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/ Bibel heute

Eine ungewöhnliche Klage

Der Bibeltext Amos 5,1-17 – ausgelegt von Martin Frick.

Hört dies Wort, ein Klagelied, das ich über euch anstimme, Haus Israel: Die Jungfrau Israel ist gefallen, dass sie nicht wieder aufstehen wird; sie ist zu Boden gestoßen und niemand ist da, der ihr aufhelfe. Ja, so spricht Gott der HERR: Die Stadt, aus der tausend zum Kampf ausziehen, soll nur hundert übrig behalten, und aus der hundert ausziehen, die soll nur zehn übrig behalten – dies für das Haus Israel.[...]

Amos 5,1–17

Der Prophet Amos und seine Zeit

Wer ist der Schreiber dieses Textes?

Er stammt von dem ProphetenAmos“ aus dem Südreich Israels. Er ist der erste der Propheten der Bibel, dessen Worte aufgezeichnet und in Buchform überliefert wurden.

Der Prophet wirkt sehr wahrscheinlich zwischen 760–750 vor Christus. Das Land Israel ist damals zweigeteilt. Das Südreich „Juda“ wird von dem König Usija regiert und das Nordreich „Israel“ vom König „Jerobeam II“.
 

Wohlstand und gesellschaftliche Misstände

Militärische Auseinandersetzungen mit den umliegenden Gebieten gibt es in der Zeit nicht. Die zentrale Lage der beiden Länder und die langjährigen stabilen Regierungen führen zu einem lebhaften Handel. Die Folge ist eine wirtschaftliche Blüte. Der Wohlstand wiederum kurbelt die Baukonjunktur an. Die Bevölkerung genießt das Leben mit gutem Essen und Trinken. Die Bewohner der Städte leben im Luxus. Auch die Landbevölkerung muss sich nicht ausschließlich dem Broterwerb widmen, um zu überleben, sondern hat Zeit, die Annehmlichkeiten des Lebens zu genießen und kulturelle Angebote in Anspruch zu nehmen.

Die Parallelen zu unseren heutigen westlichen Gesellschaftsformen finde ich bemerkenswert.

Aber der Wohlstand hat auch seine Schattenseiten. Menschen, die zum Wohlstand gekommen sind, treibt oft die Gier nach mehr. Dieses Wohlstandsgefälle spaltet die Gesellschaft. Die Schwächeren bleiben auf der Strecke, sie werden benachteiligt, bedrängt oder schlicht übersehen. Das Recht Israels, welches ihnen Schutz bieten soll, wird relativiert und von bestechlichen Richtern gebeugt.

Auch der Glaube hat sich gewandelt. An die Stelle des Glaubens an Jahwe, den Gott Israels, tritt der Baals-Kult, der seine Wurzeln im Lande Kanaan hat. Baal wird anstelle von Jahwe als Gott der Naturgewalten und der Fruchtbarkeit verehrt. Es handelt sich um eine Art Wohlfühl- und Genussreligion, die den Glauben an Gott immer mehr verdrängt. Die Folge ist, dass die Gebote, welche Gott seinem Volk gegeben hat, um das Zusammenleben zu regeln, zunehmend an Bedeutung verlieren. Anstelle des zentralen Gebots der Nächstenliebe tritt das Recht des Stärkeren.
 

Das Gerichtswort des Propheten: Die Totenklage über Israel

Dies ist die gesellschaftliche Situation, in die hinein der Prophet sein Totenlied über die Nation anstimmt.

Es handelt sich um ein drastisches prophetisches Gerichtswort, in dem der Prophet den Tod des Nordreichs Israels vorhersagt. Es entspricht in seiner Form einem hebräischen Leichenlied, wie es Klagefrauen bei dem Versterben einer Person anzustimmen pflegen. Hierbei handelt es sich um professionell trauernde Frauen, die die Aufgabe haben, das Leid der Hinterbliebenen öffentlich kundzutun.

Der Prophet wählt für seine Botschaft Bilder, die damals jedermann versteht.

