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/ Bibel heute

Ein Brief an Paulus

Der Bibeltext Epheser 3,1-13 – ausgelegt von Winfried Geisel.

Deshalb sage ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden – ihr habt ja gehört, worin das Werk der Gnade Gottes besteht, die mir für euch gegeben wurde: Durch Offenbarung ist mir das Geheimnis kundgemacht worden, wie ich zuvor aufs Kürzeste geschrieben habe.[...]

Epheser 3,1–13

Ein Brief an Paulus – Einleitung und Staunen

Grüß Dich Gott, lieber Paulus, heute will ich Dir mal schreiben. Für Dich ist das ja nichts Ungewöhnliches, Du hast ja selber viele Briefe verfasst und an die Gemeinden gesandt. Eigentlich hast Du ja Deine Schreiben an bestimmte Gemeinden geschrieben. Doch Deine Ausführungen sind so grundlegend, dass sie aufbewahrt wurden und nun mir und uns Menschen heute immer noch etwas zu sagen haben. So auch Dein Schreiben an die Gemeinde in Ephesus.

Mich lässt Dein Text aber auch ins Fragen kommen. Stellenweise kommt es mir vor, als schreibst Du aus und von einer anderen Welt. Da schreibst Du doch, Du wärst ein Gefangener von Jesus, dem Christus. Lieber Paulus, wie kann das sein? Was bewegt Dich zu dieser Äußerung? Du hast doch immer Jesus als den Gott, der befreit vor Augen gestellt, auch in Deinen Briefen.
 

Gefangener Jesu Christi – Zwischen Römerrecht und göttlichem Auftrag

Doch, ich weiß, Du bist gefangen, in den Händen der römischen Weltmacht, weil die gesetzlichen Juden aus den Synagogen Dich angeschwärzt haben und Dich feige ermorden wollen. Nun sollst Du Deine Position vor dem Kaiser vertreten. – Stimmt, das hat Jesus selber zu Dir gesagt, als Du von den Römern verhaftet worden bist: „Du sollst sein Zeuge sein, wie Du es in Jerusalem warst, so sollst Du es auch in Rom sein.“ (Apostelgeschichte 23,11) Nach Rom, vor den Kaiser, bist Du als Gefangener gebracht worden. Aber als Gefangener der Römer. Gefangener Jesu Christi seist Du. –

Stimmt, wenn ich Deine Geschichte ansehe, bist Du tatsächlich jemand, der von Jesus ganz eingenommen ist. Er hat Dich unvermutet auf Deinem Weg gestoppt und für sich eingenommen. Seither bist Du im Namen und Auftrag von Jesus, dem auferstandenen Herrn unterwegs. Du hast nichts anderes im Sinn, als das, was Jesus will. Zu den Menschen, ob sie Juden sind oder aus den Nationen bringst Du die Botschaft vom „Geheimnis Christi“.

Geheimnis von Christus nennst Du das, was Du den Menschen damals und uns Menschen bis heute – in den Briefen – verkündest. Diese gute Nachricht, das Evangelium hat Dich so gefangen genommen, dass Du nichts anderes mehr willst und tust. Alles hast Du diesem Ziel untergeordnet. Du hast Dich ganz Jesus, dem auferstandenen und lebendigen Gott untergeordnet. Er ist Dein Lebensinhalt. Du sorgst Dich z.B. nicht um das, was Du essen sollst, oder wo Du wohnen und schlafen wirst – die Sorge dafür und alles Weitere überlässt Du Jesus. Er hat Dich beauftragt, er soll und wird auch für Dich sorgen. Genau so ist es wohl gewesen. Wie der Staat für die Gefangenen sorgt, so sorgte Jesus für Dich, Paulus – bloß besser.

Ja, Du kannst Dich als Gefangenen von Jesus Christus bezeichnen. Dafür spricht Dein Lebensweg und Dein Handeln und Dein Sein, Eins-Sein in den Werken und im Wirken von Jesus. Alles, was Du getan hast, war von dem getragen, was Jesus will. Darum bist Du schon ein Gefangener Jesu und Du bist ein Gefangener der Römer. Als Gefangener Christi erging es Dir aber bei weitem besser. Denn bei Jesus warst Du zudem auch Geheimnissträger.
 

