/ Bibel heute
Furchtloser Zeuge Gottes
Der Bibeltext Amos 7,10-17 – ausgelegt von Andreas Reinhardt.
Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen. Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden. Und Amazja sprach zu Amos: Du Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst.[...]
Amos und die Zustände im Nordreich Israel
Der Prophet Amos hat kein leichtes Leben. Er sucht die Nähe zu Gott. Von ihm hört Amos die warnenden Botschaften, die er an die Israeliten weiterzugeben hat. Deshalb sucht er auch die Nähe zu den Menschen, denn er weiß, was er ihnen zu sagen hat, bewahrt sie vor großem Unheil. Nur leider hört kaum einer auf ihn. Zudem ist Amos dem Widerstand der politischen und geistlichen Herrscher Israels ausgesetzt. Als Prophet hat Amos wirklich kein leichtes Leben.
König Jerobeam II. ist der Herrscher des damaligen Nordreiches Israel. Niemand regiert so lange dieses Land wie er, nämlich 41 Jahre. Zudem bringt er der Nation Wohlstand und befreit sie vor ihren Feinden. Es gelingt Jerobeam sogar, Städte im Norden, die von den Syrern erobert worden waren, wieder zurückzugewinnen. Unter seiner Herrschaft hat Israel ähnliche Ausmaße wie damals in den Tagen Salomos. Aber dieser Ruhm und der äußerliche Wohlstand im Land sind nur die eine Seite von Jerobeams Königtum. Die andere Seite zeigt einen dramatischen geistlichen Verfall im Land. Der König selbst lebt gottlos und fördert die Ausbeutung der armen Bevölkerung durch die Reichen. So werden die Reichen immer reicher und die Armen ärmer. Die eingesetzten Richter sind bestechlich und sprechen Urteile zugunsten der Wohlhabenden. Auch der Götzendienst mit dem Zentrum in der Stadt Bethel erreicht einen traurigen Höhepunkt und führt zum Niedergang. Als der Prophet Amos dies alles anprangert und vor dem göttlichen Gericht warnt, bleibt dies König Jerobeam nicht verborgen. Aber er lässt sich nicht warnen. Seine eigenen Priester und Propheten versprechen der Nation eine goldene Zukunft. Nur 31 Jahre nach dem Tod Jerobeams wird Israel von den Assyrern aus dem Norden erobert. Die Bevölkerung wird zum großen Teil verschleppt und andere Volksgruppen dort angesiedelt. Gott lässt seinen Worten Taten folgen, weil Jerobeam und die nachfolgenden Könige Israels ihren eigenen Propheten und ihren Götzenpriestern mehr glauben als den Propheten Gottes.
Amos in Bethel – Konfrontation mit Amazja
Der führende Priester in dieser Zeit heißt Amazja. Er wohnt beim Hauptheiligtum in Bethel, auch der König betet dort die Götzenstatuen an. Dorthin wird Amos geschickt, um zu verkündigen, dass dieses Heiligtum zerstört und König Jerobeam getötet wird. Wirklich kein leichter Auftrag für den Propheten Gottes, doch er gehorcht. Damit greift er nicht nur die Art und Weise der Königsherrschaft an, sondern auch die Religion in Israel. Als Amazja den Propheten reden hört, ist er entrüstet. Er spricht beim König vor und bezeichnet Amos als einen ketzerischen Träumer, einen Verschwörer, der das Volk verunsichert. Der Priester will an der traditionellen Frömmigkeit festhalten, die letztlich nur Fassade ist und keine Veränderung zulässt. Der Prophet Amos aber ruft zu echter Umkehr auf. Dadurch bekommen die Menschen die Möglichkeit eines Neuanfangs in der Beziehung zu Gott. Sie bleiben vor dem göttlichen Gericht bewahrt. Die Israeliten wollen aber keine Veränderung – warum auch? Es geht vielen äußerlich sehr gut. Sie leben weiter wie bisher, und das zieht Gottes Zorn nach sich. Der Prophet soll mundtot gemacht und in seine Heimat zurückgeschickt werden. Amos sieht keine Früchte seines Dienstes, was