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/ Bibel heute

Die Heilung am Sabbat

Christiane Meyer über Markus 3,1–6.

Und er ging abermals in die Synagoge. Und es war da ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie gaben acht, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten. Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Steh auf und tritt in die Mitte![...]

Markus 3,1–6

Stellen Sie sich einmal vor, Jesus kommt plötzlich am Sonntag in Ihre Gemeinde zum Gottesdienst. Oder er erscheint auf Ihrem Gemeindefest oder beim Hauskreis…..

Klingt ja erstmal ganz toll und wünschenswert. Aber Jesus ist jemand, der provoziert. Jesus ist jemand, der radikal ist. Er kümmert sich nicht um das, was andere denken oder darum, wie das, was er tut, auf andere wirkt. Äußerlichkeiten sind ihm schnuppe! Das erleben seine Jünger immer wieder mit ihm.

Nun gibt es in meiner evangelischen Kirche das Leitungsgremium der Gemeinde, das Presbyterium. Das achtet unter anderem darauf, dass in der Gemeinde alles korrekt läuft und im Gottesdienst nur Inhalte gepredigt werden, die auch unserem Glauben entsprechen. So etwas gab es zu Jesu Zeit auch: Die Pharisäer. Die hatten Jesus schon einige Zeit auf dem Kiecker!

Seine Worte und seine Taten provozierten die Pharisäer. Bisher hatten sie friedlich ihrer Aufgabe nachgehen können. Sie studierten das Gesetz Gottes und erstellten Regeln für den Alltag, damit es den Menschen leichter fiel, das Gesetz zu halten. So hatte alles schön seine Ordnung. Und wie diese Ordnung aussah, das bestimmten sie.

Und nun kommt dieser Jesus. Er bringt alles durcheinander, stellt alles in Frage. Er legt das Gesetz ganz anders aus. Statt Regeln einzuhalten, sind plötzlich Liebe und Buße und eine persönliche Beziehung zu ihm wichtig. Seine Jünger fasten nicht, obwohl sie das sollten. Sie raufen am Sabbath Ähren, obwohl das verboten ist. Und Jesus sagt, dass das in Ordnung ist …

Eine neue Ordnung!?

Nichts ist in Ordnung für die Pharisäer! Diesen Jesus, den muss man im Auge behalten.

Und nun kommt er in die Synagoge – quasi ins Gemeindezentrum. Es ist Sabbath und da gelten ganz besondere Regeln. Vieles ist am Sabbath nicht erlaubt. Hausputz, Stall ausmisten, zum Fischen rausfahren, einkaufen, verkaufen, ... alles verboten. Stattdessen traf man sich in der Synagoge, um das Wort Gottes ausgelegt zu bekommen. Als Jesus also an diesem Tag in die Synagoge kommt, werden die Pharisäer direkt aufmerksam. Sie beobachten ihn genau. Macht er einen Fehler? Dann haben sie ihn. Und Jesus? Der bemerkt das natürlich sofort. Klar.

Wenn man in einen Raum kommt und dort ganz scharf beobachtet wird, weil Menschen dort lauern, ob man einen Fehler macht, dann spürt man das recht schnell. Und der Sohn Gottes bemerkt das sofort. Doch Jesus bemerkt noch etwas anderes: Zwischen all den Menschen, die in der Synagoge sind, ist einer, der hat eine verdorrte Hand. Eine Hand, die er nicht bewegen kann, die gelähmt ist.

Eine gelähmte oder bewegungsunfähige Hand, das ist schon schlimm. Wer sich schonmal den Arm oder das Handgelenk gebrochen hat, der kann das gut nachvollziehen. Mit einer Hand kann ich vieles nicht gut machen. Ich kann mich nur sehr schlecht an- und auskleiden, meine Schuhe schnüren oder zubinden geht auch nicht mit einer Hand und arbeiten, um mein Geld, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, das ist auch nicht möglich. Außerdem fühlt man sich mit einer bewegungsunfähigen Hand auch in jeder Weise eingeschränkt, abhängig und hilflos.

Heilung der gelähmten Hand

Dieser Mann hatte also Hilfe sehr nötig. Wir erfahren nicht, wie lange er seine Hand schon nicht mehr benutzen konnte. Mit Sicherheit aber hat dies sein Leben sehr bestimmt und eingeschränkt. Dass Jesus dieser Mann auffällt, ist klar. Er hat ein Auge für die, die Hilfe brauchen. Für alle Notleidenden und am Rande der Gesellschaft Lebenden. Er geht den verirrten Schafen hinterher. Tröstet, hilft und bringt sie nach Hause.

So ist also auch den Pharisäern klar, dass die Wahrscheinlichkeit, das Jesus diesen Mann heilt, sehr groß ist. Sie lauern darauf. Sie wissen, dass Jesus es tun könnte, aber sie wissen auch, dass es am Sabbath verboten ist. Dass es Jesus ein großes Anliegen ist, Menschen zu heilen, das haben sie längst gemerkt. Nun sind sie gespannt: Wird Jesus das Gesetz brechen? Sie fragen sich:

Wie wichtig ist ihm das Gesetz?

Für sie selbst ist es entscheidend. Für sie gilt: Je mehr ich das Gesetz halte, umso enger ist meine Gemeinschaft mit Gott. Was sie nicht wissen: Jesus ist Gott und es ist nötig, sich an IHM zu orientieren. Das haben sie noch nicht verstanden. Also beobachten sie und warten, was Jesus tut. Und der?

Er hat sie längst durchschaut. Er hat die Falle gesehen, die sie ihm stellen wollen.

Seine Reaktion darauf ist wie eine Chance für sie. Er hinterfragt alles, woran die Pharisäer glauben. Er fragt sie: „Soll man am Sabbath Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten?“

Sie sollen nicht stur ihren Regeln folgen, sondern sie sollen sich fragen, was Gottes Wille ist. Sie sollen ihr Gewissen fragen: Will Gott das Gute oder das Böse? Und was ist das in diesem Fall? Eigentlich ganz leicht, oder?

Wie leicht fällt es mir, meinem Gewissen zu folgen?

Die Pharisäer schweigen jedenfalls. Und Jesus ist betrübt, weil er sieht, dass sie nicht bereit sind, ernsthaft darüber nachzudenken. Für die Pharisäer bleibt alles beim Alten. Sie ändern sich nicht. Sie sehen nicht die Hand, die Jesus ihnen reicht: „Kommt zu mir! Hinterfragt, was ihr tut und was ihr glaubt. Ich fülle eure Gesetze und Regeln mit Gottes lebendigem Geist. Dadurch kann sich euer Leben ändern.“

Aber das sehen sie nicht. Wollen sie nicht sehen. Und so wendet sich Jesus dem Menschen mit der gelähmten Hand zu, heilt ihn und verändert SEIN Leben von Grund auf. Für diesen Menschen bleibt nichts beim Alten. Alles wird neu!

Wie wäre das, wenn Jesus in unsere Gemeinde kommt? In unseren Hauskreis? In unseren Gottesdienst? Dürfte er uns in Frage stellen? Dürfte er kritisieren, was für uns Gesetz ist?

Wären wir bereit, uns verändern zu lassen?

Wenn Jesus kommt, bleibt nichts beim Alten. Alles wird neu – und heil.

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Kommentare (1)

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Margreet /

Vielen dank für diese ansprechende liebevolle Erklärung
Jesus ist ja hoffentlich in unsere gemeinde und Hauskreise
Aber sie haben das super gesagt; sind wir bereit uns verändern zu lassen.
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