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/ Bibel heute

Von den Vorstehern der Gemeinde

Wolf-Dieter Kretschmer über 1. Timotheus 5,17–25.

Die Ältesten, die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre. Denn die Schrift sagt: »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«; und: »Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert«. Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen.[...]

1. Timotheus 5,17–25

Im vorliegenden Bibelabschnitt geht es um Menschen, die für Leitungsaufgaben innerhalb der christlichen Gemeinde berufen worden sind und deshalb besondere Verantwortung tragen. Der Apostel Paulus gibt seinem Mitarbeiter Timotheus klare Anweisungen mit auf den Weg.

Der Begriff „Ältester“ ist heutzutage weniger geläufig. Stattdessen spricht man beispielsweise häufig von Kirchenvorstand oder Gemeindeleitung. In manchen Kreisen haben die sogenannte Brüderstunde oder der Brüderrat eine vergleichbare Funktion.

Wie auch immer die organisatorische Struktur sein mag, es gibt Gemeindeglieder, die für die Leitung berufen oder gewählt worden sind und damit Verantwortung tragen.

Den Dienst dieser Frauen und Männer gilt es in besonderer Weise anzuerkennen. Das meint Paulus, wenn er von zweifacher Ehre spricht.

Älteste investieren aus freien Stücken Zeit und Kraft. Sie sind bereit, Verantwortung zu tragen. Das setzt sie dem kritischen Blick der Gemeindeglieder und der allgemeinen Öffentlichkeit aus. Wenn Paulus von zweifacher Ehre spricht, geht es ihm aber auch um die Anerkennung der Bereitschaft, der Gemeinde in der Auslegung der Bibel zu dienen.

Häufig haben wir mit unseren Kindern und deren Freunden sonntags am Mittagstisch über den Gottesdienst diskutiert. Da kam es schon mal zu der einen oder anderen kritischen Bemerkung zur Predigt. – Ich verstehe Paulus so, dass die Auseinandersetzung beispielsweise mit einer Predigt in einer bestimmten Haltung geschehen soll: nämlich die der Wertschätzung. Das heißt nicht, dass ich zu allem Ja und Amen sagen muss. Es bedeutet, dass ich mich mit einer Haltung des Respekts und der Anerkennung äußere.

Wenn Paulus schreibt: »Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden«; und: »Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert«, dann zitiert er einerseits alttestamentliche Gesetzesvorgaben (5. Buch Mose 25, Vers 4) und andererseits erinnert er an einen Vorwurf, den Gott durch den Propheten Jeremia hatte aussprechen lassen: »Weh dem, der sein Haus mit Sünden baut und seine Gemächer mit Unrecht, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und gibt ihm seinen Lohn nicht.«  Jeremia 22, Vers 13

Predigen und einer Gemeinschaft von Christen vorstehen, ist Arbeit. Oft genug ist es harte Arbeit. Deshalb ist es meine Verpflichtung als Glied einer Gemeinde, das zu würdigen. Sei es durch meine Haltung, meine Worte oder auch meinen finanziellen Beitrag.

Zwar ist das Ältestenamt in der Regel ehrenamtlich, aber es gibt in der Gemeinde auch Aufgaben, die von Angestellten ausgeführt werden. Hier steht die Gemeinde in der Verantwortung, für ein gutes Auskommen zu sorgen.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Beobachtungen ergänzen. Schon im Alten Testament war bekannt: »Wer sparsam sät, wird wenig ernten« (Sprüche 11, Vers 24). Jesus hat sich in ähnlicher Weise zu diesem Thema geäußert. Im Lukasevangelium 6, Vers 38 heißt es: »Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.«

An dieser Stelle spreche ich etwas Unangenehmes an, das leider – in manchen Gemeinden und Gemeindebünden – üblich gewesen ist und vereinzelt noch immer so gehandhabt wird: Ich spreche von der teils unverantwortlich schlechten Bezahlung von Predigern, Pastoren und anderen Angestellten.

Die Bibel ist an dieser Stelle glasklar. Ich trage Verantwortung, und zwar auch für das materielle Wohl derer, die der Gemeinde dienen; allen voran für jene, die mir die Heilige Schrift erklären oder mir im Glauben weiterhelfen. Wirtschaftliche Ausbeutung, und sei es für eine gute Sache, ist der Bibel fremd.

Aber noch in einem anderen Bereich lässt Paulus keinen Zweifel an der Art, wie Timotheus sich gegenüber Ältesten zu verhalten hat. In den Versen 19 bis 21 lese ich: »Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an ohne zwei oder drei Zeugen. Die da sündigen, die weise zurecht vor allen, damit sich auch die andern fürchten. Ich ermahne dich inständig vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln, dass du dich daran hältst ohne Vorurteil und niemanden begünstigst.«

Ich verstehe das so: Paulus drängt Timotheus dazu, genau hinzuschauen. Nur wenn es mehrere Zeugen gibt, soll Timotheus einem Vorwurf nachgehen. Wenn das der Fall ist, besteht Handlungsbedarf. Dann soll Timotheus entschlossen, öffentlich, ohne eine vorgefertigte Meinung und Ansehen der Person handeln.

Auch an dieser Stelle komme ich auf Unangenehmes zu sprechen. Mich bewegt die Sorge, dass Christen in verantwortlichen Positionen aus falscher Rücksichtnahme an dieser Stelle Schuld auf sich geladen haben. Das zeigen beispielsweise die Fälle von sexuellem Missbrauch, die oft vertuscht oder nur infolge von erheblichem öffentlichem Druck in den Kirchen und Gemeinden aufgearbeitet werden.

Damit ich nicht missverstanden werde: Mir geht es nicht darum, Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen haben, bloßzustellen oder etwa sie oder ihr Lebenswerk zu zerstören. Vielmehr geht es um Buße und das Aufarbeiten von schuldhaftem Verhalten. Und es geht um Vergebung.

Nach diesem ernsten Thema wendet sich Paulus in den Versen 22 und 23 allgemeinen Ratschlägen zu. Er schreibt: »Die Hände lege niemandem zu bald auf; habe nicht teil an fremden Sünden! Halte dich selbst rein! Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist.« Mit anderen Worten: Achte auf dich und deine Gesundheit.

Der Bibelabschnitt endet mit einem wichtigen Hinweis von Paulus. Ich zitiere an dieser Stelle die Neue Genfer Übersetzung: »Bei manchen Menschen liegt es offen zutage, dass sie sündigen; ihre Verfehlungen laufen ihnen gewissermaßen voraus und sind schon vor dem Tag bekannt, an dem Gott Gericht hält. Bei anderen kommen sie erst durch das Gericht ans Licht. Dasselbe trifft auch auf die guten Taten zu: Manche sind schon jetzt für alle sichtbar, und auch die, bei denen es sich anders verhält, können nicht für immer verborgen bleiben.« Verse 24 und 25

Diese Ermahnung von Paulus erinnert mich daran, dass ich mich einmal vor Gott verantworten muss. Dann wird auch das offenbar, was im Verborgenen geschehen ist. Das trifft auf beides zu: meine öffentliche und verborgene Schuld, aber auch das Gute, was ich getan habe. 

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Kommentare (1)

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Rosemarie L. /

Habe wieder wichtige Anstöße bekommen. Danke