/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Heilig sein - zu groß für mich?
Gedanken von Ellen Hörder-Knop zum Bibeltext 3. Mose 19,2
Rede mit der ganzen Gemeinde der Israeliten und sprich zu ihnen: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.
Das Rezept klingt gut. Aber: Zwölf Zutaten, lange Vorbereitung, vier Stunden Garzeit. Ich klappe das Buch zu. Nichts für mich. Zu aufwendig.
Manchmal fühlt sich mein Leben genauso an. Zu viele Anforderungen und ich denke nur: falsche Adresse.
In der Bibel, im dritten Buch Mose, Kapitel 19, Vers 2 lese ich: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“
Heilig? Ich will schon wieder zuklappen. Doch ich lese weiter. Der Vers steht mitten in einer Sammlung ganz konkreter Lebensregeln. Kein unerreichbares Ideal, sondern eine Wegweisung Gottes für sein Volk Israel, das er gerade aus der Sklaverei befreit hat. Gott sagt nicht: „Schafft das mal." Er sagt: „Ihr gehört zu mir."
Und genau da bleibe ich hängen: „euer Gott“. Nicht fern und unnahbar, sondern einer, der sich bindet. Einer, der sagt: Ich bin bei euch - bei dir. Plötzlich klingt „heilig sein“ ganz anders. Nicht wie ein Rezept, das ich perfekt hinbekommen muss, sondern wie eine Einladung in seine Nähe.
Aus dieser Beziehung wächst ein Leben, in dem etwas von Gottes Wesen durchschmeckt: ein Hauch Geduld, wo ich sonst scharf reagiere. Eine Prise Gnade, wo ich hart urteile. Ein neuer Ton in meinen Worten. Nicht perfekt, aber verändert.
Vielleicht beginnt „heilig sein“ also gar nicht so groß. Vielleicht beginnt es genau hier - mitten in meinem Alltag.
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