/ Bibel heute
Typisch Jesus: Heilen! Nachgehen! Kümmern!
Der Bibeltext Johannes 9,35-41 – ausgelegt von Burkhard Heine.
Jesus hörte, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete und sprach: Herr, wer ist’s, auf dass ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn ja gesehen, und der mit dir redet, der ist’s.[...]
Mitte der Neunziger Jahre sind meine Frau und ich im mittleren Westen Irlands unterwegs. Dort besuchen wir die Aillwee-Höhle. Der Ausgang ist bereits zu sehen, Tageslicht verströmt Sicherheit und – klack – Tür zu, Licht aus: Dunkelheit. Nein, keine Dunkelheit! Völliges Schwarz. Es ist wirklich nichts zu sehen, gar nichts. Beängstigend! Wir sollen einfach ganz vorsichtig weitergehen, versuchen uns zu erinnern, wo der Weg verläuft, jemand wird die Tür schon finden. Nach einigen Augenblicken gelingt das auch. An diese Situation denke ich beim Lesen der biblischen Geschichte, die uns in den letzten Tagen bei „Bibel heute“ beschäftigt. Völlige Dunkelheit. Blind geboren!
Im Finale dieses biblischen Berichtes geht es jetzt richtig zur Sache. Mir sind dabei vier Dinge aufgefallen: Jesus kümmert sich um Ausgestoßene. Jesus sucht nach ihnen. Jesus stellt die Frage nach dem Glauben – und – Jesus bringt Licht ins Dunkel!
Jesus kümmert sich um Ausgestoßene!
Der heutige Bibelabschnitt fängt damit an: „Es kam vor Jesus, dass sie ihn ausgestoßen hatten.“ Was? Dieser Mensch wird ausgestoßen, weil er die Wahrheit gesagt hat. Hören Sie noch einmal das biblische Original: Johannesevangelium, Kapitel 9, Verse 33+34: Er, der Blindgeborene sagt: „Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? Und sie stießen ihn hinaus.“ Ja, dieser Mensch sagt die Wahrheit und erzählt, warum er sicher ist, dass dieser Mensch von Gott sein muss. Allerdings fühlen sich die Lehrer des Volkes belehrt. Das kommt gar nicht gut an.
Genau wie in unserer Zeit! Ich möchte ganz bewusst kein Beispiel nennen, aber wenn Sie einen Augenblick nachdenken, fällt Ihnen bestimmt etwas ein, wo Sie sagen: Es müsste einfach mal jemand die Wahrheit sagen. Die Wahrheit Gottes ist auch in unserer Zeit nicht gefragt; die Wahrheit, dass Jesus Christus sich am Kreuz geopfert hat für uns Menschen, und die Sündenschuld für uns weggeschleppt hat, diese Wahrheit wollen viele nicht hören. Wenn Menschen diese Wahrheit sagen, erleben sie Konfrontation und werden ausgestoßen, mindestens gemieden. Auch wenn dies in unserem Land noch nicht so deutlich ist, in anderen Regionen erleben Christen wegen dieser Wahrheit schlimmste Anfeindungen.
Mir gibt es immer wieder neuen Mut, dass ich weiß: Jesus kümmert sich persönlich um Ausgestoßene.
Jesus sucht nach ihnen!
Fast geht dieser kleine Hinweis unter: „Und als er ihn fand,“ lese ich inmitten des Verses 35. Wenn ich jemanden finde, dann habe ich vorher nach der Person gesucht. Mit der Heilung ist die Sache für Jesus nicht erledigt. Jesus sucht nach ihnen. Er kennt die Situation nur zu gut: Ablehnung! Verzweiflung! Unglaube! Jesus kennt diese Sachen, weil er sie selbst erlebt hat. Als Teil der Dreieinigkeit Gottes kennt er aber auch das Große und Ganze. Dazu lese ich einen wichtigen Hinweis im Brief des Paulus an die Epheser, Kapitel 6, Vers 12: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“
Jesus kennt den Kampf, den Menschen führen, egal ob mir das bewusst ist, gegen wen ich anzutreten habe, oder nicht. Darum macht Jesus sich höchstpersönlich auf die Suche. Er schaut nicht unbeteiligt zu, wartet mal ab, wie die Sache für mich ausgeht. Er sucht nach mir. Heute, hier und jetzt.
