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/ Bibel heute

Ein unerwartetes Gespräch

Der Bibeltext Johannes 4,1-14 – ausgelegt von Marion Christa Nickel.

Als nun Jesus erfuhr, dass den Pharisäern zu Ohren gekommen war, dass Jesus mehr zu Jüngern machte und taufte als Johannes – obwohl Jesus nicht selber taufte, sondern seine Jünger –, verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.[...]

Johannes 4,1–14

Jesus zieht sich nach Galiläa zurück

Den Pharisäern ist es nicht verborgen geblieben, dass es nun zwei Täufer am Jordan gibt und dass Jesus im Vergleich zu Johannes immer mehr Jünger um sich sammelt. Da Jesu Stunde noch nicht gekommen ist, vermeidet Jesus die Auseinandersetzung mit den Pharisäern und beschließt, sich nach Galiläa zurückzuziehen.

Dabei wählt er den Weg durch Samarien. Geografisch befindet sich Samarien hauptsächlich im nördlichen Teil des heutigen Westjordanlandes. Die Reise durch die Hügellandschaft Samariens ist beschwerlich. Erschöpft von der Reise setzt sich Jesus an einem Brunnen nieder, dessen Quelle der Stammvater Jakob ausgegraben hat. Dieser Quellbrunnen liegt nahe der Stadt Sychar. Währenddessen gehen seine Jünger zur nahegelegenen Stadt, um Essen zu kaufen.

Die Begegnung am Jakobsbrunnen

Es ist eine besondere Begegnung, als Jesus am Jakobsbrunnen auf eine Frau trifft. Oftmals geschehen unerwartete Begegnungen im Leben, die nicht geplant sind. Kennen Sie das? So ergeht es hier auch der Samariterin. Sie kommt in der Mittagszeit, um Wasser zu schöpfen. Jesus ist nicht nur Retter und Erlöser, sondern auch ein einzigartiger Arzt und Seelsorger. Er sorgt sich um die Nöte, Gesundheit und das Heilsgeschehen seines Volkes, auch darüber hinaus.

Im Johannes-Ev. Kap. 10 offenbart sich Jesus als der gute Hirte, der für sein Volk, die Schafe Israels, gekommen ist, um sie in eine neue Beziehung mit Gott zu bringen. Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte und ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.

Wie ein guter Hirte kümmert sich Jesus um das Wohlergehen der Seinen, die Menschen, die an ihn glauben. Im Vers 16 sagt Jesus: Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich führen. Sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein.

Das bedeutet: Jesus beabsichtigt nicht nur Juden, sondern auch Samariter und Heiden in eine neue Herzensbeziehung mit Gott zu bringen. Es geht um die neue Gemeinschaft in Christus, die christliche Kirche.

Die bewegende Geschichte der Frau aus Samarien zeigt, dass Gott alle Menschen retten will und es auch kann.

Feindseligkeiten zwischen Juden und Samaritern

Jesus begegnet der Frau um die Mittagsstunde. Sie ist in dieser Mittagshitze unterwegs, um ihre Krüge mit Wasser zu füllen. Das ist ungewöhnlich. Die Frauen gehen normalerweise am frühen Morgen miteinander zum Brunnen, um der Tageshitze zu entgehen.

Der Eindruck entsteht, als vermeide sie bewusst den Kontakt zu den anderen Frauen. Jesus ergreift die Initiative und beginnt mit ihr ein Gespräch. Er bittet sie: Gib mir zu trinken!

Die Samariterin ist verwundert. Kein Jude, der etwas auf sich hält, würde eine samaritanische Frau ansprechen. Die Juden verachten die Samariter. Und auch die Samariter zeigen sich den Juden feindlich gesinnt.

Der Grund dafür: Unter der Führung des Königs Salmanassar V. erobert die Großmacht Assyrien ca. 722 v. Chr. das Nordreich Israel. Die meisten Israeliten werden verschleppt. Einen Rest der Bevölkerung jedoch lässt Salmanassar im Land zurück.

