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Freude über jeden Menschen, der zu Gott umkehrt

Die Bibelstelle Jona 4,4 – ausgelegt von Ralf Berger.

Der HERR sprach zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst?

Jona 4.4

Vor ein paar Wochen sagte mir eine Mitchristin, mit der ich vor mehr als 30 Jahren in einem Hauskreis war, etwas sehr Schönes. Es ging um Birgit, die sich damals manchmal mit ihren herausragenden musikalischen Fähigkeiten in Gottesdienste einbrachte. Aber von Gott wollte sie nichts wissen. Und nun die überraschende Nachricht. Birgit lebt seit kurzem als Christ. Sie hat Jesus als den Herrn und Heiland ihres Lebens angenommen. Ich war total platt. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Dementsprechend freute ich mich und dankte Gott.

Im Gegensatz zu dieser Freude über die Bekehrung von Birgit steht die Geschichte von Jona. Das ist der Prophet im Alten Testament, der sich weigert, die Einwohner der damaligen assyrischen Hauptstadt Ninive zur Buße von ihren bösen, gottfernen Taten aufzurufen. So soll Gottes Gericht abgewendet werden. Stattdessen flieht Jona vor Gott. Als er dann nach Irrwegen doch nach Ninive kommt, predigt Jona Gottes Aufruf zur Umkehr. Und das Wunder geschieht. Die Bewohner von Ninive tun Buße. Sie durchleben einen Sinneswandel und kehren zu Gott um.

Erwartet hätte ich, dass Jona total froh ist und Freudentänze aufführt. Gottes Angebot zur Umkehr hat eine wunderbare Wirkung entfaltet. Was kann einem Nachfolgenden Gottes Besseres geschehen, als dass Menschen Gottes Angebot einer Beziehung zu ihm annehmen? Eine derartige Wirkung seiner geistlichen Tätigkeit wünscht sich eigentlich jeder Christ. Gerade dann, wenn lange Zeit scheinbar nichts Derartiges passiert.

Und Gott freut sich natürlich auch, wenn jemand das Angebot seiner Liebe annimmt. Jesus, der Sohn Gottes sagt selbst: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut“ (Lukas 15,7). Genau das erlebt Jona nun mit der Bekehrung von vermutlich mehr als 100.000 Menschen zu Gott.

Aber wie ist die Reaktion von Jona?

Jona ist zornig über die Buße der Einwohner von Ninive (Jona 4,1). Aber eigentlich meint er Gott. Er kritisiert, dass Gott „gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte ist“ (Jona 4,2).

Wie bitte? Das darf doch nicht wahr sein. Jona ärgert sich über Bekehrungen und vor allem Gottes Erbarmen. Da läuft offensichtlich etwas schief bei Jona.

Und das sieht Gott genauso, denn er fragt Jona: „Meinst du, dass du mit Recht zürnst?“ (Jona 4,4)

Ich finde, das ist eine absolut berechtigte Frage. Dabei finde ich es bemerkenswert, dass Gott in seiner Autorität Jona nicht zurechtweist. Vielmehr stellt Gott Jona liebevoll eine Frage. Gott möchte nämlich, dass Jona selbst überlegt, was gerade in seinem Glaubensleben nicht stimmt. Warum stößt er sich an Gottes Gnade?

Ich vermute, dass Gottes barmherziges Handeln Jonas Gerechtigkeitsempfinden stört. Warum können diese Menschen so kurzfristig dem Gericht entgehen? Das ist doch unfair. Die Bewohner von Ninive bekommen dasselbe Geschenk der Gnade Gottes, was auch Nachfolgende Gottes erhalten, die Gott schon lange nachfolgen. Vermutlich ist Jona neidisch, dass die Bewohner von Ninive so einfach zu Gott umkehren können.

Die meisten Christen werden heute sicher nicht so offen ihr Missfallen über Gottes Liebe zu Menschen ausdrücken, die plötzlich zu Gott umkehren. Aber vielleicht denkt der ein oder andere insgeheim: Ich bin jetzt schon Jahrzehnte Christ, engagiere mich in der Gemeinde und habe Nachteile durch mein Christsein in Kauf genommen. Und nun bekommt jemand anderes Gottes Gnade ohne großes Engagement. Ganz einfach so.

In solchen Situationen will ich mir ins Gedächtnis rufen, dass Gott in seiner Barmherzigkeit souverän ist. Ich möchte mich und mein Herz für Menschen um mich herum öffnen, damit sie zum lebendigen Glauben kommen. Und ich freue mich, wenn sie zu Gott finden. So wie ich es auch bei Birgit getan habe, als sie nach mehr als 30 Jahren des Wartens Gott in ihr Herz ließ.

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