/ Bibel heute
Der Ursprung der Versuchung
Rainer Kroninger über Jakobus 1,13-18.

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Jakobus 1
Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. [...] (Jak 1,13-18; LUT)
bibleserver.comIch bin Jakobus dankbar. Er spricht an, was in mir wirkt und bisweilen durchbricht. Was für mich als Schwäche oder leerer Zeitvertreib beschämend ist. Und wohl in vielen von Ihnen auch. Jakobus bringt es ans Licht. Er nennt es beim Namen: Meine und jede Versuchung kommt aus dem Unerfüllten und zu klein Gelebten. Niemand anderen kann ich dafür verantwortlich machen. Schon gar nicht Gott. Ich werde von meiner Begierde gereizt und gelockt. Ich tue oft das Gute nicht, sondern das Ungute, das ich nicht will! Ja, ich lasse mich immer wieder von meinen Versuchungen locken. Gebe ihnen irgendwann nach.
Und fast alles kann in eine Versuchung münden: Fehlendes Selbstbewusstsein wird mit aufgekratzter, angeberischer Stimmung überspielt. Und wo ich mich Anderen überlegen fühle, da rede ich die schnell mal klein. Mangelnde Liebe wird leicht zur Begehrlichkeit oder gar zur Eifersucht. Bekommt so noch mehr zerstörerische Wirkung auf eine vernachlässigte Beziehung. Auch die Einsamkeit kann mich ins Stolpern bringen: Schnell treibt sie mich in die Sackgassen von Missmut oder Bitterkeit. Dieser Rattenschwanz wirft mich auf mich selbst zurück, in die eigene Leere zurück. Mancher bekämpft sie dann sinnlos mit Alkohol oder anderem.
Versuchungen nachgeben?!
Jakobus übertreibt nicht, wenn er sagt: Versuchungen nachzugeben, bringt nur scheinbar eine kurze Entlastung. In Wirklichkeit sind die Begierden, die hinter den Versuchungen stecken, Verbündete des Todes. Denn sie verleiten uns zur Selbstzerstörung. Wie gut, dass Jakobus mich an meine Versuchungen erinnert! Sie zu verdrängen oder zu leugnen, ist nie eine Lösung. Dann wirken sie nur umso heftiger: in der Dunkelkammer meines Inneren. Es ist befreiend, dass Jakobus klar und direkt in die Dunkelkammer der Versuchung hineinschaut. Nicht entrüstet. Nicht mit moralischem Zeigefinger. Nein, ehrlich. Hilfreich und heilsam tut er es. Jakobus fragt nach der Lösung. Er benennt das bessere Leben. Er hat das Interesse, mich und Sie aus dem Dunkel ins Licht Jesu zu führen.
Aus der Dunkelheit ins Licht
Bei Christus finde ich die Gegenkraft. Nur seine Vergebung vermag das Unerfüllte auszugleichen. Nur so können die Narben und Wunden dessen, was ich mir und anderen angetan habe, wirklich heilen! Vor Jesus muss nichts verdrängt werden. Alles darf ich vor ihm bekennen und abladen. Und falls es Tiefsitzendes ist, Ungutes, das mich immer wieder bindet – dann ist es gut, dies mit einem Bruder oder einer Schwester in der Beichte und Seelsorge zu entmachten. So habe ich einen Beistand, der um meine Schwäche weiß. Von ihm wird mir die Vergebung Jesu zugesprochen. So wird die Dunkelkammer auch starker Versuchungen aufgebrochen. Und das heilende Licht Jesu kommt hinein. Staunend erfahre ich, dass gebundene Kräfte nun wieder frei werden für frohe, gern gelebte Beziehungen und Aufgaben.
Frei werden
Das ist etwas Herrliches und ganz Großes: Gott liegt daran, dass ich Verantwortung für mein Leben übernehme! Er will mich herauslösen aus dem Unerfüllten oder Verkümmerten. Gottes Ziel ist es, dass wir gerade an diesen Stellen noch reifen dürfen. Jesus sagt deshalb im Johannesevangelium, Kapitel 10, Vers 10: „Ich bin gekommen, dass ihr das Leben und volle Genüge habt!“ – Welch eine Einladung! Ja, alle gute Gabe und jede tiefe, echte Lebenserfüllung kommt von ihm!
Mag ich auch an irgendeiner Stelle wieder schwachwerden. Im tiefsten Grunde meines Herzens weiß ich jetzt: Meine dunklen, unerfüllten und trügerischen Ausflüchte tun Gott weh. Er, der liebende Vater, hat mir viel Besseres zugedacht. Meine Zeit, meine Begabungen und Gefühle will er sinnvoller und segensreicher einsetzen. Neue Verhaltensweisen darf ich einüben. Was meine Seele im tiefsten Grunde sucht, dahin möchte mich Christus führen. Er gönnt mir das richtige Glück. Er ist die lebendige Quelle. Der, der das Hohle und Todbringende jeder Versuchung überwinden kann. Ihm vertraue ich meine Wünsche und Sehnsüchte an. – Gehen Sie mit dieser Gewissheit heute durch einen frohen und erfüllten Tag!
© Ruth Schneider / ERF
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