ständen alle Muslime unserem deutschen Rechtsstaat kritisch gegenüber, halte ich für sehr problematisch. Sabatina James‘ Buch ist damit zwar zum Einen ein wichtiges, aber gleichzeitig ein gefährliches Buch. Denn sie schürt beim unbedarften Leser übertriebene Ängste. So sehr ich mir wünsche, dass James‘ warnende Worte über den Islam bei den richtigen Leuten Gehör finden; so sehr wünsche ich mir auch, dass dieses Buch nicht von den falschen Menschen gelesen wird. Denn wer bereits zu Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit neigt, wird sich durch dieses Buch in seinem Denken bestätigt fühlen.
 

 Rebecca Schneebeli

Rebecca Schneebeli

  |  Redakteurin

Sie schätzt an ihrem Job, mit verschiedenen Menschen und Themen in Kontakt zu kommen. Sie ist verheiratet und mag Krimis und englische Serien.

Ihr Kommentar

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Kommentare (26)

Rebecca Schneebeli /

Lieber Heinrich K.,
natürlich ist die "Aufforderung zur Tötung aller Ungläubigen" generell eine Aussage im Koran, die an Problematik kaum zu überbieten ist. Trotzdem sollte man immer auch mehr

Heinrich K. /

Sie haben in Ihrer Beurteilung folgendes geschrieben. Und hier beginnt das Problem, welches ich mit diesem ansonsten gut recherchierten Buch habe. Denn obwohl Aufforderungen zur Tötung aller mehr

Tschumi /

Da ich selbst das Buch von Sabatina lese war ich etwas über die Rezession von Frau Schneebeli überrascht andererseits auch enttäuscht. Sabatina möchte definitiv nicht Ängste schüren, aber wenn man mehr

Tschumi /

Da ich selbst das Buch von Sabatina lese war ich etwas über die Rezession von Frau Schneebeli überrascht andererseits auch enttäuscht. Sabatina möchte definitiv nicht Ängste schüren, aber wenn man mehr

lieschenmüller /

Es stimmt nicht, dass die Autorin alle Muslime als unserem Rechtsstaat kritisch gegenüberstehend darstellt. Sie macht m.E. nur deutlich, dass der Islam auf dem unabänderlichen Koran basiert, der nun mehr

Claas Kaeseler /

Vielen Dank für die Rückmeldungen. Ich glaube nicht, dass Frau Schneebeli mit ihrer Rezension den Islam verharmlosen will. Sie hat dasBuch von Frau James gelesen und deutlich gemacht, dass es gut mehr

bianculi /

Niemand sollte hier respektlos angesprochen werden, das war keine Absicht. Das Beispiel das die Autorin genannt hatte stieß einfach auf, angesichts der schlimmen, grausamen Bilder die uns aus der mehr

Bettina /

Eigentlich ist es doch ganz normal, dass Frau James nur auf die massiven Probleme des Islams hinweist. Sie pauschalisiert nicht.
Dass jeder Bürger, auch Moslems, sich an die hier geltenden mehr

Claas Kaeseler /

Liebe Leserinnen und Leser,
mit Freude und gleichzeitig mit Betrübnis stelle ich als Leiter von ERF.de fest, dass zu diesem Beitrag ein reger Austausch stattgefunden hat. Ich freue mich, weil wir mehr

Bettina /

Der Koran enthält auch Suren, die harmlos sind, diese wurden aber im Laufe der Zeit durch härtere Suren ersetzt und nur diese sind gültig. Herr Adnan Al Masoud (Diplomierter Koran Kenner und Christ) mehr

Rebecca Schneebeli /

Ich wehre mich ganz klar gegen den Vorwurf der Naivität. Ich weiß durchaus, dass der Islam auch eine politische Dimension hat und im Koran viele Suren stehen, die zu Gewalt gegen Andersgläubige mehr

