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/ Bibel heute

Höre ich Gott zu?

Der Bibeltext Johannes 5,24-30 – ausgelegt von Christa Geiß.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben. Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber;[...]

Johannes 5,24–30

Wahrlich, wahrlich – Wenn Jesus etwas besonders Wichtiges sagt

Haben Sie die Worte noch im Ohr? „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch …“ und kurz darauf noch einmal: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch …“

Jesus beginnt seine Aussagen oft mit diesen Worten, wenn er etwas besonders Wichtiges zu sagen hat. „Amen, amen, so ist es“, so lauten sie in anderen Bibelübersetzungen. Was ist Jesus so wichtig? Und warum?

Er befindet sich in der Auseinandersetzung mit den jüdischen Behörden. Die machen ihm die Heilung eines Kranken am Sabbat zum Vorwurf und wollen nicht anerkennen, dass Jesus sich als Sohn Gottes bezeichnet. In dieser Diskussion spricht Jesus Sätze, die sich in der Übersetzung der Basisbibel so anhören:

„Amen, amen, das sage ich euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich beauftragt hat, hat das ewige Leben. Er kommt nicht mehr vor Gottes Gericht. Sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.

Amen, amen, das sage ich euch: Die Stunde kommt, ja, sie bricht schon an: Da werden die Toten den Ruf des Gottessohnes hören. Und diejenigen, die ihn hören, werden leben!“ (Vers 24 und 25)
 

Hören, Glauben, Leben – Der Schlüssel zum ewigen Leben

Das sind Aussagen, die ich wegen ihrer großen Dichte und umfassenden Bedeutung am liebsten gar nicht auslegen, sondern einfach so stehen lassen würde. Ich habe sie wieder und wieder gelesen, leise und laut, um zu hören, wie sie klingen, was sie in mir auslösen.

Ob Sie sich einen Moment Zeit nehmen, diese Worte selbst laut zu lesen, um zu hören, wie sie in Ihnen klingen? –

Nun also doch einige Gedanken dazu:

Höre, Israel! Höre des Herrn Wort!“ So oder ähnlich lese ich es an vielen Stellen im Alten Testament. Und auch im Neuen Testament fordert Jesus immer wieder zum Hören auf. „Wer Ohren hat zu hören, der höre“ (Matthäus 13,9), zum Beispiel. Oder: „Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.“ (Lukas 11,28), oder als die Jünger Jesu Herrlichkeit sehen, sagt Gott über Jesus: „Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören.“ (Matthäus 17,5)

Zwischenmenschliche Beziehungen gelingen und bleiben lebendig, wenn ich gelernt habe, hinzuhören. Und auch die Beziehung zu Gott bleibt lebendig, wenn ich seine Worte immer wieder höre, sie meditiere, in mich aufnehme.

Das Hören auf die Worte von Jesus hat zur Folge, dass ich an Gott, den Vater, glaube, dass ich mich ihm anvertraue. Wer in diesem beständigen Hören und bleibendem Vertrauen lebt, bei dem ereignet sich ewiges Leben, schon hier und jetzt.

Ewiges Leben – das beginnt nicht erst nach dem physischen Tod, sondern ist Leben in Beziehung zu und mit Jesus, und durch ihn zu Gott, seinem Vater.

Tod wird in der Bibel nicht nur physisch verstanden, sondern auch als Beziehungslosigkeit, als Trennung von Gott. Wer die Verbindung zu Gott, dem Schöpfer und Erhalter allen Lebens verloren hat, ist innerlich tot, obwohl er äußerlich quicklebendig ist. Wer aber dem Wort von Jesus glaubt und so wieder in Kontakt zu Gott kommt, der ist „vom Tod ins Leben hinübergewechselt“, so der biblische Text.

Und noch einmal höre ich die Worte:
„Amen, amen, das sage ich euch: Die Stunde kommt, ja, sie bricht schon an: Da werden die Toten den Ruf des Gottessohnes hören. Und diejenigen, die ihn hören, werden leben!“ (Vers 25)

Gegenwart und Zukunft vermischen sich. Das Kommen der Stunde wird nicht nur irgendwann sein, sondern findet auch in dem Moment statt, in dem Jesus spricht und Menschen auf ihn hören.

