/ Bibel heute
Die königliche Hochzeit
Geurt van Viegen über Matthäus 22,1–14.

bibleserver.com
Matthäus 22
Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: [...] (Mt 22,1-14; LUT)
bibleserver.com„Viele sind berufen, aber wenige auserwählt“. So beendet Jesus sein Gleichnis. Ein Teil meiner holländischen Familie gehört zu dem erzkonservativen Flügel der holländischen Kirche. Sie zweifeln ihr Leben lang: „Bin ich auch berufen? Hat Gott mich auserwählt? Das kann doch wohl nicht wahr sein, ich armer Sünder. Das bin ich nicht wert. Das kann nicht sein.“ Sie haben keine Glaubensgewissheit und Freude im Glauben. Gibt das, was Jesus beschreibt, dazu eine Antwort?
Jesus erzählt bei der Auseinandersetzung mit den Hohenpriestern und Ältesten des Volkes im Tempel das Gleichnis von der königlichen Hochzeit. In einer fesselnden Darstellung wird die „Frohe Botschaft“ verkündigt. Das Leben in der Nachfolge gleicht der Schinderei in der Hitze, aber es ist viel mehr als das. Wir sind Gäste an des Königs Tisch. Freude ist also angesagt!
Die Einzelheiten dieses Gleichnisses entsprechen den orientalischen Gepflogenheiten. Zunächst wurde eine Einladung hinausgeschickt, eine zweite folgte, als der Termin näher rückte. Der König sandte seine Boten, die Gäste einzuladen, um seinen Sohn zu ehren. Aber die Einladung fand sehr unterschiedliche Aufnahme. Beim ersten Mal waren sie noch unentschlossen und gleichgültig (3). Einige nahmen die Einladung gar nicht ernst und gingen ihren alltäglichen Beschäftigungen nach (5). Andere zeigten eine feindliche Haltung und töteten sogar die Knechte, wodurch sie das Gericht auf sich zogen (7). Der König war jedoch entschlossen, nicht ohne Gäste das Hochzeitsfest zu feiern. Deshalb wandten sich seine Knechte direkt an die Menschen auf den Straßen. An die Bösen und Guten, die die Sünder und Heiden verkörperten, die gar nicht gehofft hatten, ins Reich Gottes eingeladen zu werden (10).
Gott hatte seine Boten zu Israel gesandt, aber ihnen ist es genauso ergangen wie den Knechten im Gleichnis. Aber Gott lässt sich nicht von seiner Absicht, zu segnen und wohlzutun, abbringen. Das Fest wird trotzdem stattfinden – nur mit anderen Gästen. Im Jahr 70 n. Chr. wurde Jerusalem von den Römern verwüstet und die Bevölkerung vertrieben (7).
Von den Enden der Erde aber wurden Gäste zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen.
In diesem Gleichnis geht es um das Reich Gottes und es dreht sich um eine Person, den König, d. h., um Gott selbst. Er veranstaltet ein Hochzeitsmahl. Er handelt hier. Er bereitet das königliche Mahl. Gott will uns damit ein Freudenfest bereiten. Würden Sie auf diese Idee kommen? Denn dieser Gott hat gar keinen Anlass, uns ernst zu nehmen oder gar zu „lieben“. Friedrich der Große sagte einmal: „Der Mensch ist eine Kanaille“ und meinte damit, der Mensch sei von sich aus ein NICHTS.
Und nun kommt Gott, der uns in Jesus ein Freund und Gastgeber sein will. Er kommt als einer, der königlich schenkt und als Geber aller guten Gaben. Das ist einfach unglaublich!
Damals haben viele Jesus abgelehnt. Heute ist es genauso. Merken die Menschen nicht, was sie verpassen? Oder sind wir vielleicht schlechte Vertreter dieser „Freuden-Botschaft“? Statt der Einladung zum Hochzeitsmahl kommt der Gerichtsvollzieher? Schämen wir uns? Sind wir unglaubwürdig oder haben wir Minderwertigkeitsgefühle? Oder lebe ich diese Freude Gottes genügend und sichtbar?
Zurück zum Gleichnis. Es erinnert uns daran, dass Gott uns zu einem Freudenfest einlädt. Wir brauchen nicht auf Frohsinn und auf fröhliche Gemeinschaft zu verzichten. Der christliche Glaube will uns Freude bringen. Die Leute, die Jesu Einladung ablehnten, gingen ehrenwerten Geschäften nach. Nur zu leicht vergessen wir über aller zeitlichen Geschäftigkeit die Ewigkeit. Das Sichtbare nimmt uns so ausschließlich in Anspruch, dass viele darüber das Unsichtbare vergessen. Sie hören so beharrlich auf die Welt, dass sie die leise Stimme Jesu Christi überhören. Das Unglück besteht letztendlich darin, dass das Zweitbeste häufig das Beste ausschließt: nämlich, dass etwas durchaus Gutes leider bewirkt, dass uns das Höchste verschlossen bleibt.
Schauen wir uns nun den Gast an, der sich hereingeschmuggelt hat. Als der König den Saal betritt, entdeckt er einen Gast, der keine hochzeitliche Kleidung trägt. Handelt der König unfair, weil er ihn ins Gefängnis wirft? Hat der Gast keine Zeit gehabt, sich umzuziehen, weil er direkt von der Straße kam? So ist es jedoch nicht. Damals war es so, dass bei einer großen Feier die Hochzeitsgarderobe vom Gastgeber gestellt wurde. Der Gast hat also nachlässig gehandelt. Er kam lieber in seinen eigenen verschlissenen Sachen, statt die bereitgelegten Festkleider anzuziehen. Durch diese Missachtung machte er sich schuldig.
Für uns heißt das nach Texten aus dem Buch der Offenbarung (Verse 3,5; 19,8): Gott selbst gibt das Hochzeitskleid. „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet. Und es wurde ihr gegeben, sich anzutun mit schönem reinem Leinen. Das Leinen aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen“ (Offb. 19,7-8). Paulus sagt dazu in Philipperbrief, Kapitel 3, Vers 9 (GNB): „Ich will nicht mehr durch mein eigenes Tun vor Gott als gerecht bestehen. Ich suche nicht meine eigene Gerechtigkeit, die aus der Befolgung des Gesetzes kommt, sondern die Gerechtigkeit, die von Gott kommt und denen geschenkt wird, die glauben.“
Nun komme ich nochmal zurück auf den letzten Satz, der vielen Kopfzerbrechen beschert: „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt“. Bedeutet dieser Satz, dass nur „wenige“ von Gott auserwählt sind und alle anderen nicht? Also, eine Art Vorherbestimmung? Absolut NEIN! Vielmehr ist jeder auserwählt, der mit Jesus im Glauben verbunden ist. Es gilt die Kurzformel unserer Väter: Wer glaubt, ist auserwählt! Und das im Sinne jenes Vaters (Markus 9,24), der zu Jesus rief: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Das kann nach dem Neuen Testament jeder Mensch!
Dann bleibt zum Schluss die persönliche Frage: Haben Sie die in Jesus an gebotene Gnade wirklich angenommen und leben Sie in ihr? Dann kann uns nichts von Gott scheiden.
© Ruth Schneider / ERF
Ihr Kommentar