Sigrid T. /

Danke für die mutige und differenzierte Rezension. Es ist Fakt, dass die Ausübung der Scharia einen Angriff auf die Menschenwürde und unsern demokratischen Rechtsstaat darstellt. Aber wir müssen uns mehr

Jörg E. /

Tadellos politisch korrekte Rezension mit perfekter Minimierung Anstoß erregender Aussagen! Indes der Charakter des Islams kann weder an „netten Moslems“ noch an „radikalen Islamisten“ abgelesen mehr

Andrea Z. /

Den Ausführungen von Jaques L. und bianculi ist vollinhaltlich zuzustimmen. Jeglicher Relativierung und Verharmlosung des Islam ist entschieden entgegenzutreten!! Harmoniebedürftigkeit ist hier fehl mehr

Bettina /

Leider wird der Islam immer wieder schön geredet. Das wird auch an dieser Rezension sichtbar. Eine Ideologie/Islam erkennt man am besten dort, wo er herrscht--in den Islamländern! Politisch korrekt mehr

Jaques L. /

Frau Schneebeli, Ihre Naivität ist schlicht entwaffnend. Ich wünschte, ich hätte auch ein gewisses Maß solcher Naivität, die ja letztendlich auch den kindlichen Glauben an unseren gemeinsamen Vater mehr

Frido /

Nett und höflich
Danke für die gute Rezension des Buches. Trotzdem klingt die Erzählung von den netten Muslimen im Abiturjahrgang oder dem Dönermann doch recht blauäugig. Haben Sie einmal mit mehr

Helga /

Ihre Buchrezension über Sabatina James' Buch ist einseitige“ Meinungsmache“ und zeigt leider nur Ihre subjektive Ansicht und klingt zuweilen recht naiv. Nehmen Sie sich die ganzen Kommentare hier zu mehr

Hermann Christian S. /

Lasst uns gute Christen sein! Niemand preist mehr die Liebe als unser Vorbild in der Person Jesu. Leider hat das Christentum auch Fehler gemacht, aber das war nicht im Sinne Jesu.

Jochen E. /

Es geht um den Islam, nicht um die Menschen. Beim Islam darf man nichts schön machen. Wer das tut, gräbt sein einigendes Grab.
Es mag ja nette Moslems geben. Ok. Aber der Islam ist nicht nett, darum geht es.

Rebecca Schneebeli /

Danke für die vielen Kommentare. Zu den Kritikpunkten:
1. Ich behaupte nicht, dass der Islam an sich keine Gefahr darstellt. Aber ich glaube, dass es auch gemäßigte Muslime gibt und Sabatina James' mehr

margita /

S. James schürt keine Ängste. Unser Land hat sich von Gott entfernt. Aus den Schulen müssen Kreuze raus. Religionsunterricht ist nicht mehr wichtig, die Kinder besuchen Moscheen, die Kirchen werden mehr

Karsten /

Was bei der ganzen Diskussion, die oftmals durch die Brille der Religionsfreiheitgeführt wird, übersehen wird ist die Tatsache, dass es sich beim Islam nicht nur um eine andere Religion, sondern um mehr

Jaques L. /

Nun, da sich Ihr Wissen zum Thema auf einige höfliche Mitschüler und gelegentlichen Dönerkonsum begründet, schenke ich der Autorin des Buches mehr Glauben. Sie stammt aus dem Kulturkreis und weiß mehr

Roesger /

Man sollte sehr vorsichtig sein mit der Verallgemeinerung. Gehen Sie raus, gehen Sie in die Flüchtlingsunterkünfte und suchen Sie Kontakt. Das ist eine große Chance für Muslime und Christen und mehr

bianculi /

Entschuldigung,aber meinen Sie das ernst mit Ihren Erfahrungen mit Moslimen,wenn Sie schreiben das Ihre Mitschüler und Dönerbudenbetreiber freundlich waren?
Geht es um Freundlichkeit? Haben Sie mit mehr

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