Jesus hat die Macht, Tote zum Leben zu erwecken. Er lässt lebendig werden, was abgestorben scheint. Er ist vom Tod auferstanden. Er selbst ist das Leben. Als Sohn Gottes hat er Schöpferkraft in sich. Deshalb können Tote sein Rufen hören, können leben, können in Beziehung zu Gott treten.
 

Die Toten in den Gräbern werden hören – Staunen an den Grenzen des Denkens

In den Versen 28–30 erweitert Jesus diese Aussagen auch auf die bereits Verstorbenen und weist somit auf das Ende aller Zeiten hin:
„Wundert euch nicht darüber: Es kommt die Stunde, in der alle Toten in ihren Gräbern seinen Ruf hören und herauskommen werden. Diejenigen, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das Leben zu empfangen. Diejenigen aber, die Böses getan haben, werden auferstehen, um verurteilt zu werden.“ (Verse 28 und 29)

Wieder halte ich inne und komme an die Grenzen meines Denkens und meiner Vorstellungskraft.

„…alle Toten in den Gräbern werden hören!“

Dass Menschen, die keine Beziehung mehr zu Gott haben, doch irgendwann noch seinen Ruf hören, scheint noch im Bereich des Möglichen zu liegen. Aber die Toten in den Gräbern?! Jesus sagt: „Wundert euch nicht darüber!“ – ich muss mich trotzdem wundern und werde erinnert an Worte, die Manfred Siebald gesungen hat: „Das wird ein Staunen geben, ein Köpfeverdrehn, wenn wir nach diesem Leben vor Jesus stehn.“
 

Das Gericht Jesu – Gerecht aus der Beziehung zu Gott

Und dann kommt das Ende. Jesus wird Gericht halten. Gerichtsworte sind nicht angenehm. Sie gehen nicht „runter wie Öl“, sind keine Wohlfühlworte. Sie fordern heraus. Und auch ich reibe mich an ihnen, muss mich damit auseinandersetzen.

Habe ich Gutes getan? Das Gute, das Jesus wollte? Das Gute, das anderen und mir nützlich ist? Habe ich Gottes Worte gehört, ihnen geglaubt und vertraut?

Und was ist mit den anderen? Mit denen, die meiner Ansicht nach Böses getan haben? Die Machtgierigen, die Gewalttäter, die Unterdrücker, die Kriegstreiber? Wie gut, dass ich dieses Urteil nicht zu sprechen habe. Das überlasse ich gerne Jesus. Wenn er Gericht hält, kommt alles ans Licht, wird alles offen „auf dem Tisch liegen“. Und er wird nicht nur Recht sprechen, sondern auch für Gerechtigkeit sorgen.

„Ich kann nichts von mir aus tun: Ich urteile so, wie ich es höre. Und mein Urteil ist gerecht. Denn ich folge nicht meinem eigenen Willen. Sondern ich folge dem Willen dessen, der mich beauftragt hat.“ (Vers 30, Basisbibel)

Jesus spricht und agiert nicht eigenmächtig, nicht aus sich selbst heraus, sondern aus der hörenden Beziehung zu Gott, seinem Vater.

Wie ein roter Faden zieht sich das Hören auf Gott und Jesus durch den heutigen Bibeltext. Hören, Glauben, Vertrauen, in Beziehung kommen und darin bleiben – das ist Leben, ewiges Leben. Hier und jetzt, am Ende der Zeiten, und für immer.

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Kommentare (2)

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Arthur Peter W. /

Liebe Frau Geiß, vielen Dank für die zentrale, tiefgehende und berührende Auslegung. Ich wünsche Ihnen weiter Gottes Segen und gute Gedanken.
Viele Grüße,
Arthur Peter W.

Peter W. /

Spricht Jesus hier nicht von zwei unterschiedlichen Gruppen? Wer hier seinem Wort glaubt, „ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Joh.5,24) und kommt nicht erst ins Grab, sondern wird „heute… mit mehr