Die „Jungfrau, die gefallen ist“, steht für den Staat „Israel“. Dieses Bild von Israel als Jungfrau bzw. Braut findet sich häufig in der Bibel. Es symbolisiert das Liebesverhältnis zwischen Gott und dem Volk Israel, welches er, als sein Volk erwählt hat. Diese Erwählung ist im 5. Buch Mose beschrieben. Gott hat Israel jedoch nicht erwählt, weil es wertvoller ist als die anderen Völker, sondern weil er den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob, durch deren Nachkommen das Volk Israel entstanden ist, die Treue geschworen hat. Der Wunsch Gottes war und ist es, dass sein Volk zu „einem Licht der Völker“ wird und nach seinen Geboten lebt. Dem wird das Volk jedoch oft nicht gerecht.

Der Prophet prangert die Misstände in der Gesellschaft in seiner Totenklage an. „Die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt“, heißt es. Hiermit spricht Amos die ungerechten Richter an. Er vergleicht ihre Art der Rechtsprechung mit der bitteren Pflanze „Wermut“. Das Recht, das sie sprechen, ist in Wahrheit bitteres Unrecht.

Amos stellt dieser Rechtsunsicherheit und Ungerechtigkeit, die in Israel herrscht und das Volk spaltet, die Gesetze Gottes gegenüber, die überall in der Natur und im Weltall ihre Gültigkeit besitzen. Er unterstreicht damit, dass Gott ein Gott des Rechts und der Gerechtigkeit ist und dass die Missachtung seiner Gebote eine Trennung von ihm zur Folge hat. Diese Trennung von Gott nennt die Bibel Sünde.

Amos prophezeit denjenigen, die die Armen unterdrücken und wirtschaftlich auspressen, dass sie ihre widerrechtlich erworbenen Güter nicht genießen können. Er kündigt an, dass sie nicht in den Häusern wohnen werden, die sie mit den zu Unrecht erworbenen Mitteln gebaut haben, und auch den Wein nicht trinken werden, den sie in den feinen Weinbergen gepflanzt haben.
 

Die Botschaft für heute: Suche nach Gott als Antwort

Die erschreckende Erkenntnis des Propheten Amos ist: die Braut Israel ist gefallen, weil sie die Gebote Gottes missachtet hat. Die Braut wird so zu Boden gestoßen, dass niemand in der Lage ist, sie wieder aufzurichten. Das Land ist verloren. Die Sünden der Bevölkerung führen zum Tod des Nordreichs. Die Prophezeiung erfüllt sich ca. 40 Jahre später. Das Land wird von den Assyrern erobert. Aber der Tod betrifft nicht die gesamte Nation, wie Amos ebenfalls prophezeit, sondern 9/10 der Bevölkerung, ein Rest überlebt. Hier wird der Treueschwur Gottes sichtbar. Trotz aller Verfehlungen lässt er das Volk nicht völlig untergehen.

Die Missstände, die Amos in seiner Totenklage anprangert, gibt es auch in unserer heutigen Gesellschaft. Die Gesetze und rechtlichen Regelungen, die geschaffen wurden, um unser Zusammenleben zu ordnen und teilweise auf die zehn Gebote Gottes zurückzuführen sind, werden zunehmend missachtet. Häufig stecken egoistische Motive dahinter.

Gibt es eine Chance dem entgegenzuwirken?

Der Prophet Amos gibt die Antwort. Sie lautet: „Suchet Gott, so werdet ihr leben.“

Diese Suche nach Gott rettet die Nation nicht, aber sie enthält eine wunderbare Verheißung. Die Suche nach Gott bedeutet: Leben in Ewigkeit, für Sie und für mich.

Wie kann die Suche nach Gott aussehen?
Gott möchte, dass wir mit ihm in eine persönliche Beziehung treten. Die Wege zu ihm sind vielfältig. Durch Gebet, durch das Lesen der Bibel, durch den Besuch eines Gottesdienstes können Sie ihm begegnen. Wichtig ist, ein offenes Herz für ihn zu haben. Dann wird sich Gott finden lassen. Gott liebt Sie und mich und möchte, dass wir ihn auch lieben. Diese Liebesbeziehung ist der Schlüssel zum Leben.

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