/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Wie Gott mit mir, so ich mit dir
Gedanken von Susanne Thyroff zum Bibeltext Matthäus 18,33.
hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?
Es ist doch komisch: Wenn andere Menschen schuldig werden, bemerke ich das sehr schnell. Meine eigene Schuld dagegen erkenne ich manchmal kaum.
Genau darüber spricht Jesus in einer Geschichte, die im Matthäusevangelium steht. Der eifrige Schüler und Wegbegleiter Petrus fragt Jesus:
„Wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist’s genug siebenmal?“ Jesus antwortet: „nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18,21-22 LUT)
Jesus verdeutlicht diese Aussage durch die Geschichte eines Königs, der einem seiner Diener eine riesige Schuld erlässt. Kurz danach trifft dieser Diener einen anderen Diener, der ihm viel weniger schuldet. Von ihm fordert er den vollen Betrag. Das tadelt der König streng und sagt:
„Hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?“ (Matthäus 18,33 LUT)
Psychologische Untersuchungen zeigen: Wir beurteilen die Fehler anderer oft strenger als unsere eigenen. Ich merke: Wenn ich erkenne, wie sehr ich selbst Gottes Vergebung brauche, dann fällt es mir leichter, auch anderen zu vergeben.
Das griechische Wort in Jesu Frage bedeutet: sich erbarmen, Barmherzigkeit erweisen. Natürlich gibt es schweres Unrecht. Vergebung braucht dann oft Zeit und Unterstützung. Sie bedeutet nicht, das Geschehene zu verharmlosen oder sofort wieder Vertrauen zu schenken.
Aber wenn mir die Schuld eines anderen riesig erscheint, hilft mir ein ehrlicher Blick auf mein eigenes Leben: Auch ich bin nicht vollkommen. Auch ich mache Fehler und bin dankbar, dass Gott mir vergibt.
So barmherzig, wie Gott mit mir umgeht, möchte ich auch begegnen.
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