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/ Bibel heute

Das Leben im Licht

Der Bibeltext Epheser 5,15-20 – ausgelegt von Heike Knauff-Oliver.

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist.[...]

Epheser 5,15-20

Begegnung in einer Hütte in Namibia

… Kinderlachen, Frauen, die sich angeregt unterhalten und dabei Perlen einfädeln. Hühner picken noch ein paar Reiskörner auf, die von der Essensausgabe an die vielen Kinder übriggeblieben sind. Ein Straßenhund hat es sich in einer Ecke der kleinen Hütte bequem gemacht, um sich vor der heißen Sonne Afrikas zu schützen. Ich sitze in einer Hütte in dem Township, einer Stadt in Namibia, und beobachte dieses Geschehen: „Wie kann man nur so leben und dabei noch so gut gelaunt sein?“, stelle ich mir die Frage in Gedanken.

Katharina, die Besitzerin der Hütte, hat hier Frauen mit ihren Kindern aufgenommen, die unter häuslicher Gewalt leiden – die sonst keine andere Bleibe haben. In diesem Umfeld fühlen sie sich wohl und geschützt. Die Hütte ist überwiegend aus Brettern und Pappe zusammengezimmert – für unsere westlichen Wohnverhältnisse unvorstellbar, hier zu leben. „Wir dürfen hier nicht mit festen Materialien bauen, das ist uns vom Magistrat untersagt“, erklärt Katharina. Wahrscheinlich will man baulichen Wildwuchs verhindern. Bretterhütten sind leichter zu entfernen. Doch Katharinas Hütte hat etwas Besonderes. Sie ist nicht so dunkel wie die anderen Holzverschläge, in denen sich die Menschen nur abends und zum Schlafen aufhalten. Katharinas Hütte hat keine Fenster, aber bietet dennoch Schutz und Tageslicht. Dutzende durchsichtige, leere Plastikflaschen – eigentlich Müll – sind aufeinandergereiht und verklebt. Sie bilden die Hüttenfront. Durch sie fällt Tageslicht in die sonst so düstere Hütte. „Licht ist für die Frauen und Kinder, die viel Schlimmes erlebt haben, so wichtig“, erklärt mir Katharina weiter.

Sie leben von einem Tag auf den anderen und wissen nicht, ob es morgen eine warme Mahlzeit gibt, für sie und die Kinder. Da sind Katharina und die Frauen auf Spenden angewiesen oder ein bisschen Geld durch den Verkauf von Bastelarbeiten. Ich bewundere diesen Einsatz, dieses Leben. Ob Katharina eine tiefgläubige Christin ist, kann ich in der kurzen Zeit der Begegnung nicht ergründen. Doch sie glaubt an Jesus Christus und das tun die meisten Frauen um sie herum. Für mich verhält sie sich mit ihrer christlichen Nächstenliebe genauso. Sie ist den Frauen und Kindern ein Vorbild. Sie gibt ihnen Licht und eine Perspektive aus deren Finsternis heraus. Sie hilft ihnen, ein besseres Leben zu führen. Es liegt mir fern, Katharina als Lichtgestalt zu sehen oder zu bezeichnen. Doch auch für mich ist sie ein Vorbild. Sie tut das, was Paulus in seinem Brief an die Epheser schreibt.
 

Was macht unser Leben als Christen aus?

Da stellt sich die Frage, was macht unser Leben als Christen aus? Der Brief, den Paulus an die Gemeinde in Ephesus schreibt, enthält das, was von uns Christen erwartet wird, nämlich: Weise zu sein, dieses Leben sinnvoll zu nutzen, Verständnis für unsere Mitmenschen aufzubringen, ein Vorbild für andere zu sein in der Nachfolge Jesu Christi; verstehen, was der Wille Gottes ist, unsere Aufgabe im Leben als Christen erkennen, uns vom Bösen abwenden, uns nicht den weltlichen Gelüsten hingeben; Alkohol oder Drogen machen unser Leben nicht besser oder leichter, sondern trennen uns vom Geist Gottes.

Stattdessen sollen wir uns vom Geist Gottes erfüllen lassen – das geschieht im Gebet. Ermunterung mit Psalmen und Lobgesängen, die wir im Gottesdienst lernen, helfen uns – ob laut oder still im Herzen. Ja, Danken und Loben ziehen nach oben.
 

Wenn der Wille Gottes schwer zu verstehen ist

Doch oft befinde ich mich in Situationen im Leben, die mich ratlos machen: Menschen, die meine Geduld herausfordern; Leid, das mich sprachlos macht; die unendlichen Kriege und Gewalttaten in dieser Welt; Hass, Lüge und Ungerechtigkeit auf höchster politischer Ebene – manchmal sogar unter Christen, Menschen der Kirche, die mich enttäuschen; oder wenn ich wie in Afrika so oft angebettelt werde von Kindern, denen ich die pure Armut und den Hunger ansehe, dass mir das Herz zu zerbrechen droht und daneben Superreiche, die nur im Egoismus leben und nichts teilen. Dann verstehe ich oft den Willen Gottes nicht mehr. Mit leisem Hilfeschrei gen Himmel frage ich: Warum? Mein Gott, wie soll ich damit noch umgehen?

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“, schreibt Paulus als Antwort in seinem Brief an die Römer (Römer 12,21). Sozusagen: Gib dem Bösen keine Macht, indem du ihm so viel Bedeutung/Aufmerksamkeit schenkst: Sieh auf Jesus, was würde er sagen, wie würde er damit umgehen? Dann weiß ich, dass ich das Mögliche, was in meiner Macht steht, tun soll und kann.

Die Welt retten kann ich nicht, das ist nicht meine Aufgabe, nicht unsere Aufgabe. Das tut Jesus. Wir sollen ihm nur folgen, denn Jesus Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12) Jesus schenkt uns Erleuchtung und für ihn sollen wir mit unserem Leben, mit unserem Tun leuchten.
 

Christen leuchten von innen heraus

„Christen leuchten von innen heraus“, hat mir einmal ein lieber Freund und Diakon gesagt. Ja, Christen erkenne ich darüber hinaus an ihrem Handeln: Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Ehrlichkeit. Dazu gehören für mich soziale Verantwortung und ein respektvoller Umgang mit allen Menschen – unabhängig von deren Hintergrund. Ich glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die Menschen erlöst hat. An ihm und seinen Lehren soll ich mich ausrichten. Das sagt Paulus. Das ist nicht nur seine Botschaft an die Christen in Ephesus. Er sagt auch: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ (Epheser 5,19-20)

Von Herzen bin ich dankbar, dass ich immer wieder Menschen wie Katharina begegne. Die Frauen, die mir vor Augen halten, dass weltliches Treiben und materieller Wohlstand nicht der Schlüssel zur Glückseligkeit sind, sondern dass Güte und Barmherzigkeit auch die schäbigste Hütte erleuchten können. Ich danke Gott im Namen von Jesus Christus für seine Weisungen in Begegnungen, die mir zeigen, wie ich auch mit wenigen Mitteln seinen Willen erfüllen kann. Diese Begegnungen und Erkenntnisse wünsche ich auch Ihnen!


Sie haben Fragen zur Bibel und zum christlichen Glauben? Fragen Sie doch Nikodemus.AI

Nikodemus.ai

 

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