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Hiobs Bewährung (3)

Hartmut Stropahl über Hiob 2,1–13.

Vorschaubild: Hiob 2

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Hiob 2

Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, dass auch der Satan mit ihnen kam und vor den HERRN trat. [...] (Hi 2,1-13; LUT)

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Es verschlägt mir jedes Mal die Sprache, wenn ich höre, was Hiob durchgemacht hat. Was soll ich dazu sagen? Martin Luther schrieb: "Wer den Hiob soll auslegen, der muss in dem Spital krank gelegen sein, darin Hiob selbsten ist, und zum Teil die hohe hiobitische Erfahrung geschmeckt ha­ben."

Ich stand in den letzten Jahren mehrmals am Rande des Todes und bin gerade selbst schwer an Krebs erkrankt. Wir erlebten in unserer Familie eine Häufung schwerer Krankheiten und tragischer Todesfälle. Aber ich musste so etwas wie Hiob nicht im Entferntesten durchmachen. In meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in unserem stationären Hospiz höre ich zwar öfters von harten Schicksalsschlägen. Unter Tränen klagte eine Frau: „Warum muss ich nach allem, was ich schon in meinem Leben erlitten habe, jetzt so krank sein und in Kürze sterben?“

Ich finde darauf keine Antwort.

Die Frage, warum Menschen leiden müssen, gehört zu den bedrängendsten Menschheitsfragen.

Was Hiob aber erlebt, stellt alles in den Schatten. Dabei ahnt er überhaupt nicht, was sich hinter den Kulissen seines Lebens abspielt. Wir bekommen wieder einen Einblick in den Thronsaal Gottes. Der ganze Hofstaat ist versammelt. Da sind Engel, die als „Söhne Gottes“ bezeichnet werden. Sie sind uns Menschen an Macht und Intelligenz himmelweit überlegen. Was ich nicht begreife: Unter ihnen ist Satan zu finden. Sein hebräischer Name bedeutet „Widersacher“. Er ist kein ebenbürtiger Gegenspieler Gottes. Satan ringt mit Gott nicht um die Macht, sondern steht im riesigen Abstand unter Gott. Und trotzdem spricht Gott mit ihm. Wenn er fragt: „Von woher kommst du?“, zieht Gott Satan zur Rechenschaft. Gott zeigt, wer hier das Sagen hat. Satan antwortet: „Ich habe wieder die Erde durchstreift.“ Daraufhin lenkt Gott erneut den Blick auf seinen Knecht Hiob. Ihm stellt er sein höchstes Lob aus: „Ich kenne keinen Zweiten auf der Erde, der so rechtschaffen und aufrichtig ist wie er, der mich achtet und sich nichts zuschulden kommen lässt. Immer noch vertraut er mir, obwohl du mich dazu verleitet hast, ihn ohne Grund ins Unglück zu stürzen.“

Satan ist nicht auf den Mund gefallen. Er verstärkt seine Forderung. Seine These lautet: Wenn das Leid Hiob persönlich trifft, nicht nur seinen Besitz, wird er sich von Gott abwenden. Wieder begreife ich nicht, was dann passiert: Gott erlaubt Satan noch einmal etwas. Satan darf Hiob mit bösen Geschwüren am ganzen Körper schlagen. Kurz darauf sitzt Hiob in der Asche auf einem Müllplatz. Seine furchtbare Hautkrankheit hat ihn total isoliert. Kein Mensch kann mit ansehen, wie entstellt er ist. Jedermann meidet ihn aus Angst vor Ansteckung. Seine Ehefrau ist die einzige, die noch Kontakt zu ihm hat. Aber sie verschlimmert sein Leid, wenn sie ihn auffordert: „Schwör Gott ab. Deine Frömmigkeit bringt ja doch nichts. Verfluch lieber Gott und nimm dir einen Strick!“ Was ist das für ein Rat! Hiob soll seinen Glauben wie Ballast über Bord werfen und sich selbst umbringen.