sicher nicht immer leicht für ihn gewesen ist. Auch andere Propheten, wie z. B. Hosea und Jeremia, haben Ähnliches erlebt. Im 13. Kapitel des Buches Jeremia ist zu lesen: „Dies böse Volk, das meine Worte nicht hören will, sondern nach seinem verstockten Herzen wandelt und anderen Göttern folgt, um ihnen zu dienen und sie anzubeten: es soll werden wie der Gürtel, der zu nichts mehr taugt. Denn gleichwie der Gürtel um die Lenden des Mannes gebunden wird, so habe ich, spricht der Herr, das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda um mich gegürtet, dass sie mein Volk sein sollten, mir zum Ruhm, zu Lob und Ehren; aber sie wollten nicht hören." (V. 10–11)
Die Berufung des Amos und sein Mut gegenüber Amazja
Die Antwort des Propheten auf die Drohungen von Amazja ist etwas überraschend. Denn Amos lässt sich nicht einschüchtern, zeigt Charakterstärke und somit sein Vertrauen auf den wahren Gott. Das ist schon erstaunlich, denn Amos ist erst seit Kurzem von Gott zum Propheten berufen worden. Er kann weder einen bedeutenden Titel noch eine herausragende Stellung in der Gesellschaft oder viel Erfahrung vorweisen. Er ist ein unbekannter Viehzüchter aus dem Nachbarland. Nebenbei züchtet er noch Maulbeeren, vielleicht weil der Erlös aus der Viehzucht zu wenig einbringt. Der Prophet sagt dem Priester Amazja sehr deutlich, dass er sich nicht selbst zum Propheten gemacht hat. Nicht einmal eine Prophetenschule hat er besucht. Der lebendige Gott hatte ihn berufen und er ist diesem Ruf gefolgt. Der Priester Amazja verfügt über eine gute gesellschaftliche Position, lebt im Wohlstand und hat Autorität. Er dient dem König von Israel und braucht sich vor niemandem zu fürchten. Aber Amos dient dem König der Könige und hat deshalb keine Menschenfurcht. Darin ist er ein großes Vorbild. Weil Amos Gott ehrt und keine Menschenfurcht hat, tritt er dem stolzen Priester entgegen. Er prophezeit ihm das Gericht, das Gott über ihn und seine Familie bringt. Amazja soll alles verlieren, was er besitzt. Er wird vertrieben und fern von seiner Heimat sterben. Seine Kinder werden von den feindlichen Soldaten getötet. Seine Frau bleibt mittellos zurück und wird durch Prostitution ihr Geld verdienen. Amos weiß, dass Gott absolut vertrauenswürdig ist und was ER sagt, das geschieht ganz gewiss.
Vorbild für alle Zeiten – Gottesfurcht statt Menschenfurcht
Beim Studium der Bibel ist deutlich zu erkennen, dass Gott eher selten bedeutende Persönlichkeiten beruft. Meistens sind es unbekannte Menschen, die Gott in seinen Dienst stellt. Die Jünger Jesu, des Sohnes Gottes, z. B. sind einfache Leute. Sie haben keine besondere Stellung in der Gesellschaft und kaum jemand kennt sie. Nach der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu führen sie seinen Auftrag weiter. In der Apostelgeschichte ist zu lesen, dass die Jünger Petrus und Johannes ohne Menschenfurcht von Jesus Christus erzählen. Dafür werden sie für eine Nacht ins Gefängnis geworfen und am nächsten Morgen verhört. Petrus und Johannes lassen sich dadurch nicht einschüchtern, weil sie, wie Amos, Gott mehr gehorchen als den Menschen. Die Reaktion der Ankläger ist in Apg 4 zu lesen: „Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren … Da drohten sie ihnen und ließen sie gehen … weil sie nichts fanden, was Strafe verdient hätte." (V. 13+21) Bei den Jüngern Jesu wie auch bei Amos ist es die Nähe zu Gott und das Hören auf sein Wort, das sie zu mutigen Zeugen macht. Sie gehorchen Gott mehr als den Menschen und sind darin ein Vorbild bis heute.
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