Im Austausch werden Menschen aus anderen Ländern in das eroberte Nordreich zwangsumgesiedelt, u. a. aus Persien und Südbabylonien. Diese Strategie der Assyrer soll die Identität der Israeliten auslöschen. Im Laufe der Zeit kommt es zu einer Vermischung mit den Kolonisten. Der fremde Kult hat nichts mit dem wahren Gott Israels zu tun. Auch pilgern die Samariter nicht nach Jerusalem, um den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anzubeten. Ihre Kultstätte ist der Berg Garizim. Daher meiden die Juden die Samariter.

Jesus schenkt der Frau Würde und lebendiges Wasser

In den Augen der Juden haben sie ihre Reinheit vor Gott verloren. Erst als die Frau dort am Brunnen Jesus begegnet, wird Feindschaft überwunden, Gespräch möglich. Jesus spricht die samaritanische Frau an und begegnet ihr bewusst auf Augenhöhe. Jesus zeigt sich ihr als bedürftig, indem er sie um Wasser bittet. Dabei ist Er es, der sie beschenken will. Doch erst seine Bitte macht sie offen für sein Geschenk.

Jesus sieht sie nicht geringschätzig an. Nein, er zeigt zuerst der Frau ihre Würde. In unserer Gesellschaft wird oftmals deutlich unterschieden, ob jemand über oder unter ihm steht oder sich mit ihm auf gleicher Stufe befindet. Jedoch ist jeder Mensch von Gott erschaffen und hat Würde.

Jesus zeigt durch sein Verhalten, dass Christen sich anders als in der Welt üblich benehmen sollen und Mitmenschen respektvoll behandeln.

Die Frau spricht zu ihm: Wie? Du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir, von einer samaritanischen Frau?

Jesus macht der Frau keine Vorhaltungen. Er fragt sie auch nicht, warum sie in der Zeit der größten Tageshitze zum Brunnen geht.

„Er spricht zu ihr: Wenn du wüsstest, was Gott dir geben will und wer dich hier um Wasser bittet, würdest du mich um lebendiges Wasser bitten, welches du wirklich zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben."

Aber Herr, meint da die Frau, du hast doch gar nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das lebendige Wasser hernehmen? Vom Stammvater Jakob weiß sie, aber was soll sie von diesem Fremden halten?

Jesus erwidert: Wer dieses Wasser trinkt, wird wieder durstig werden.

Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird nicht mehr dürsten. Dieses Wasser wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt. In dieses geistliche Geheimnis weiht Jesus die Frau Schritt für Schritt ein. Jesus möchte, dass sie erkennt, dass sie eine geistliche Erneuerung braucht. Dieses Wasser ist ein Synonym für den Heiligen Geist.

Es ist der Heilige Geist, der eine Seele lebendig macht.

Die Samariterin – neugierig geworden – spricht: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürstet und ich hierherkomme, um zu schöpfen. Die Frau beginnt Jesus zu vertrauen und möchte dieses Wasser kosten.

Jesus kennt jeden Menschen, nichts ist Ihm verborgen. Welch eine Quelle des Segens ist es doch, im Glauben auf Jesus zu blicken. Eine Herzensbeziehung mit ihm einzugehen. Jesus ist die Quelle des lebendigen Wassers. In Ihm ist Heilung, Licht, Liebe, Hoffnung.

Diese Geschichte beschreibt die Suche Gottes nach seinen geliebten Menschen, die er erschaffen hat. Es geht Gott nicht um Kirchenzugehörigkeit. Der Mensch muss gefunden werden, er ist verloren. Auch wenn der Mensch sich nicht verloren fühlt, so ändert sich nichts an der Tatsache, dass er ohne Gott verloren ist. Jesus hat sein Leben am Kreuz geopfert, damit Sie und ich durch Ihn das Wasser des Lebens erhalten. Jesus ruft auch heute: Wer da dürstet, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

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