Was Hiob seiner Frau antwortet, beeindruckt mich zutiefst: „Was du sagst, ist gottlos und dumm!

Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?“

Ich frage mich: Könnte ich diesen Satz auch aussprechen? Bin ich auch bereit, alles, aber auch alles aus Gottes Hand zu nehmen? Und Sie? – Was jetzt passiert, beeindruckt mich: Hiob bekommt von Gott die Bestätigung, immer noch kein sündiges Wort gegen ihn auszusprechen.

Wie geht es weiter? Wir erfahren eine Neuigkeit: Hiob hat Freunde. Was für ein Geschenk! Ich erlebe es immer im Hospiz, dass Menschen ganz allein sind. Einer war über ein halbes Jahr bei uns und hatte nur einen gerichtlich bestellten Betreuer. Der besuchte ihn selten und nur kurz, meistens um Geld für Zigaretten abzugeben. Hiob dagegen hat gute Freunde. Die hören von seinem Leid. Und kommen. Heute erlebt mancher Kranke, dass sich Menschen abwenden, zurückziehen, vor einem Besuch im Hospiz zurückschrecken. Krankenbesuche gehören aber zu den Liebesdiensten, die Jesus, der Sohn Gottes, erwartet und die er lobt: „... Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht...“ (Mt 25,36). Hiobs Freunde sind sich einig: Wir wollen kommen, ihn beklagen und trösten. Hätten sie auf das Klagen auch verzichten können? Nein. Für Orientalen gibt es keinen Trost ohne Klage.

Dann sehen sie ihren Freund und sind von seinem Anblick zutiefst erschüttert. Sie zeigen ihren Schmerz. Darf man das? Soll man das? Ich bin ein Mann und habe gelernt: „Ein deutscher Junge weint nicht!“ Heute muss ich mir öfters eine Träne aus dem Auge wischen.

Gemeinsames Schweigen im Leid

Hiobs Freunde machen mehr: Sie setzen sich zu ihm auf den Boden und schweigen sieben Tage und Nächte. Ist das ein Liebesdienst? Oh ja! Dass sie sich setzen. Jetzt sind sie auf Augenhöhe, behandeln ihn nicht von oben herab. Aber warum schweigen sie? Zeigen sie damit, dass sie allem nicht gewachsen sind?

Ich war blutjunger Prediger und wurde zu einer Frau gerufen. Ihr Mann lag nach einer Gehirn-OP im Koma. Sie hatte drei kleine, noch nicht schulpflichtige Kinder und hoffte, dass ihr Mann aus dem Koma erwachen und wieder ganz gesund werden würde. Freunde hatten ihr als prophetische Botschaft gesagt: „Dein Mann wird wieder gesund!“ Er wurde aber nicht gesund, sondern wachte nicht wieder auf. Die Frau war untröstlich. Wenige Jahre später kamen ihre beiden Söhne bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ich habe stundenlang bei der Frau gesessen und getan, was mir bis heute unsagbar schwerfällt: geschwiegen. Leidende erleben manchmal anderes: dass Menschen häufig auch mit Bibelworten Erklärungen und Ratschläge geben. Wir müssen aber vorsichtig damit sein. Wir sind keine Geheimräte Gottes. Menschen im Leid brauchen keine klugen Sprüche. Zeitlose Wahrheiten helfen nicht weiter und wirken oft unbarmherzig. Wir können uns bemühen, Beistand zu geben, ein Stück des Leidens­weges mitzugehen. Und wir können still beten um rechtes Schweigen und rechtes Reden.

Füreinander da sein im Leid

Vielleicht fällt Ihnen jemand aus Ihrem Umfeld ein, der heute einsam ist, trauert oder leidet. Es kostet vielleicht Überwindung, für ihn einfach da zu sein. Wir können keinen wichtigeren Dienst tun!

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