/ Bibel heute
Hörer und Täter des Wortes
Reinhart Henseling über Jakobus 1,19-27.

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Jakobus 1
Ihr sollt wissen, meine Lieben: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. [...] (Jak 1,19-27; LUT)
bibleserver.comKennen Sie das auch? Da wird in der Gemeinde übereinander und nicht miteinander geredet - getratscht. Dauerredner verbreiten ätzende Langeweile und töten jede Diskussion. Und die Besserwisser labern dir das Ohr ab und gehen dir tierisch auf den Nerv. Das Schlimme ist - das bin ich selbst: der Christ, der tratscht, andere durch den Kakao zieht, sie klein macht, sich selbst zu wichtig nimmt… und viel zu viel dummes Zeug quatscht!
Der humoristische Dichter Wilhelm Busch sagt es in seiner drastischen Sprache so:
„Gott gab uns einen Mund, weil zwei Mäuler ungesund, denn mit einem Maule schon schwätzt zuviel der Erdensohn – wenn er doppelmäulig wär‘, fräß´ und lög´ er noch viel mehr!“
Es ist tragisch, dass er Recht hat! Die Warnung des Jakobus passt genau – leider auch auf mich! Ich will lernen: Mundhalten und erst einmal Zuhören!
Man braucht zwei Jahre um sprechen zu lernen …
… und fünfzig, um schweigen zu lernen. So sagt es der Volksmund. Als Pastor bin ich Redner, und werde fürs öffentliche Reden sogar noch bezahlt. Nach vielen Lebens- und Dienstjahrzehnten habe ich gelernt: Mundhalten ist für mich dann angeraten, wenn ich nicht ausdrücklich zum Reden aufgefordert werde. Auf jeden Fall kommt vor dem Reden immer das Hören - bewusstes aufmerksames Zuhören, welches auch zugleich mit einer Hinwendung zum Redenden verbunden ist. Ich möchte verstehen, was mein Gegenüber sagt, und ihm signalisieren: „Du, ich bin ganz bei dir, … bin ganz Ohr.“ Das bewahrt vor manchem Missverständnis, hilft beim Begreifen und Verarbeiten des Gehörten und hilft mir beim Ratgeben, wenn dieses gewünscht wird.
Rede, denn dein Diener hört!
Ein großartiger Satz von dem jungen Samuel, dem späteren Propheten. Genau das möchte ich lernen, meinem Gott aktiv zuzuhören! Ich will Jesus nicht mit meinen 1.000 Bitten zutexten, sondern ich wünsche mir hörfähiger zu werden, ich möchte IHM vertrauensvoll zuhören. Was ER mir zu sagen hat, ist für mich heilsnotwendig und lebenswichtig, zeigt mir, wie und wer ich wirklich bin, und was Jesus Gutes für mich getan hat und neu plant. Erst hören - dann vielleicht reden, aber auf jeden Fall nach Gottes Wort leben!
Schlecht hören – kannst du gut…
… wurde mir in meiner Jugend häufig unterstellt, hauptsächlich von meinen Eltern, die später auch meine offiziellen Ausbilder waren. Sie hatten Recht! Natürlich hatte ich akustisch gehört, was sie mir gesagt hatten, aber ich tat so, als ob ich das Gesagte nicht gehört hätte, weil ich das nicht tun wollte, was ich verstanden hatte.
Leider ertappe ich mich bis heute immer wieder bei dieser selbst gewählten punktuellen Schwerhörigkeit - ausgerechnet, wenn es um Gottes Reden geht, um das Tun seines Willens. Ich wünsche mir, empfangsbereit zu sein für alles, was Gott mir sagen will. Und ich möchte lernen, das Gute – aus Liebe(!) – zu tun für meinen Gott und für meinen Nächsten. Genau immer dann, wenn Gott mir das sagt! Hören – gehorchen – tun!
