/ Bibel heute
Die andere Seite der Medaille
Der Bibeltext Hosea 5,8-15 – ausgelegt von Benjamin Gies.
Stoßt ins Horn zu Gibea, in die Trompete zu Rama! Erhebt das Kriegsgeschrei zu Bet-Awen: Dir nach, Benjamin! Ephraim soll zur Wüste werden am Tag, da ich sie strafen werde. Den Stämmen Israels habe ich kundgetan, was fest beschlossen ist. Die Oberen von Juda sind denen gleich, die die Grenze verrücken; darum will ich meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser.[...]
Gottes Reaktion auf Israels Ungehorsam
Was für ein Text. Gott ist so gar nicht einverstanden mit dem Verhalten des Volkes Israel. Psalmen, in denen von der Güte und Barmherzigkeit Gottes gesprochen wird, sind mir lieber. Sie sind einfacher zu lesen und auf das persönliche Leben anzuwenden. Aber es gibt sie, die andere Seite der Medaille. Es gibt sie bei uns Menschen und auch bei Gott. Gott bleibt barmherzig und gnädig. Er ist in diesem Text nicht plötzlich wesensverändert. Aber etwas hat Gott. Ist er enttäuscht? Ist das Maß voll? Oder ist er einfach nur konsequent. Ich glaube, Letzteres ist der Fall.
Im 5. Buch Mose gibt es das sogenannte Segens- und Fluchkapitel. Es ist das Kapitel 28. Es gilt vor allem Israel. Es beginnt mit Segen, den Israel erwarten darf, wenn sie der Stimme ihres Gottes gehorchen. Und genauso erwartet sie Fluch, wenn sie der Stimme ihres Gottes nicht gehorsam sind: „Wenn ihr aber nicht auf den HERRN, euren Gott, hört und nicht all seine Gebote und Ordnungen befolgt, die ich euch heute gebe, dann wird sein Fluch euch treffen“. (5. Mose 28,15)
Im Buch Hosea wird berichtet, wie sich Israel für den Fluchweg und nicht für den Segensweg entscheidet. Deshalb redet Gott so hart. Deshalb zieht er sich zurück. Deshalb ist so wenig von seiner Barmherzigkeit und Gnade zu lesen. Israel hat sich entschieden und Gott ist konsequent, weil er es genauso angekündigt hat und nicht beide Augen zudrückt, wenn der Mensch falsche Wege geht.
Drei Vergehen Israels
Was tut Israel, was Gott missfällt? Drei Dinge erkenne ich in diesem Text:
1. Sie haben Grenzen verrückt.
Das steht im Vers 10. Im Gesetzbuch, auch im 5. Buch Mose 19,14 steht: „Du sollst deines Nächsten Grenze, die die Vorfahren festgesetzt haben, nicht verrücken in deinem Erbteil, das du erbst, im Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt, es einzunehmen.“
Sie haben, einfach gesagt, gestohlen! Sie haben dem anderen Land genommen, weil sie es haben wollten. Dahinter steckt die Schuld: Nicht zufrieden zu sein mit dem, was man hat. Dem anderen nicht zu gönnen, was er hat. Und dann wird dieser Text für mich etwas lebensnaher. Das kenne ich von mir: Unzufriedenheit mit dem, was ich habe. Das Schauen darauf, was der andere hat und es haben wollen. Dieser Abschnitt möchte mir sagen: Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn. Er hat dir viel Gutes getan. Neu möchte ich lernen zu sagen: Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2) Ich möchte bedenken, wie Gott mich beschenkt hat, und nicht unzufrieden und habgierig auf das schauen, was der andere geschenkt bekam.
2. Sie sind dem Nichtigen nachgelaufen.
In der Bibel steht das Nichtige meistens in Verbindung mit Götzen. So z. B. im Buch Jeremia, Kapitel 18,15: „Mein Volk jedoch hat mich vergessen. Sie opfern den nichtigen Göttern.“ Es ist nichts, was diese Götzen tun können. Sie haben keine Kraft zu helfen. Sie sind kein lebendiges Gegenüber. Und doch laufen die Israeliten hinter diesen Götzen her, stellen sie sich irgendwo hin, opfern ihnen und erwarten Zuwendung von diesen Bildern oder Statuen. Aber diese sind wertlos hinsichtlich Hilfe und Segen. Sie können den Menschen zutiefst nicht erfüllen und nicht beistehen. Und doch sind die Menschen auf sie hereingefallen. Und wieder schaue ich auf mein Leben. In meinem Garten habe ich keine Statue aufgestellt. Und ich habe keinen Altar, vor dem ich knie, anbete und opfere. Aber gibt es sie vielleicht doch, die versteckten Götzen in meinem Leben? Ich halte kurz inne und frage mich: Wie wichtig ist mir das Geld oder die Karriere? Wie sehr liebe ich mein Haus oder mein Auto? Wie wichtig ist mir dieser oder jener Mensch? Alles kann mir zum Götzen werden, wenn mein Herz davon beherrscht wird. Wenn ich merke, dass ich abhängig davon bin. Wenn ich mein Erfülltsein, meine Freude, meine Hoffnung von diesem Ding oder diesem Menschen abhängig mache. Gott wünscht sich, dass ich tiefe Erfüllung und Hilfe bei ihm suche. Und das bringt mich zum dritten Punkt:
3. Sie suchen Hilfe an einem anderen Ort.
Das steht in Vers 13. Sie suchen Hilfe beim König von Assyrien. Der ist mächtig und stark, der kann helfen! So denkt Israel. Es ist nicht so, dass Menschen nicht helfend zur Seite stehen können. – Das tue ich und brauche es für mein Leben. Aber es geht um die ausschließliche Hilfesuche. Es geht darum, auf wen ich mein Vertrauen setze. Sie vergaßen den lebendigen Gott. Sie vergessen Worte, wie sie in Psalm 121,1–2 niedergeschrieben stehen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und wieder gebe ich zu, das passiert mir auch. Irgendeine Not klopft an, ich gerate in Panik und suche irgendwo Hilfe. Und dann fällt mir meist später ein, dass ich doch einen Gott habe, der Himmel und Erde schuf. Einen Gott, der alles in seiner Hand hält. Aber er ist, als die Not in mein Leben kommt, mir nicht präsent und deshalb bin ich erst einmal losgezogen, ohne ihn einzubeziehen. Meist fällt es mir dann doch ein, dass ER, mein Gott, ja da ist und mir so gerne hilft. Aber es bleibt eine Herausforderung: Sich trauen zu vertrauen. Sorgen loszulassen, sie ihm zu überlassen und das Sorgen sein zu lassen.
Ich merke: Ich bin nicht besser als die Israeliten.
Dankbarkeit und Befreiung durch Jesus Christus
Wenn ich solche Texte lese, bin ich dankbar, dass Jesus für mich gestorben ist. Im Galaterbrief 3,13 steht: „Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz hängt.“
So bitte ich Jesus, dankbar und zufrieden zu werden für das, was er mir gibt. Ich suche und finde meine Lebenserfüllung bei ihm. Denn Jesu Art der Erfüllung kann mir kein Besitz und kein Mensch geben. Ich lerne und bitte darum, meine Hilfe bei ihm zu suchen, denn er ist der, der wirklich Hilfe schaffen kann.
Und ich danke Jesus, dass er für meine Schuld am Kreuz gestorben ist. All das, was Israel falsch machte, all das, was ich und sie falsch machen, hat Jesus am Kreuz auf sich genommen. Ich darf Vergebung in Anspruch nehmen und vertrauen, …dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannesbrief 1,9)
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