Jesus stellt die Frage nach dem Glauben!
Das führt mich zum dritten Punkt – Jesus stellt die Frage nach dem Glauben. „Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete und sprach: Herr, wer ist’s?, dass ich an ihn glaube.“
Glauben Sie an den Menschensohn? Glauben Sie an Jesus Christus? Nicht ich frage das, sondern Jesus selbst stellt diese Frage: heute, hier und jetzt. Er stellt nicht die Frage: „Hast du einen riesengroßen Glauben an den Menschensohn?“, oder „Warum fragst du noch? Du hast mich doch erlebt!“. Jesus fragt nach Ihrem Glauben an ihn. Was können Sie tun, wenn Sie unsicher sind? Nachfragen. Sie dürfen Jesus fragen: „Herr, wer bist du, dass ich an dich glaube?“ Absolut erlaubt.
Selbst wenn ein langes Christenleben hinter Ihnen liegt, kann Zweifel hochlodern. Keine Sorge! Fragen Sie zurück. Jesus gibt sich zu erkennen, erklärt Ihnen das noch einmal, Jesus kümmert sich, Jesus sucht Sie – Er ist da!
Jesus bringt Licht ins Dunkel!
Ein Fernsehsender warb mit dem Slogan: „Mit dem Zweiten sieht man besser.“ „Mit Jesus Christus sieht man weiter.“ Setze ich dagegen. Im heutigen Bibeltext ist die Aussage Jesu klar und deutlich: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit, die nicht sehen, sehend werden, und die sehen, blind werden.“
Diesen Teil kann ich nicht auslassen. Ich habe es schon erwähnt – im Finale dieses biblischen Berichtes geht es richtig zur Sache. Die Sache mit dem Gericht! Auf den ersten Blick sehr erschreckend, auf den zweiten Blick auch. Was meint Jesus mit der Aussage, dass er zum Gericht in diese Welt gekommen ist?
Entweder ich lasse es zu, dass Jesus Christus sich um mich kümmert, oder ich lasse es nicht zu. Entweder lasse ich es zu, dass Jesus Christus nach mir sucht, oder ich will von ihm nicht gefunden werden. Entweder beantworte ich die Frage, ob ich an Jesus Christus glaube, mit Ja, oder ich verneine das für mich. Das ist das Gericht. Sollte jemand denken, dass jetzt etwas zum Gerichtsurteil kommt, muss ich sie enttäuschen. Ich bin kein Richter. Ich bleibe beim heutigen Bibeltext: „ICH bin zum Gericht in diese Welt gekommen.“ Betonung liegt auf „ICH“ – Jesus Christus.
Als Mensch habe ich so meine Probleme mit dem Entweder und dem Oder. Betrachte ich den heutigen Bibeltext nur vom Schluss her, dann wächst gerne und schnell Widerspruch. Dann vergesse ich, was die Botschaft Jesu ist: Heilen, Kümmern, Suchen und Dialog.
Erst das wärmende Licht Jesu Christi bringt Licht in das Dunkle meines Lebens, so wie es ist, als die Tür zur Höhle wieder aufgeht und ich sicher weitergehen kann!
Jesus heilt meine Sehfehler, Jesus sorgt sich um meine Seele, Jesus ermutigt mich zum Glauben und Jesus bringt Licht in meine dunklen Ecken – wenn das so ist – und ich darf bezeugen – ja, das macht Jesus für mich, dann bleibt für mich nur ein Fazit: Dieser Jesus muss Sie und mich wirklich lieben!
© Ruth Schneider / ERF
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