Halt, mein Freund, wer wird denn gleich an die Decke gehen…
… greife lieber zur „HB“, dann geht alles wie von selbst! So wurde vor einigen Jahrzehnten mit einem superdummen Spruch für eine Zigarettenmarke geworben. Als damaliger Raucher griff ich tatsächlich in Stresssituationen immer zu meiner Lieblingsmarke. Angeblich sollte mich der Nikotingenuss beruhigen und mich wieder auf den Teppich herunterholen.
„Darauf müssen wir erst mal einen heben!“, hieß es immer dann, wenn irgendetwas nicht nach Plan lief. Heute will ich weder zur Zigarette noch zum Schnaps greifen, wenn ich gestresst bin und zornig werde, oder mich die Wut packt.
Als Christ habe ich gelernt, auch mit meinen negativen Emotionen gezügelt umzugehen - ohne an die Decke zu gehen oder vor Wut zu platzen. Ich möchte den Rat des Paulus ernst nehmen: „Versündigt euch nicht, wenn ihr zornig werdet!“ (Epheser 4, 26) Das bedeutet praktisch: Erst genau hinhören, darüber nachdenken… und dann mit Jesu Hilfe in Ruhe planvoll weitermachen - ohne auszurasten!
Spieglein, Spieglein an der Wand…
Der berühmte Satz der bitterbösen Königin aus dem Märchen „Schneewittchen“ funktioniert bei mir nicht. Mein Spiegel redet nicht mit mir, deshalb hat er mir auch noch nie gesagt, dass ich der Schönste im Land bin. Naja, damit kann ich gut leben. Aber klar ist, dass ich jeden Morgen beim Blick in den Spiegel wahrnehme, was ich noch zu tun habe. Meistens zeigt er mir nur, dass ich noch mit der Bürste die wenigen Haare glattstreichen muss, da alles andere irgendwie automatisch schon gelaufen ist.
Aber wenn Gott mir seinen Spiegel vorhält, dann erkenne ich eine Menge Dinge, die ich falsch gemacht habe. Sünde, von der ich mich wieder reinlegen ließ. Nicht gehört - und nicht gehorcht! Genau gewusst - und nicht getan! Unbeherrscht und ungezügelt - alles das bin ich auch! Gott sei Dank nimmt Jesus meine Bitte um Vergebung an, hilft mir bei den Klärungen – und vergibt mir restlos!
Wer nicht hören will – muss fühlen!
Diese alte Spruchweisheit will sagen, wer sich nicht warnen lässt, der macht seine eigenen negativen Erfahrungen. Eindrücklich formuliert Jakobus: Wenn du nicht tust, was Gott dir sagt, dann musst du die Folgen tragen. Wenn du dich nicht beherrschst und nicht bereit bist, dich von Gottes Wort korrigieren zu lassen, dann ist dein ganzes frommes Getue Unsinn. In deinem Ungehorsam betrügst du dich selbst. Du bildest dir ein, Gott einen Dienst zu erweisen, dabei bist du noch nicht einmal bereit, dich seiner verändernden Liebeskraft auszusetzen und neue christliche Verhaltensweisen einzuüben.
Wie mach‘ ich‘s richtig, Herr?
Jakobus sagt: Beispielhaft als Christ leben! Daraus folgt mein uneigennütziges, soziales Engagement. Ich möchte die erlebte Liebe Jesu mit anderen teilen! Es geht nicht nur um „Witwen und Waisen“, sondern darum, denen aktiv zu helfen, die am Rande der Gesellschaft sind und dringend Hilfe benötigen. Dabei kommt zuerst das ehrliche engagierte Zuhören, dann das betende Nachdenken, und dann begreife ich schon, was Gott mir sagen will, und das bedeutet immer: in aufrichtiger Liebe dem zu dienen, den Gott mir gerade über den Weg schickt! Was heißt das für sie und mich heute?
© Ruth Schneider / ERF
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