Träger eines offenen Geheimnisses – Freiheit in der Gefangenschaft

Ja, lieber Paulus, es ist irgendwie bemerkenswert, welche Bezeichnungen Du für Dich wählst. Du bist ein Gefangener, der eigentlich frei ist und Du trägst ein Geheimnis, das öffentlich gemacht werden muss. Mir scheint, Du lebst wirklich in einer anderen Welt. Bei Dir gilt das, was in der bekannten Welt gilt, wohl nicht. Die Welt, in der Du bist, ist ganz anders, ist neu. Deine Welt ist die Welt von Jesus Christus, dem lebendigen Herrn und Sohn Gottes. Dort läuft manches anders, als ich es in unserer Welt kenne. Dort läuft es offensichtlich besser, als bei uns: Gefangene sind frei und Geheimnisse müssen bekannt gemacht werden, sollen öffentlich und den Menschen zugänglich gemacht werden. In Gottes Welt, in der Welt von Jesus Christus, liegt alles offen und wird allen Alles offenbart und offengelegt. Bei Jesus Christus ist alles transparent – und Du, Paulus, bist einer derer, die für diese Transparenz sorgen.

Geheimnisträger bist Du, weil Du das Geheimnis zu den Menschen trägst und bringst. Lieber Paulus, durch Dich weiß ich nun auch dieses Geheimnis: Gottes Welt ist ganz offen für mich. Der Zugang, der Zutritt zu Jesu Christus ist frei. Ich kann direkt zu Jesus hintreten. Über die Jahrhunderte war das nicht klar. Die Menschen sahen das anders. Sie mühten sich in ihrer Religion und strengten sich an, damit sie die Gnade Gottes bekommen. Paulus, Dir ist klar geworden, dass diese Anstrengungen der Menschen nicht zum Ziel führen. Dir hat Jesus gezeigt und demonstriert, er hat die Welt Gottes für Dich und mich und alle Menschen weit geöffnet. Nicht nur geöffnet hat er Gottes Welt, sondern persönlich zu uns gebracht. Dies ist das offene Geheimnis, das Du, Paulus, laut verkündest.
 

Das offene Geheimnis als Einladung – Reichtum für alle

Lieber Paulus, Du gibst bekannt, kein Mensch muss mehr an seinen Möglichkeiten verzweifeln, denn die Gnade und Zuwendung Gottes ist sichtbar, greifbar, in der Menschenwelt angekommen und hat alles auf den Kopf gestellt, was wir meinen über Gott zu wissen. Nun werden Gefangene frei sein und Geheimnisse öffentlich gemacht. Und – anders als bei uns Menschen bisher – richtet dieses offene Geheimnis keinen Schaden mehr an – im Gegenteil. Wer das Geheimnis hört, wer es erkennt, kann jubeln und frei direkt vor Jesus Christus stehen; kann in Gottes neuer Welt sein, die so ganz anders ist, gut ist. Und wer dieses offene Geheimnis hört und sieht, wird Anteilseigner an Gottes Reich. All das ohne eigenes Zutun, ohne eigene Anstrengung oder persönlichen Verzicht. Paulus, ich will es mal so sagen: Du der Gefangene, der Geheimnisträger bist auch ein Gewinnüberbringer für mich. Was Du verlautbarst, was Du schreibst und bekanntmachst, setzt mich instand, dass ich den ganzen Reichtum von Gottes Gnade mein Eigen nennen kann. Und verstehe ich das recht, lieber Paulus, was ich da an Dir beobachte? Dieses Geheimnis muss ich nicht für mich behalten und den Reichtum nicht vergraben und verstecken; im Gegenteil, je mehr Menschen ich in das Geheimnis einweihe, desto mehr Freude wird mich umgeben und einnehmen!

Paulus, Du freier Gefangener, hast das Geheimnis, den Plan von Jesus offen dargelegt. Du hast mich in Gottes neue Welt eingeführt. Du hast mir dazu gedient, dass ich Teilhaber am unvergänglichen Reichtum bin.

Ich bin froh, dass Du Dich so von Jesus gefangennehmen lassen hast und danke für Dein Eintreten für Transparenz. Ich danke Dir und Deinem Herrn, meinem Herrn, Jesus Christus – auch für Dich.

Dein Winfried

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