/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Not lehrt beten
Gedanken von Markus Baum zu Psalm 77,3.
In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; / meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.
Not lehrt beten, behauptet ein Sprichwort. Und das ist sicher nicht ganz verkehrt. Wer in der Klemme steckt, der oder die bemüht sich um Hilfe. Hilfe von Menschen – oder auch von ganz oben. Gut dran ist, wer schon als Kind oder junger Mensch mitbekommen hat, dass auf Gott Verlass ist – und dass er auf Notrufe reagiert.
Not lehrt beten, es gibt freilich auch viele Beispiele fürs Gegenteil: dafür, dass das vorhandene Gottvertrauen bröckelt oder sich ganz verfüchtigt. Und das hängt dann oft zusammen mit einer typisch menschlichen Eigenschaft: Ungeduld. Und mit einer typischen Eigenschaft Gottes: Gott ist souverän. Wenn wir das Gefühl haben: Gott müsste jetzt aber doch ganz dringend eingreifen – dann kann es sein, dass er sich trotzdem Zeit lässt. Und das können manche nicht aushalten. Als ob Gott gewissermaßen auf Knopfdruck funktionieren müsste.
Not lehrt beten. Anhaltende Not lehrt ausdauernd beten. Im Liederbuch Israels ist ein Text überliefert, der handelt genau davon. Psalm 77 - Was steht dort: „Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe… - In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen.“
Der Psalmist fragt sich: Hat Gott sich geändert? Ist er auf einmal nicht mehr gnädig? Warum lässt er mich zappeln? Warum greift er nicht ein? – Keinen Augenblick zweifelt der Psalmist daran, dass Gott ihn hört und ihm prinzipiell helfen kann. Und so bestürmt er Gott weiter, lässt nicht locker. Das merke ich mir, das finde ich vorbildlich: dieses Gottvertrauen, diese Ausdauer. Und das will ich nicht erst einüben, wenn ich selbst in eine Krise gerate.
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Guten Morgen,
ich habe hier noch nie was geschrieben und höre es doch täglich an. Heute passt es wieder einmal ganz genau für mich. Einer meiner Enkel (16) sind schon länger krank. Bisher kam bei … mehrkeiner Untersuchung raus woran es liegt. Jetzt ist er in einem anderen Krankenhaus. Andere Ärzte und ich bete ,bete und bete. Ich weiß das Gott die Ursache kennt und mir geht es wie der Psalmist schreibt.
Ich werde mich beruhigen und weiter beten.
Danke für das Wort von heute.
LG Johanna
Es ist leider so, dass wir uns oft immer erst an Gott erinnern, wenn wir in der Klemme sind. Wenn es uns gut geht, denken wir, ihn nicht zu brauchen. Wenn es uns schlecht geht, wenden wir uns wieder an ihn. Wenn er uns hilft: bleiben wir ihm treu oder vergessen wir ihn wieder????