/ Bibel heute
Die Frage nach dem Fasten
Jutta Hoffmann über Markus 2,18–22.
Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel. Und es kamen etliche, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, aber deine Jünger fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen ist; dann werden sie fasten, an jenem Tage.[...]
Vor einigen Tagen konnten wir den Beginn des neuen Jahres feiern. „Prosit Neujahr“, so hieß es bei vielen. „Ein frohes neues Jahr!“ Das alte Jahr ist vergangen und das neue hat begonnen. Das erinnert mich an einen Bibelvers, in dem es heißt: „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden (2. Kor. 5,17).“ Allerdings geht es in diesem Satz nicht um den Beginn eines neuen Jahres, sondern um den Anfang eines neuen Lebens: um das Leben mit Jesus Christus. Das sagt der vollständige Vers:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen; siehe Neues ist geworden.“
Mit Jesus Christus, so berichtet das Neue Testament, beginnt die neue Zeit. Das haben die Menschen schnell begriffen. Seit Jesus gibt es eine neue Zeitrechnung: vor und nach Christi Geburt.
Das neue Leben
Zur neuen Zeit gehört das neue Leben. Ein Mensch, der Jesus kennen lernt, hat Teil an diesem neuen Leben. Und wie dieses neue Leben aussieht, das erklärt Jesus seinen Zuhörern: Manche Zuhörer und Anhänger von Jesus sind irritiert. Sie beobachten, dass die Jünger des Johannes und die Schüler der Pharisäer fasten, aber die Jünger Jesu nicht.
„Seht“, so sagt Jesus: „Meine Jünger fasten nicht, weil für sie eine neue, gute Zeit, eine „Hoch - Zeit“ angebrochen ist.“ Es ist für die Jünger so, als nähmen sie an einer Hochzeit teil. Und bei einer Hochzeit fastet man nicht, sondern feiert.
Hochzeit und Fasten passen nicht zusammen. Damit die Zuhörer das verstehen, erinnert Jesus an zwei Alltagserfahrungen: Wenn ein altes Kleid zerrissen ist, darf man es nicht mit einem neuen Stoffrest ausbessern. Denn dann zerreißt es wieder. Heute würde Jesus vielleicht sagen: Wenn ihr eine alte zerrissene Jeans flicken wollt, dürft ihr dazu keinen festen neuen Stoff wählen!
Das zweite Beispiel bezieht sich auf den Umgang mit Nahrungsmitteln und Getränken. Neuer Wein gehört nicht in alte Schläuche. Heute würde Jesus vielleicht sagen: Wein gehört nicht in unsaubere Fässer und Flaschen! Frische Lebensmittel gehören nicht in verdreckte, alte Dosen, denn darin vergammeln sie schnell.
Mit diesen Beispielen sagt Jesus: „Jetzt, wo ich hier auf Erden bin, ist das Reich Gottes zu Euch gekommen. Da passt manches Alte nicht mehr.“ Der Kirchenvater Augustin hat einmal gesagt: „Jetzt, wo ich Christ geworden bin, kann ich nicht mehr so leben wie vorher.“
Der neue Bund
Bevor Jesus auf diese Erde kam, hatte der Prophet Jeremia schon den Anbruch dieser neuen Zeit vorausgesagt: Jeremia spricht in seiner Prophezeiung von dem alten Bund, den Gott einst mit dem Volk Israel schloss und dem neuen Bund, den Gott mit allen Menschen schließen will. Während der Zeit des alten Bundes stand das Gesetz im Vordergrund. Das Gesetz war auf steinerne Tafeln geschrieben und die Gebote Gottes waren jedem Juden bekannt. Der neue Bund aber wird in die Herzen der Menschen hineingeschrieben. Jesus löst das Gesetz nicht auf; das Gesetz bleibt gültig, aber Jesus erfüllt es und verkündigt die Gnade.
Wer Jesus nachfolgt, befolgt die Gebote nicht aus Angst vor Strafe, sondern aus Einsicht in die Notwendigkeit und aus Liebe zu Gott, dem Vater. Der neue Bund ist ein Gnadenbund. Der Heilige Gott begnadigt darin den Sünder. Und er ist ein Liebesbund. Gott zeigt darin seine Liebe zu allen Menschenkindern. Es ist ein teurer Bund. Er kostete Gott seinen einzigen Sohn. Mit Jesus hat also eine neue Zeit begonnen. Christenmenschen verkündigen diese neue Zeit und leben als erneuerte Menschen. Es ist also Neues entstanden. Neues ist geworden, aber es ist noch nicht alles neu geworden. Das Alte lebt noch, das Böse kommt immer wieder hoch.
Das wusste auch Martin Luther, der in der Sprache seiner Zeit davon sprach, dass er den „alten Adam“ in sich jeden Tag ertränken wolle. „Aber das Biest kann schwimmen“, so der Realist Luther. Christen sind nicht sündlos, sie machen Fehler und sie brauchen täglich die Vergebung.
Durch Jesus wird alles neu
Die Welt ist noch nicht sündenfrei. Überall lauern Probleme. Eine Krise folgt auf die Nächste. Hass und Streit sind an der Tagesordnung. Das war schon immer so. Eigentlich gibt es in dieser Hinsicht „nichts Neues unter der Sonne“. Wie tröstlich ist es da doch, dass dieser Jesus, der „keinen alten Wein in neue Schläuche füllen wollte“, in der Offenbarung dem Seher Johannes mitteilt: „Siehe, ich mache alles neu“. (Offenbarung 21,5).
Als der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer 1944 aus seiner Gefängniszelle heraus ein Gedicht für seine Verlobte schreibt, wartet auch er auf das ganz Neue, das Jesus bringen wird. Er schreibt: „
Von guten Mächten treu uns still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsere Herzen quälen,
noch drückt uns alter Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.“
Vielleicht haben Sie dieses Lied im Silvestergottesdienst mitgesungen. Dann haben Sie auch in den Refrain mit eingestimmt:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Ich freue mich auf die neue Welt: auf eine Welt ohne Schmerzen, ohne Krieg, ohne Streit, ohne Probleme, ohne Ungerechtigkeit, ohne Umweltverschmutzung. Ich freue mich auf diese neue Welt und auf Jesus, den großen Erneuerer. Und ich bin dankbar, dass Gott mit uns ist an jedem neuen Tag. Auch 2024.
© Ruth Schneider / ERF
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Liebe Frau Hoffmann,
sie haben viele gute Gedanken geäußert. Aber an einem Punkt möchte ich Sie auf einen Fehler aufmerksam machen. Lesen sie mal in Jeremia 31:
Gott kündigt den Neuen Bund nicht … mehr"mit allen Menschen" an, wie sie es sagen, sondern er sagt durch Jeremia: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen... Nirgends wird in der Bibel vom Neuen Bund mit
den Völkern oder Menschen aus den Völkern gesprochen.
Wir Christen aus den Heidenvölkern sind in den Neuen Bund Gottes mit Israel hineingenommen. Hätten das die Christen immer so genommen,
wie es in der Bibel steht, wäre uns der Antisemitismus vielleicht erspart geblieben.
Ich finde es schade, dass Sie so gar nichts zum Satz Jesu „Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen ist; dann werden sie fasten, an jenem Tage.“ gesagt haben!